"Wache auf, der du schläfst und stehe auf aus den Toten,

 und CHRISTUS wird dir leuchten!" (Eph. 5:15)

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Ein Postbote:

„Entschuldigen Sie, sind Sie nicht jener Herr Faber, der den Millionen-Bestseller geschrieben hat „Ich und Gott“? Sie sind es! habe ich recht?“

 

Faber:

„Bitte behalten Sie das für sich.“

 

Postbote:

„Ich habe Ihr Buch vor 25 Jahren gelesen und es war das Inspirierendste, was ich je gelesen habe, außer der Bibel selbst. Ich wollte Sie schon immer mal persönlich sprechen, habe sogar Nachforschungen über Sie angestellt, aber Sie sind ja danach wie vom Erdboden verschwunden und haben auch nie wieder ein Buch geschrieben. Woran liegt das?“

 

Faber:

„Das hat sehr persönliche Gründe, über die ich eigentlich mit niemandem sprechen möchte.“

 

Postbote:

„Bitte, ich verspreche Ihnen, dass ich dies ganz für mich behalten werde. Aber Sie haben mich jetzt so neugierig gemacht. Es wäre für mich eine große Ehre, wenn ich etwas lernen dürfte von jenem weisen Menschen, der das Buch „Ich und Gott“ geschrieben hat. Ich glaube, dass es wirklich das beste Buch über christliche Psychologie ist, das es je gab! Sie sind doch Psychologe, nicht wahr?“

 

Faber:

„Ja, aber ich habe jetzt nicht viel Zeit.“

 

Postbote:

„Bitte, nur 2 Minuten! Erzählen Sie mir Ihr Geheimnis.“

 

Faber:

„Na gut, dann kommen Sie kurz herein.“

 

Postbote:

„Ich danke Ihnen. Sie haben so vielen Menschen geholfen, auch mir! Ist Ihnen das bewusst?“

 

Faber:

„Mag sein. Aber das traurige Geheimnis ist, dass ich damals meinen Glauben an Gott verloren habe. Ich versuche schon seit über 20 Jahren wieder zurückzufinden zu meinem damaligen Glauben, aber ich finde einfach keinen Weg zurück. Als ob die Tür mir versperrt wurde. Ich kann auch nicht mehr beten. Habe es versucht, aber es funktioniert nicht. All das ist mir auch einfach sehr unangenehm, denn wenn die Leute, die mein Buch gelesen haben, das wüssten, dann wären sie alle sehr irritiert. Ich habe vielen Menschen geholfen, zu Gott zu finden, aber ich selber finde einfach nicht mehr den Weg zu Gott!“

 

Postbote:

„Ja, das ist wirklich sonderbar. Und für mich ganz unerklärlich. Wie konnte das nur passieren?“

 

Faber:

„Ich weiß es selber nicht. Aber bitte erzählen Sie das niemandem!“

 

Postbote:

„Ich verspreche es!“

 

Faber:

„Und ich muss Sie jetzt leider bitten, zu gehen, denn ich bin wirklich beschäftigt.“

 

Postbote:

„Erlauben Sie mir bitte nur noch eine letzte Frage, die mich schon seit Jahren in meinem Glauben an Gott belastet und auf die ich einfach keine Antwort finde. Ein psychologisch so geschulter Mann – das muss ich doch ausnutzen!“

 

Faber:

„Ja gut, aber wirklich nur eine einzige Frage!“

 

Postbote:

„Ja, wirklich nur diese eine, und zwar: Was muss ich nur tun, damit sich endlich mein Leben ändert? Wissen Sie, ich habe schon so viele Menschen gefragt, warum ich es einfach nicht schaffe, endlich das zu tun, was ich wirklich will, und alle geben mir Ratschläge, die ich schon ausprobiert habe, aber die alle nicht funktioniert haben. Was muss nur geschehen, damit ich endlich das durchsetze, was ich doch eigentlich will, aber von dem ich mich immer wieder abbringen lasse?“

 

Faber:

„Die Antwort ist einfach, aber sie wird Ihnen nicht gefallen.“

 

Postbote:

„Egal was auch immer es ist: Ich bin bereit, die Antwort anzunehmen!“

 

Faber:

„Wollen Sie diese wirklich wissen?“

 

Postbote:

„Ja bitte!!! Ich flehe Sie an! Was ist die Lösung all meiner Probleme?“

 

Faber:

„Die Antwort lautet: Sie wollen in Wirklichkeit gar nicht, dass sich ihr Leben ändert. Wenn Sie ihr Leben wirklich ändern wollten, dann hätten sie es schon längst getan. So einfach ist das. Tatsächlich suchen Sie aber mit dieser Frage nur eine Absolution. Sie wollen ihr schlechtes Gewissen beruhigen, indem Sie sich selber vormachen, dass Sie einfach nicht die Kraft haben, Änderungen in ihrem Leben zu bewirken. Unbewusst geben Sie dadurch Gott die Schuld, weil Er Ihnen nicht die Kraft gegeben hat, sich zu ändern. Dadurch aber betrügen Sie sich nur selbst, weil Sie selbst sich ja auch gar nicht wirklich ändern wollen.“

 

Postbote:

(völlig in sich gekehrt) „Ja, - Sie haben recht… So wird es wohl sein… ich habe mich all die Jahre selber betrogen! Immer habe ich mir und anderen vorgemacht, dass ich es einfach nicht schaffe, aber in Wirklichkeit habe ich es auch nie wirklich gewollt… Jetzt haben Sie mich überführt! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen. Sie haben mir sehr geholfen!“

 

Faber:

„Das freut mich. Ich muss mich aber jetzt verabschieden. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!“

 

Postbote:

(noch immer tief in Gedanken) „Ja, - danke, Ihnen auch…

Ach, entschuldigen Sie, aber eines würde ich dann am Ende doch gerne noch wissen…“

 

Faber:

„Und das wäre?“

 

Postbote:

„Wenn Sie dies doch nun selber erkannt haben, warum lassen Sie diese Einsicht nicht für Ihre eigene Situation gelten?“

 

Faber:

„Wie meinen Sie das?“

 

Postbote:

„Wenn Sie sagen, dass Sie einfach nicht den Weg zurückfinden zu Gott, liegt es dann nicht nahe, dass Sie gar nicht wirklich zu Gott umkehren wollen, sondern in Ihrem geäußerten Wunsch einfach nur immer wieder Ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollen, indem Sie sich damit zufrieden geben, dass doch immerhin der Wunsch vorhanden sei, dass Sie zu Gott umkehren wollen? Denn wenn Sie dies wirklich je gewollt hätten, dann hätten Sie Gott doch längst gefunden!“

 

Faber:

„… … …“

6. Juni 2019 / 

Ein alter Freund, der Malermeister Simon Poppe aus Bremen, der jedem historisch-kritischen Bibelverständnis ablehnend gegenübersteht, fragte mich, ob wir nicht einmal per Internet einen Dialog über unsere Streitfragen führen sollten. Dabei sollte es weniger um den Versuch gehen, den jeweils anderen vom eigenen Standpunkt zu überzeugen, sondern eher darum, ein besseres Verständnis für die Position des anderen zu gewinnen.

Eine aufgeschlagene Bibel, angestrahlt von einer Lichtquelle, die von oben kommt, wie vom Himmel - muss man sie als wortwörtlich offenbartes Wort Gottes lesen?

Die Bibel: Buchstäblich offenbarte Wahrheit oder in Menschenworte verpacktes Gotteswort? (Bild: katie175 – Pixabay)

Wir führten den Dialog drei Wochen lang, vom 14. Mai bis 4. Juni 2019. Das Ergebnis veröffentlichen wir sowohl auf seiner Internetseite https://www.zeitaufzustehen.de/ als auch hier auf meiner bibelwelt.de Seite.Text in schwarzer Farbe stammt von Simon PoppeText in blauer Farbe von mir, Helmut Schütz.Damit man unseren Gedankengängen etwas leichter folgen kann, sind vor allem dort, wo sie sich stark verzweigen, in roter Farbe Hinweise auf Stichworte in den Text eingestreut, die den Themenschwerpunkt in den jeweils folgenden Abschnitten bilden.
→ „Wahrheit oder Lüge“ → „Jungfrauengeburt“

S. P.: Lieber Helmut, Du hast meine Denkweise schon öfter als „fundamentalistisch“ bezeichnet. Für mich ist eine Sache entweder wahr oder falsch. Beispielsweise die Aussage, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde. Ein Theologe wie Du würde wahrscheinlich sagen, dass diese Aussage zwar wahr, aber nicht historisch sei, stimmt‘s? Aber wenn sie „nicht historisch“ wäre, wie kann sie dann „wahr“ sein?

H. S.: Genau genommen würde ich sagen, dass ich es für den Glauben unerheblich finde, ob diese Aussage historisch wahr ist oder nicht. Ich möchte nicht beweisen, dass keine biologische Jungfrauengeburt Jesu stattgefunden hat. Aber das Wunder, dass Jesus Gottes Sohn ist, hängt nicht daran, ob Maria biologisch als Jungfrau schwanger geworden ist. Indem Matthäus und Lukas von der Jungfrauengeburt erzählen, beschreiben sie (für mich auf bildhafte Weise – sie selbst verstanden es sicher auch real biologisch), dass Jesus seine Göttlichkeit, die vollkommene Liebe Gottes, die in ihm wohnte, nicht von einem menschlichen Vater vererbt bekommen haben kann. Und ich persönlich finde es wunderbar, dass Gott seine Liebe ausgerechnet in dem Kind eines unehelich schwanger gewordenen Mädchens, das ihr Verlobter verstoßen will, zur Welt kommen lassen will.

S. P.: Die Frage, ob es für den Glauben an die Liebe Gottes „erheblich“ sei oder nicht, an eine buchstäbliche Jungfrauengeburt zu glauben, lenkt geschickt von der viel bedeutsameren Frage nach der GLAUBWÜRDIGKEIT der Bibel an sich ab. Wie stark wird wohl die Liebe zwischen Eheleuten sein, wenn beide einander kein Wort mehr glauben können? Die Ehefrau stellt z.B. ihren Mann zur Rede wegen einer E-Mail an seine geheime Geliebte, und dieser versucht ihr zu erklären, dass es sich nur um schöne Poesie handele, aber die Liebesbeteuerungen an die andere angeblich überhaupt keinen Einfluss hätten auf die Liebe des Mannes zu seiner Ehefrau. Und wie glaubwürdig ist wohl ein Zeuge vor Gericht, wenn er in einer früheren Aussage von einer „Jungfrau“ spricht und dann später – interessegeleitet – angeblich nur noch etwas von einer „jungen Frau“ gesagt haben will?!

H. S.: Ich denke, dass du hier sehr klar das zum Ausdruck bringst, was ich mit Fundamentalismus meine. Es ist eine bestechend einfache Sicht der Bibel, dass alle Aussagen in ihr entweder nur „wahr“ im Sinne von faktisch genau so geschehenen Tatsachen, historisch nachprüfbaren Gegebenheiten sein können – oder sie sind „falsch“ im Sinne einer Lüge, eines Betrugs, eine Falschaussage vor Gericht.

Ja, und ich gebe zu, es ist nicht leicht für mich, darauf eine Antwort zu geben. Ich glaube, ohne das Wunder des Heiligen Geistes, dass nämlich Gott selbst in mir wie in allen anderen Christen den Glauben (das unerschütterliche Vertrauen auf seine Liebe) weckt und erhält, wäre es unmöglich, in den so widersprüchlich erscheinenden (und manchmal auch wirklich einander widersprechenden) menschlichen Aufzeichnungen der Bibel von Glaubenserfahrungen wirklich Gottes glaubwürdiges Wort zu entdecken.

Interessanterweise beruft sich Matthäus, als er von der Geburt aus der „Jungfrau“ (parthenos) spricht, auf eine Prophezeiung des Jesaja, in der dieser tatsächlich von einer „jungen Frau“ spricht (alma, nicht bethula, womit die unberührte Jungfrau gemeint gewesen wäre), die in Kürze ein Kind gebären werde.

S. P.: Da ich kein Hebräisch kann, muss ich mich hier auf den Kommentar eines Nachschlagewerkes verlassen, der wie folgt lautet:

ALMa‘H = VERHEIMLICHTE
Ein weibliches Wesen, das weder von einem Mann erkannt noch einem solchen gegenüber irgendwie enthüllt (d.h. entkleidet) wurde. Das hebräische Wort ist also, was die Verbindung zum männlichen Geschlecht betrifft, begrifflich noch enger als das Wort BöTULa‘H : JUNGFRAU. Nicht jede Jungfrau ist eine Verheimlichte, es ist aber jede Verheimlichte eine Jungfrau. Die Geburt des HErrn aus einer Jungfrau ist somit durch den Grundtext von Jesaja 7:14 nicht infrage gestellt, sondern bestätigt. ALMa‘H gehört zur Wortfamilie von ALU‘M : Verheimlichtes (Psalm 90:8), A‘LäM : UNBEKANNTER (wörtlich: VERHEIMLICHTER)(1. Samuel 17:56), TaALUMa‘H : VERHEIMLICHUNG (Hiob 28:11), ALUMI‘M : VERHEIMLICHTWORDENE (Jesaja 54:4) und ALa‘M, das im Passiv (ni) mit VERHEIMLICHT SEIN (3. Mose 4:13) und in der Verursachungsform (hi) mit VERHEIMLICHEN (Jesaja 1:15) übersetzt wird
.“
(Worterklärung aus der DaBhaR-Übersetzung von F.H. Baader 1989).

H. S.: Du beziehst dich hier leider auf die extrem „konkordante“ Bibelübersetzung von Baader, die dem Irrtum verfällt, man könne jedes Wort bzw. jeden Wortstamm einer Sprache wie der Hebräischen oder Griechischen mit einem in der Bedeutung völlig genau übereinstimmenden Wort bzw. Wortstamm in der jeweiligen Zielsprache übersetzen. (Prof. von Siebenthal, der zur Zeit an der Freien Theologischen Hochschule Gießen lehrt, hat zu dieser Übersetzung hiereinige Kritik geübt.)

Aber OK, nehmen wir an, das Wort ALMaH käme wirklich vom Wortstamm „verheimlichen, verbergen“, so liefe der Wortsinn für Jesaja 7,14 („Mädchen im heiratsfähigen Alter, junge Frau, bis sie Kinder bekommt“) immer noch darauf hinaus, dass eine geschlechtsreife junge Frau demnächst ein Kind gebären wird, und zwar nicht ALS Jungfrau, sondern auf völlig natürliche Weise, wie das bei jeder ALMaH der Fall war, wenn sie heiratet und Kinder bekommt. Denn Jesaja 7,16 sagt dem König Ahas bereits in kurzer Zeit die Verödung des Landes voraus, „vor dessen zwei Königen dir graut“. Matthäus hört in diesem Wort Jesajas allerdings mehr – er deutet es sozusagen „allegorisch“ – mit einer „anderen“ Bedeutung – er hört es als Vorausschau auf Maria, die den Messias Gottes zur Welt bringt.

S. P.: Dass ich aus einem bestimmten Fachbuch zitiere, muss keineswegs bedeuten, dass ich mich mit allen theologischen Ansichten des Autors einverstanden erkläre. Aber soweit er sich auf unbestreitbare und wissenschaftlich überprüfbare Fakten berufen kann, tun seine sonstigen Ansichten nichts zur Sache.

Prophetische „Zeichen“ hatten die Funktion, ein vorhergesagtes Szenario durch die zusätzliche Ankündigung eines außergewöhnlichen Ereignisses als göttliche Bestätigung anzuzeigen („Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst“, Lukas 22:34). Wenn es sich bei der angekündigten ALMaH nur um irgend eine beliebige gebährfähige junge Frau handeln würde, dann könnte man dieses Ereignis wohl kaum als außergewöhnlich deuten, denn in der Zeit nach dieser Weissagung haben ja auch Millionen anderer junger Frauen Kinder geboren, die „Rahm und Honig aßen“ oder die irgendwann „wussten, das Böse zu verwerfen und das Gute zu erwählen“. Die einzige Besonderheit an dieser Geburt kann eigentlich nur in der jungfräulichen Empfängnis bestanden haben.

Abgesehen davon hatte der Engel der Maria klar gesagt, dass sie diesen Sohn ohne die natürliche Zeugung empfangen würde, sondern: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ (Lukas 1:35). Die Frage ist also nicht, ob diese Aussage missverständlich ist, sondern ob wir sie GLAUBEN WOLLEN oder nicht. Ich glaube sie. Denn derselbe Gott, der das Leben erschuf, vermag auch eine Jungfrau übernatürlich zu schwängern.

H. S.: Wie ich schon sagte, bezieht sich Jesaja 7:14 unmittelbar auf eine junge Frau, die noch zu Lebzeiten des Ahas ihr Kind bekommt, ohne dass dabei irgendeine Andeutung einer jungfräulichen Geburt im Spiel wäre, denn die Pointe der prophetischen Ankündigung steht in 7:16: „das Land wird verödet sein, vor dessen zwei Königen dir graut“, und zwar noch bevor der Sohn dieser frisch verheirateten Frau groß geworden ist.

Recht gebe ich dir darin, dass Matthäus diese Ankündigung aus ihrem unmittelbaren Kontext heraushebt und – im Glauben – als Zeichen auf die von ihm als jungfräulich verstandene Geburt Jesu bezieht. Der von dir zitierte Vers Lukas 1:35 kann meines Erachtens auch als bildhafte Aussage über die Bewahrung Marias in ihrer vielleicht sogar durch Missbrauch entstandenen Schwangerschaft gedeutet werden (so Jane Schaberg in ihrem Buch über die illegitime Geburt Jesu oder ich in meinem Aufsatz „Marie, die reine Magd“) – du erinnerst dich ja vielleicht noch, dass ich es für möglich (nicht für einen bewiesenen Fakt) halte, die Jungfräulichkeit Marias als Zuspruch an das missbrauchte Mädchen Maria zu deuten, das ein Kind bekommt, von dem andere denken, es sei ein Bastard („Schlemmer und Weinsäufer“, „Sohn Marias“, „wir haben Abraham zum Vater“): Gott sagt Josef bzw. Maria durch seinen Engel: dieses Kind mag in den Augen der männlich dominierten Welt ein verachtetes Kind der Schande sein, aber mir gefällt es, meine ewige Liebe in diesem Allerverachtetsten aller Menschen wohnen zu lassen.

→ „Naturgesetze und das Übernatürliche“

Dein Stichwort „GLAUBEN WOLLEN“ weckt in mir die Assoziation: „Wenn du das nicht glaubst, bist du kein richtiger Christ!“ – aber nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass derselbe Gott, der mir meinen Verstand gegeben hat, mir vorschreiben will, übernatürliche Dinge als Fakt glauben zu sollen, die ich ebenso gut als Deutungen der natürlichen – und doch wunderbaren – Wirklichkeit des Glaubens verstehen kann.

S. P.: Gerade in dem von Dir zuletzt genannten Satz kommen wir dem Kern des Problems einen entscheidenden Schritt näher, nämlich der Frage nach den Motiven für unsere Glaubensentscheidung. Ich will keine Mutmaßungen über Dich anstellen und kann nur objektiv über meine eigenen Motive sprechen: Meinem Gott zuzutrauen, dass Er „alles vermag und kein Ding Ihm verwehrt werden kann“, ist für mich KINDERLEICHT und hat mir seit meiner Kindheit noch nie irgendeine verstandesmäßige Anstrengung oder gar Anfechtung abverlangt. Ich musste die Jungfrauengeburt also noch nicht einmal erst „glauben WOLLEN“, geschweige denn mir Gedanken machen, ob Gott mir den Glauben an übernatürliche Dinge „VORSCHREIBEN“ könnte; denn warum sollte Der, Der ein Naturgesetz erlassen hat, es nicht auch selber zeitweise außer Kraft setzen können/dürfen? („Sonne stehe still zu Gibeon!“ Josua 10:12). Wer wollte Gott dies denn untersagen? Gott darf sich selber nicht verleugnen und ist zwar verpflichtet, Gerechtigkeit und Recht zu üben, um Seine Thronesmacht nicht zu gefährden, aber die Naturgesetze sind vergleichsweise von deutlich untergeordneter Bedeutung.

Deshalb halte ich es für eine zwiespältige Quälerei und eine gänzlich überflüssige Rücksichtnahme, wenn ich die biblischen Texte immer nur unter dem Vorbehalt ihrer Wissenschaftlichkeit glauben müsste und sie andernfalls verkrampft umzudeuten hätte.

H. S.: Meine Prägung aus Kindheitstagen ist anders: Meine Eltern waren beide gläubig, für meine Mutter stand im Vordergrund, dass der Glaube ihr Kraft und Lebensmut in schweren Zeiten gab, mein Vater als Landwirt, Soldat und Arbeiter verband seinen Glauben mit einer nüchternen, verstandesbetonten Einstellung. Ich habe von beiden viel übernommen und war von Kindheit an davon überzeugt, dass die Welt und unser Leben von Gott gewollt, geliebt und getragen ist – zugleich ist mir von meinem Jugendalter an ein nüchterneres Denken selbstverständlich, was übernatürliche Vorgänge und auch was Widersprüche in der Bibel angeht. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir von Gott nur in menschlichen Bildern sprechen können, da er viel größer ist als alles menschliche Denken.

→ „Gottes Allmacht“

Deine Vorstellung von Gott als einem Machthaber, der beliebig Naturgesetze erlässt und außer Kraft setzt, greift in meinen Augen zu kurz: Erkennen kann ich nur bruchstückhaft ein Universum mit Regeln, die wir als Naturgesetze begreifen (aber nie vollständig erfassen werden), die allerdings – so weit ich es überblicke – jedenfalls heute nicht einfach von Gott aus heiterem Himmel außer Kraft gesetzt werden – von daher hilft es niemandem, anzunehmen, dass Gott das vielleicht in biblischen Zeiten noch so gemacht hat.

Und deiner Vorstellung, dass Gott Gerechtigkeit und Recht üben muss, um seine Thronesmacht nicht zu gefährden, widerspreche ich entschieden: Nach meinem Verständnis der Bibel ist Gottes Allmacht die Macht der Liebe selbst, zu der sein Wille zur Gerechtigkeit, zum Recht, zur Barmherzigkeit (alles in eins) wesentlich dazu gehört – und diese Macht ist durch keine andere Macht im Universum und darüber hinaus gefährdet.

S. P.: Es werden allmählich immer mehr Argumente, die mich zwingen, selber auch mehr zu schreiben, als mir lieb wäre:

→ „Naturgesetze und das Übernatürliche“

Ist man denn in Deinen Augen unnüchtern, wenn man an „übernatürliche Vorgänge“ glaubt? Gott selbst ist übernatürlich, ebenso Christus und die Engel, sowie Satan, das ewige Leben etc. Doch auch scheinbar natürliche Dinge sind mit rein naturwissenschaftlichen Methoden nicht erklärbar, z.B. das Leben oder die Liebe. Und die Widersprüche in der Bibel lassen sich alle auflösen, wenn man die Bibel nur gut genug kennt.

→ „Offenbarung“

Offensichtlich gehst Du aber bei der Heiligen Schrift nicht von einer Offenbarung Gottes aus, sondern nur von einem menschlichen Erklärungsversuch. Dein Satz „Gott ist viel größer“ klingt fromm, ist aber ein Deckmantel für Unglauben. Das erinnert mich an König Ahas, wie er scheinbar fromm das Angebot Jesajas ablehnte, von dem HErrn ein Zeichen zu erbeten mit der scheinheiligen Begründung, er wolle Gott ja nicht versuchen. Die höchste Form des Unglaubens ist es, wenn man ihn theologisch zu begründen vermag.

→ „Gottes Allmacht“

Dass Gott ein „Machthaber“ sei, der „beliebig Naturgesätze erlässt und wieder außer Kraft setzt“, habe ich nicht behauptet, sondern nur, dass Er es kann, es schon getan hat und ein Recht dazu hat.

Dass Gerechtigkeit und Gericht die Grundfeste der Thronesmacht Gottes sind, habe ich mir nicht ausgedacht, denn das sagt ja das Wort Gottes (Psalm 89:14, 97:2). Aber das leuchtet mir auch völlig ein: Wenn Gott ungerecht wäre, könnte Sein Reich nicht mehr bestehen, ebenso wenig, wenn Er nicht eines Tages richten würde.

H. S.: Ja, es ist schwierig zu vermeiden, dass sich die Argumente verzweigen…

→ „Naturgesetze und das Übernatürliche“

„Nüchtern“ heißt für mich, dass ich den Glauben an die Außerkraftsetzung der Naturgesetze durch Gott als nicht notwendig für den christlichen Glauben verstehe – ich frage mich z. B.: wie sollte im Tal Ajalon, wortwörtlich verstanden, die Sonne stillgestanden haben, d.h. die Erde ihren Lauf um die Sonne zeitweise unterbrochen haben, ohne dass dabei eine weltweite Katastrophe eingetreten wäre?

Jesus ist kein übernatürliches Halbgottwesen, wie es sich die altorientalische Göttermythologie vorstellte, sondern ganz wahrer Gott, indem er zugleich ganz wahrer Mensch ist.

→ „Evolution“

Liebe ist nicht übernatürlich, wenngleich nicht wissenschaftlich erklär- oder fassbar und das Wunderbarste, was es überhaupt gibt.

Und das Leben ist ebenfalls wunderbar, aber seine Entstehung kann ich mir durchaus als Ergebnis einer Evolution vorstellen – Gott schafft, indem er sich evolutionärer Mittel bedient.

→ „Offenbarung“

Die Bibel ist nicht wortwörtlich inspiriertes Diktat von Gott, enthält aber – verpackt in menschliche Worte – das uns vom Heiligen Geist offenbarte Wort der Liebe Gottes. Erklärungsversuche beziehen sich darauf, das Geschenk des göttlichen Segens mit Hilfe des Heiligen Geistes aus den menschlichen Worten auszupacken. Muss es übrigens wirklich sein, dass du mir theologisch verbrämten Unglauben vorwirfst?

→ „Gottes Allmacht“

Ich bestritt nicht, dass Gerechtigkeit und Recht die Grundfesten von Gottes Macht sind, sondern deine Aussage, dass Gott Gerechtigkeit und Recht ZU DEM ZWECK üben müsse, seine Thronesmacht nicht zu gefährden.

→ „Naturgesetze und das Übernatürliche“

S. P.: „Nicht erforderlich für den Glauben“? Ich kenne einen Bruder, der sich seit drei Jahren nur von Wasser und Brot ernährt mit der Begründung, dass es „nicht erforderlich“ sei, auch noch andere Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, um am Leben zu bleiben. Mal unabhängig von der Frage, ob diese These zutrifft oder nicht, macht sie doch eines deutlich: dass nämlich eine solche Vermeidungshaltung auf Dauer verarmend und verkümmernd wirkt. Hast Du nicht gesagt, dass Gott „viel größer“ sei als unser menschliches Denken? Warum sollte Er dann nicht auch Mittel und Wege finden können, die Sonne still stehen zu lassen, um Seinen Plan zur Ausführung zu bringen?

→ „Evolution“

Unter „übernatürlich“ verstehe ich alle Phänomene, die zwar von uns Menschen erfahrbar, aber auch grundsätzlich nicht erklärbar sind, weil sie sich einer naturwissenschaftlichen Methodik entziehen. Zu denen zähle ich nicht nur die Liebe, sondern auch das Leben oder die Intelligenz, da es sich bei all diesen um nicht-materielle, sondern geistige Größen handelt.

→ „Offenbarung“

Du möchtest eine Trennung sehen zwischen dem „Wort Gottes“ und der menschlichen Überlieferung desselben, so als ob der Bote sich die Freiheit herausnehmen durfte, das Geschenk in eine ganz untaugliche Verpackung zu transportieren, z.B. einen Liter Farbe in eine Papiertüte, um dadurch die als Widersprüche wahrgenommenen (aber in Wirklichkeit nur nicht verstandenen) Teile in der Heiligen Schrift zu erklären. Pakete werden aber i.d.R. NICHT vom Zusteller verpackt, sondern vom Sender, der auch die Verantwortung trägt, damit das Paket unbeschadet den Empfänger erreicht.

→ „Gottes Allmacht“

Die Metapher von der Gerechtigkeit als Grundfeste eines Thrones nimmt aber direkt Bezug auf deren Anwendung. Nur wenn ein König auch selbst Gerechtigkeit verübt, kann sein Thron fest bestehen (Sprüche 16:12). Deshalb sind ja auch am Ende alle anderen Königreiche gefallen, weil sie ihre Gerechtigkeit nicht dauerhaft verübt hatten.

→ „Naturgesetze und das Übernatürliche

H. S.: Mein Denken, Fühlen und Glauben verkümmert nicht dadurch, dass ich darauf verzichte, im Dialog mit meinem inneren Naturwissenschaftler oder Historiker herauszufinden, wo die Bibel möglicherweise historisch irrt bzw. nicht auf der Höhe der inzwischen erreichten wissenschaftlichen Welterklärung ist, und DENNOCH die wunderbarsten Erzählungen, Gebete, Lieder, Metaphern etc. bereitstellt, um Glauben, Hoffnung und Liebe aufzubauen und zu stärken. Vielleicht ist dein Vergleich mit der Wasser-und-Brot-Ernährung ganz hilfreich: Ich z. B. verzichte seit 18 Jahren auf allzu viele Kohlenhydrate im Essen und trinke nur Wasser, grünen Tee (und beim Kirchencafé mal einen Milchkaffee) und halte dadurch ohne Medikamente meine Insulinresistenz im Griff, würde aber nicht meine Ernährung irgendjemand anderem vorschreiben wollen.

→ „Evolution“

Die Entstehung des menschlichen Gehirns als Träger des menschlichen Bewusstseins, der Gefühle etc. halte ich als evolutionären Vorgang für grundsätzlich erklärbar (wenn er auch in seiner Komplexität von Menschen sicher nie vollständig erfasst werden wird). Das Hervortreten von Gefühlen in lebenden Wesen, von Liebe, Intelligenz, Bewusstsein im menschlichen Geist bleibt auch für mich ein unerklärbares Wunder. Ich bin aber dagegen, Gott als Lückenbüßer für naturwissenschaftlich noch nicht vollständig erklärte, aber grundsätzlich erklärbare Vorgänge zu missbrauchen.

→ „Offenbarung“

Deine Metapher mit dem Paketboten greife ich gerne auf. Gott selbst ist es doch, der seine Offenbarung in scheinbaroft ganz untauglicher Verpackung zu uns sendet: er beruft den sprachunbegabten Mose, den Jeremia, der zu jung, die Sara, die zu alt ist. Paulus sagt, dass das Wort vom Kreuz den Juden als Ärgernis, den Griechen als Torheit erscheint. Jesus als Mensch wird mit dem „allerverachtetsten unter den Menschen“ verglichen. Für mich ist es gerade die Stärke der Bibel, dass der Heilige Geist in ihr auch widersprüchliche menschliche Überlieferungen zum Transport der Offenbarung zu uns Menschen nutzt. Dir müsste eigentlich der Koran mehr liegen, da er ja im Unterschied zur Bibel ausdrücklich als Diktat Gottes durch den Engel Gabriel an Mohammed verstanden wird.

→ „Gottes Allmacht“

Ich verstehe und akzeptiere, worauf du hinauswillst.

→ „Naturgesetze und das Übernatürliche“ → „Beliebigkeit“

S. P.: Glaube ist sicherlich etwas sehr Persönliches, erst recht, wenn man ihn an den Bedürfnissen jedes einzelnen messen wollte. Wenn ich allerdings von einer „Verarmung“ des Glaubens sprach, wenn man ihn unter dem Vorbehalt und Maßgabe der Naturwissenschaftlichkeit üben müsse, ist dies noch eine Untertreibung. Denn „auch die Dämonen glauben und zittern“ (Jakobus 2:19). Es geht also nicht um irgendeinen Glauben, sondern um den „Glauben unseres HErrn Jesus Christus“ (Jakobus 2:1). Der Begriff „Glaube“ ist ja nicht geschützt, ebensowenig wie die Bezeichnung „Gott“. Jeder kann sich irgendeinen Glauben zusammenbasteln, ohne dass dieser ihn deshalb zum wiedergeborenen Christen im biblischen Sinne qualifiziert. Aber selbst in den natürlichen Dingen wie z.B. einer Liebesbeziehung, in welcher sich jeder nur das nimmt, was er braucht und nebenbei fremd geht, leuchtet uns ein, dass eine solche niemals intensiv genug ist, um auf Dauer zu bestehen.

→ „Evolution“

Bei der Frage der wissenschaftlichen Erklärbarkeit des Lebens, Fühlens oder Denkens bist Du auf die Taschenspielertricks der Evolutionisten hereingefallen. Sie wollen den Menschen weismachen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, dass man mit naturwissenschaftlicher Methodik den Geist als Teil der Materie erklären könne. Tatsächlich aber liegt in dieser Unmöglichkeit zugleich auch die entscheidende Widerlegung der Evolutionstheorie.

→ „Offenbarung“

Mit voller Absicht hat sich Gott – nach menschlichen Maßstäben -„untaugliche“ Werkzeuge erwählt, aber nur deshalb, um sie tauglich zu machen, und nicht damit diese dann Seine Botschaft zu einer untauglichen zu machen. Der HErr stellt in Seinen Meisterbetrieb auch vormals kriminelle Lehrlinge ein, aber nicht, um später Seine Kunden von diesen bestehlen zu lassen, sondern Er macht aus ihnen ehrliche und tüchtige Handwerker.

→ „Beliebigkeit → „Vielfalt des Glaubens“

H. S.: Du hast Recht, dass in Glaubensfragen keine völlige Beliebigkeit herrschen kann; auch ich bin zeitlebens darum bemüht, nach bestem Wissen und Gewissen meinen Glauben am Wort der Schrift zu messen und bitte dabei um Gottes Heiligen Geist, das Gotteswort aus ihrer menschlichen Verhüllung in rechter Weise auszupacken. Ich bleibe aber dabei, dass es schon in der Bibel eine Glaubensvielfalt gab und dass diese unvermeidbar ist. Jakobus will ja an der von dir zitierten Stelle darauf hinaus, dass Theologen wie Paulus auf die Werke als Folge des Glaubens zu wenig Wert legen und wirft im Grunde Paulus vor, dass sein Glaube tot sei.

→ „Evolution“

Bei der Evolutionstheorie steht jetzt einfach Aussage gegen Aussage. Aber mich interessiert, ob du auch die Schöpfungserzählungen und Schöpfungslieder und -gedichte der Bibel 1:1 als naturwissenschaftlich-historische Aussagen verstehst, die durch keine weitere Entwicklung der Wissenschaft widerlegt werden können. Waren die Schöpfungstage 24 Stunden lang? Hat Gott durch sein Wort Adam und Eva nach den Tieren geschaffen oder hat er schon vor den Tieren Adam buchstäblich aus Lehm geknetet? Hat Sophia ihm, wortwörtlich genommen, dabei zugesehen und vor ihm gespielt? Etwas später: Wenn die Bibel in allen Teilen ein historisches Buch ist, wieso erklärt sie nicht, mit welchen Menschen Kain im Land Nod eine Familie gründen und eine Stadt aufbauen konnte – und und und…?

→ „Offenbarung“

Dem stimme ich voll zu, zumal ich dankbar dafür bin, dass ich mit meinen wahrhaft unvollkommenen Mitteln wohl schon einige Male Menschen zum Segen werden konnte, die seelsorgerliche Hilfe brauchten. Du würdest vielleicht bestreiten, dass ich auch mit meinen Predigten Segen verbreiten könnte, aber das entscheiden nicht wir beide. Für mich bleibt jedenfalls Gottes Wort ein „Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns“ (2. Korinther 4, 7).

→ „Vielfalt des Glaubens“

S. P.: Dass es angeblich einen Widerspruch gäbe zwischen der Lehre des Paulus und der des Jakobus ist ein „alter Hut“, den sich die protestantische Theologie ausgedacht hat, weil sie nicht den Unterschied zwischen Bekehrung und Nachfolge verstanden hat. Für den Moment der Bekehrung, von dem Paulus z.B. in Röm. 3 spricht, sind gute Werke nicht erforderlich, sondern eher „hinderlich“, da unsere Rechtfertigung und Annahme allein durch das vollkommene Werk Jesu am Kreuz geschehen kann; aber in der Nachfolge sind gute Werke („Früchte“), die Gott in uns wirkt, sogar der eigentliche Sinn und Zweck unserer Errettung (Johannes 15:16). Dies hat auch Paulus immer wieder betont in all seinen Briefen (Römer 15:18, 1. Korinther 3:13-15, 15:58, 2. Korinther 9:8, Epheser 2:10, Kolosser 1:10, 3:17, 1. Thessalonicher 1:3, 2. Thessalonicher 2:17, 1. Timotheus 2:19, 5:10, 6:18, 2. Timotheus 2:21, 3:17, Titus 2:7+14, 3:1+8+14). „Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst ein Eigentumsvolk, EIFRIG in guten WERKEN…. Ich will, daß du auf diesen Dingen fest bestehst, auf daß die, welche Gott geglaubt haben, SORGE TRAGEN, gute WERKE zu betreiben.“ (Titus 2:14, 3:8). Fazit: Es gibt NUR EINEN ECHTEN BIBLISCHEN GLAUBEN, der aber auch Werke hat.

→ „Evolution“

Gott konnte ohne Weiteres die Welt in buchstäblich 24 Stunden erschaffen (ob Er es auch tat oder die 6 Tage für 6 längere Zeiträume stehen, ist eine andere Frage). Die sog. „Kambrische Explosion“ widerlegt eine stufenweise Evolution aber genauso wie die Existenz der Giraffe (und vieler anderer Tiere), da es für diese nachweislich keine fossilen Vorstufen gab. In welcher Reihenfolge Gott Mensch und Tier am sechsten Tag erschuf, ist irrelevant, und die Redeweise „aus Staub bilden“ meint letztlich nur, dass er anorganische Materie zu lebendigen Organismen bildete. Die Weisheit, die nach Sprüche 8 alles erschuf, ist der HErr Jesus selbst (1. Korinther 1:30), durch den alles geschaffen wurde (Johannes 1:3, Kolosser 1:16).

→ „Blutlinie“

Und ob Gott zusätzlich zu Adam auch später noch andere Menschen erschuf (auf anderen Erdteilen), ist nicht überliefert, aber durchaus denkbar. Trotzdem gibt es aber nur eine Blutlinie, die bei Adam beginnt.

→ „Offenbarung“

Bei den „irdischen Gefäßen“ (Mehrzahl!) in 2. Korinther 4:7 geht es nicht um die Bibel, sondern um „unsere irdischen Leiber“ (V.11), die noch erkranken und sterben können.

→ „Vielfalt des Glaubens“

H. S.: Bis auf dein pauschales Urteil über „die“ protestantische Theologie im ersten Satz gebe ich dir Recht. Jakobus und Paulus repräsentieren zwei unterschiedlich akzentuierte Glaubensweisen, die sich letztlich ergänzen – über die es aber trotzdem schon in der urchristlichen Zeit heftigen Streit gab. Aber eigentlich ging es hier ja um die Frage, ob es für den christlichen Glauben notwendig ist, auch z.B. an übernatürliche Wunder zu glauben. Dir fällt das leicht; ich sehe keine Notwendigkeit, mich dazu nötigen zu lassen. Können wir das nicht einfach nebeneinander stehen lassen?

→ „Evolution“

Die Theorie der Evolution dadurch zu falsifizieren, dass man für viele Tierarten keine fossilen Vorstufen gefunden hat, scheint mir unmöglich. Eine gewisse Einigkeit mit dir entdecke ich darin, dass auch du die Erschaffung des Menschen aus Staub als Metapher betrachtest und die Unterschiede verschiedener Erzählungen von der Schöpfung für unerheblich hältst. Die Weisheit, die nach Sprüche 8 dabei war, als Gott alles schuf, kann auch ich mit der liebevollen Weisheit identifizieren, die sich in Jesus verkörperte (letzten Sonntag habe ich über die Sophia gepredigt).

→ „Blutlinie“

Aber was meinst du damit, dass es nur eine „Blutlinie“ gab, die bei Adam anfängt?

→ „Offenbarung“

Das mag sogar sein, aber unmittelbar bezieht sich Paulus ja auf seine Predigt „von der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi“ – und im Kapitel zuvor hat er die menschlich unvollkommenen Korinther als lebendigen „Brief Christi“ bezeichnet, der „von allen Menschen“ gelesen werden kann (3:2-3). Aber wir werden uns hier wohl nicht einigen, sondern können wohl nur feststellen: Du siehst es so – ich sehe es anders.

→ „Vielfalt des Glaubens“

S. P.: Selbstverständlich kann man Deinen – unter dem Vorbehalt der Naturwissenschaftlichkeit stehenden – Glauben auch „stehenlassen“. Es gibt ja auch vieles andere, was man lieber „stehen lässt“ im Schrank, z.B. Weinflaschen, Schoko-Osterhasen oder Bibeln, um sie lieber von außen anzuschauen, anstatt sie in sich aufzunehmen 😉 Genauso kann man sich auch einen Glauben „ins Regal stellen“, dessen unvorstellbare Möglichkeiten einem für immer verschlossen bleiben, wenn man nicht an seine umfangreiche Anwendbarkeit glaubt.

→ „Evolution“

Ich habe mit Interesse Deine Predigt gelesen. Das hebräische AMON (Sprüche 8:30) kann man wohl am besten mit „(treuer) Werkmeister“ übersetzen. Aber was hätte der HErr Jesus denn an der Schöpfung zu werkeln gehabt, wenn sie doch in Wirklichkeit angeblich von ganz alleine entstanden sein soll in 4,6 Milliarden Jahren? Da es ja in der Ideologie der Evolution keine Zielgerichtetheit geben kann, können die Evolutionsgläubigen ja heilfroh sein, dass bei all dem chaotischen Treiben am Ende doch so ein gut funktionierendes Design dabei entstanden ist (Ironie off). Es bedurfte nach der Evolutionstheorie aber auch gar keiner „Weisheit“, um diese voranzubringen, sondern im Gegenteil ist die Weisheit ja selber ein Produkt der Evolution, die erst vor rund 3.000 Jahren allmählich entstanden sein soll. Übrigens ist auch der monotheistische Gott in dieser agnostischen Geschichtserzählung angeblich erst vor etwa 10.000 Jahren entstanden. Man muss sich also als Christ entscheiden, ob man sich auf diesen Unsinn ganz – oder gar nicht – einlassen will, denn sonst gleicht man einem Vegetarier, der sich aus dem Eintopf jedes einzelne Fleischstück herauspickt, damit er es essen kann.

→ „Blutlinie“

Mit der „Blutlinie“ bezog ich mich auf Apostelgeschichte 17:26 „Und Er hat aus einem Blute jede Nation der Menschen gemacht, um auf dem ganzen Erdboden zu wohnen…“

→ „Vielfalt des Glaubens“

H. S.: Hattest du nicht zum Zweck unseres Austausches geschrieben: „Dabei sollte es nicht nur darum gehen, den jeweils anderen von seinem eigenen Standpunkt zu überzeugen zu suchen (was wohl sehr schwierig sein dürfte), sondern auch darum, dass wir am Ende wenigstens ein besseres Verständnis für die Position des anderen gewonnen haben“? Hier fühle ich mich von deiner Ironie insofern verletzt, als du mir offenbar nicht zubilligst, dass ich meinen eigenen Glauben ernstnehme, sondern ihn wie eine verstaubte Konfirmandenbibel im Regal stehen lasse. Du musst nicht meine Art zu glauben im Dialog mit etwa den Naturwissenschaften übernehmen, aber kannst sie respektieren, indem du anerkennst, dass für mich auch mein Glaube unvorstellbare Möglichkeiten in sich birgt – bzw. dass auch ich Gott unvorstellbar große Wunder zutraue (wenn auch in anderer Weise als du).

→ „Evolution“

Deine Metapher mit dem Vegetariereintopf (wobei du vermutlich meinst, dass der Vegetarier jedes Fleischstück aussortiert, nicht um „es“, also das Fleisch, sondern den Rest der Suppe essen zu können) finde ich gar nicht so unpassend. Wenn ich denke, dass Fleisch mir nicht gut tut, warum sollte ich mich zwingen, es zu essen? Und wenn in dem von Menschen überlieferten Gotteswort der Bibel auch unverdauliche Brocken drin sind, warum sollte ich sie nicht an den Rand des Tellers legen, statt sie mit herunterzuwürgen? Ich weiß, ich begebe mich auf dünnes Eis – denn ich bin mir bewusst, dass mein Glaube zerbrechlich ist, nur gehalten durch den Geist Gottes selbst, ich habe ihn nicht selbst in der Hand.

Also im Klartext: Nicht der historische Mensch Jesus hat an der Schöpfung mitgewerkelt. Aber die Weisheit Gottes, die sich in Jesus verkörpert hat, ist in den Milliarden Jahren der Entstehung des Universums auf wunderbare Weise am Werk gewesen – indem (wie du genau richtig anmerkst!) aus scheinbar chaotischem Treiben so wunderbare Geschöpfe wie die Dinosaurier, die Giraffen oder wir Menschen hervorgegangen sind – von denen wir Menschen sogar ein Gehirn geschenkt bekommen haben, das mit seinem Bewusstsein einen Widerschein des Geistes Gottes enthält und sich im Glauben als Geschöpf und Gegenüber und Abbild der Liebe Gottes begreifen kann.

Und nicht etwa der Eine Gott ist erst im Laufe der menschlichen Geschichte entstanden, sondern unsere menschlichen Gedanken über Gott haben sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Sicher, ein Atheist würde sagen (angelehnt an Terry Pratchett): „In dem Augenblick, in dem Gott erfunden wurde, war er schon immer da.“ Ich sehe darin nicht ein Er-Finden, sondern ein Finden Gottes und noch besser ein Gefundenwerden von dem Einen Gott, den zu beschreiben alle unsere menschlichen Gedanken und Bilder nicht ausreichen.

→ „Blutlinie“

Für Apostelgeschichte 17:26 fehlt in den meisten Handschriften das Wort „Blut“; Luther 1545 und 1912 hatte noch übersetzt „aus einem Blute“; die Elberfelder übersetzt sehr wörtlich: „er hat aus einem jede Nation der Menschen gemacht, daß sie auf dem ganzen Erdboden wohnen“. Gemeint ist ganz klar, dass es keine Menschen auf der Welt gibt, die nicht von Adam abstammen. Von daher bleibt (wenn du die Urgeschichte am Anfang der Genesis historisch verstehen willst) die Frage: Woher kam Kains Frau, woher kamen die Bewohner seiner Stadt in Nod, wenn sie nicht von Adam abstammen?

Meine Haltung ist: diese Fragen sind unerheblich, weil es eben Erzählungen sind, die Aufschluss geben über das Menschsein vor Gott, den Menschen und seinen Bruder, den Menschen in der Verantwortung für das ihm anvertraute Stück der Schöpfung Gottes.

→ „Vielfalt des Glaubens“

S. P.: Dass Du Deinen Glauben ernst nimmst, daran habe ich keine Zweifel, aber ich bezweifle, dass Du die Heilige Schrift ernst nimmst. Denn wenn ich Dich richtig verstanden habe, betrachtest Du die Bibel ja nur als fantasiereichen Historienroman, in den jeder hineininterpretieren kann, wonach ihm gerade zumute ist, mit der einzigen Einschränkung, dass niemand aus ihr eine Allgemeinverbindlichkeit ableiten dürfe. Wenn ich häufig provoziere in meinen Wiedergaben, dann wirklich nicht mit der Absicht, Dich zu verletzen, sondern allein zum Zwecke, Gedankenanstöße „hervorzurufen“ (lat. provocare). Sollten meine Worte dabei an der erforderlichen Wertschätzung für Dich ermangelt haben, bitte ich Dich aufrichtig um Vergebung.

→ „Wahrheit oder Lüge“

Wenn ich einen Brieffreund hätte, der mir ständig von völlig unglaubwürdigen Erlebnissen berichten würde, käme ich nicht auf die Idee, seine Lügen als Metapher von irgendetwas zu deuten, sondern würde ihn fragen, warum er nicht bei der Wahrheit bleibt. Wenn er jedoch darauf besteht, die Wahrheit gesagt zu haben, würde ich es so lange prüfen, bis ich völlige Gewissheit habe, dass er mich doch nicht angelogen hat. Würde ich jedoch seine Spinnereien einfach ignorieren, dann würde ich meinem Freund nicht die Ehrlichkeit und den Ernst entgegenbringen, den er verdient hätte. Und so sehe ich es auch in Bezug auf die Bibel: Ihre Autoren sind weder Lügner, noch Spinner oder Fantasten, und auch keine Codierer einer Geheimsprache für eingeweihte Theologen; sondern sie sind gottesfürchtige und verantwortungsbewusste Aufschreiber dessen gewesen, was sie selbst gesehen und gehört haben.

→ „Evolution“ → „Politik“

Mit dem Eintopf-Vergleich bezog ich mich ja nicht auf die Bibel sondern auf die Evolutionstheorie. Aber Du pickst Dir aus beiden heraus, was Dir gefällt und verwirfst den Rest. Dadurch aber nimmst Du weder die Bibel noch die Evolutionstheorie ernst. Wärest Du Mitglied einer politischen Partei, würdest Du Ärger bekommen, wenn Du im Parlament gelegentlich den Standpunkt der gegnerischen Partei verteidigen würdest. „Kann etwa, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven hervorbringen, oder ein Weinstock Feigen? Auch kann Salziges nicht süßes Wasser hervorbringen“ (Jakobus 3:12).

Die Evolutionstheorie verwirft das Einwirken eines göttlichen Designers, der die Arten auf ein bestimmtes Ergebnis hin entwickelt. Nach der reinen Lehre der Evolutionstheorie gibt es nur ungeordnete Zufallsprozesse in alle Richtungen. Wollte man also den Kreationismus mit der Evolutionstheorie in Einklang bringen, könnte man diesen Versuch ebensogut mit einer Koalition der Grünen mit der NPD vergleichen.

→ „Blutlinie“

Vieles mag zwar von untergeordneter Bedeutung sein, aber wenn Gott es für wert erachtete, in der Bibel erwähnt zu werden, sollte es uns auch interessieren. „Es ist Gottes Ehre, eine Sache zu verbergen, aber die Ehre der Könige, eine Sache zu erforschen“ (Sprüche 25:2). Wenn Kain eine „Stadt“ erbaute, war dies sicher nicht eine wie Gießen, sondern eher ein winziges Kaff von max. 10 Häusern, in denen seine Kinder und Enkel wohnten.

→ „Vielfalt des Glaubens“

H. S.: Danke für deine Klarstellung – deine Provokation hat mich halt getroffen – und zwar, wie ich meinte, zu Unrecht. Allerdings sind wir darüber ja auch gerade uneinig. Ich jedenfalls denke, dass ich die Heilige Schrift durchaus ernst nehme: nämlich als ein Sammelwerk verschiedenster Geschichten, Gedichte, Briefe, Abhandlungen über die Erfahrungen, die Menschen mit dem Einen Gott Israels gemacht haben. Heilig ist die Bibel dadurch, dass es dem Heiligen Geist gelingt, diese so unterschiedlichen Texte immer wieder neu zu Menschen von Zeitalter zu Zeitalter sprechen zu lassen und in ihnen Glauben, Hoffnung und Liebe zu wecken.

→ „Wahrheit oder Lüge“ → „Beliebigkeit“

Eine Vielfalt der Interpretation halte ich dabei durchaus für vertretbar, allerdings keine absolute Beliebigkeit – die Frage ist nur: Wer verhindert Beliebigkeit? Für die katholische Kirche ist es der Papst. Für Martin Luther war es das Kriterium: „Was Christum treibet“. Für mich kann es nur der Geist Gottes selber sein, der an den Früchten derer zu erkennen ist, die sich von ihm leiten lassen. Dein Gleichnis von lügnerischen Brieffreund legt nahe, dass es für dich die Vorgabe ist: Die Bibel muss wortwörtlich faktisch und historisch wahr sein, sonst ist sie von vorne bis hinten Lüge.

→ „Blutlinie“

Nehmen wir nochmal die Sache mit Kain, seiner Frau und seiner Stadt. Wäre die Bibel wortwörtlich historisch wahr, dann dürfte Kain im Land Nod nicht einmal eine einzige Frau gefunden haben (und nach ihm Lamech weder Ada noch Zilla), denn nach der Apostelgeschichte stammen alle Menschen von Adam ab. Dass du ein Problem bekommst mit deiner Vorgabe, zeigt sich schon daran, dass du aus einer Stadt ein Kaff machen musst, dass du keine Widersprüche zwischen Geschichten stehen lassen kannst, sondern alles harmonisieren musst.

→ „Politik“

Nicht überall gibt es Gemeinsamkeiten und nicht überall ist ein Schwarz-Weiß-Denken am Platz. Ich sprach letztens mit einem hessischen CDU-Staatssekretär, der durchaus den Sachverstand eines frischgebackenen SPD-Landtagsabgeordneten schätzte. Mit den menschenverachtenden politischen Lösungen der AfD würde ich aber keinen Kompromiss eingehen – auch wenn manche ihrer kritischen Anfragen ernst zu nehmen sind.

→ „Evolution“

Aber zurück zu unserem Thema: Ich vertrete weder eine reine Lehre der Evolutionstheorie noch einen Kreationismus. Naturwissenschaftlich überzeugen mich viele Ansätze der Evolutionstheorie (die sich seit Darwin ja auch erheblich entwickelt hat); Antwort auf Glaubensfragen kann sie aber nicht bieten, nämlich auf die Fragen „Wozu gibt es überhaupt die Welt?“ „Woher kommt der Geist, der in ihr steckt?“ „Gibt es Hoffnung für Menschen, die in dieser Welt leben?“

→ „Vielfalt des Glaubens“

S. P.: Ähnlich wie ein Haus braucht auch der Glaube ein stabiles Fundament (Matthäus 7:24-27). Als die Großkirchen noch an die unverbrüchliche Wahrheit des Wortes Gottes glaubten, waren die Kirchen noch bis auf den letzten Platz voll, und zwar Sonntag für Sonntag. Seit aber die Theologen von dieser über Jahrhunderte geltenden Wahrheit abrückten, verloren die Menschen ihren Glauben und bleiben heute den Kirchen fern. Nur noch 26 % der Bevölkerung gehören heute der Evangelischen Kirche an (1970 waren es noch 48 %), und von diesen sind die meisten auch nur noch Karteileichen. Wäre die Mitgliedschaft in einer Volkskirche nicht durch die Babytaufe halb erzwungen und automatisiert, wären nach zehn Jahren wahrscheinlich nur noch 1 % der Bevölkerung Mitglied in einer der beiden Großkirchen.

Das Wort „heilig“ bedeutet im biblischen Sinn „abgesondert“, d.h. „allein für Gott bestimmt“. Wenn es nur darum ginge, dass die Bibel „den Menschen anspricht“, dann wäre Hollywood, Netflix oder die ganzen PC-Spiele heute noch viel heiliger als die Bibel. Der eigentliche Unterschied besteht in ihrer unveränderlichen Gültigkeit [übrigens bedeutet das griechische Wort KYRIOS eigentlich wörtlich „GELTENDER“, d.h. der „(allein) Geltung hat“, von KYRIA = die allgemein GELTENDE (Dienstordnung) Lukas 10:31].

ER selbst ist das unverwesliche „Wort Gottes“ (Offenbarung 19:13). Und allein dieses Wort Gottes hat die Kraft, einen Menschen wirklich zu verändern. Es ist „siebenmal geläutert“ (Psalm 12:6) Und damit unverfälscht (1. Petrus 2:2). Wäre sie nur vom menschlichen Geist inspiriert, hätte sie nicht über 2000 Jahre bestehen können, sondern wäre schon in den ersten Jahrhunderten als fehlerhaft verworfen worden.

→ „Blutlinie“

Kain lebte wohl mehrere Hundert Jahre und hatte somit genug Zeit, mehrere Dutzend Kinder zu zeugen, um eine Ortschaft zu gründen, ob nun mit 30 oder 300 Einwohnern. Seine Frau war damals entweder eine der Töchter Adams bzw. Seths oder aber eine Tochter jener Menschen, die Gott möglicherweise nach Adam erschuf. Wo ist also das Problem?

→ „Politik“

Obwohl ich mit dem National-Egoismus der AfD nicht einverstanden bin, halte ich sie noch für die christlichste von allen Parteien:

– Sie vertreten die biblische Schöpfungsordnung, nach der der Mann das Geld verdienen und die Frau sich um die Kinder und häusliche Arbeit kümmern soll,

– Sie lehnen die Vermischung der Geschlechter ab (wie sie die Grünen durch den Gender-Wahn anstreben) und ebenso auch die Frühsexualisierung.

– Sie lehnen ebenso kategorisch die Ermordung von ungeborenen Kindern ab.

– Sie fördern die Wirtschaft der 3. Welt-Länder indirekt, indem sie nicht zulassen, dass die wertvollen Arbeitskräfte durch falsche Versprechen und Anreize ihre Heimatländer noch weiter schwächen und ihr weniges Geld den korrupten Schlepperbanden aushändigen.

→ „Evolution“

Was die Evolutionstheorie angeht, so hast du es immer noch nicht verstanden: sie gründet sich auf der Idee einer fehlenden Zielgerichtetheit und schließt deshalb von vorneherein die Wirkung eines Schöpfers aus. Ein „bisschen Evolution“ und ein „bisschen Schöpferglaube“ kann man also genauso wenig miteinander vermengen wie Wasser und Öl.

→ „Vielfalt des Glaubens“

H. S.: Ich verstehe dein Beharren auf einer als einfache wortwörtliche feststehende Wahrheit der Schrift. Ich blicke auch manchmal fast etwas neidisch (mea culpa) auf die größere Zahl der Besucher der Stadtmissionsgottesdienste, wenn ich an der Stadtmission vorbei zur kleineren Versammlung in der Kirche meiner landeskirchlichen Gemeinde gehe (trotzdem ist mein Kontakt zur Stadtmission insofern eng, als ich an einem Arbeitskreis „Politik und Junge Geschichte“ in der Stadtmission teilnehme, dessen Leiter selber den Grünen angehört und dessen Mitglieder aus verschiedenen Gemeinden kommen). Aber die große Zahl von Menschen, die einer Sache zustimmen, beweist noch nicht deren Wahrheit.

Ob die Großkirchen übrigens wirklich zu allen Zeiten voll waren, ist auch nicht ganz sicher; ich meine, schon Luther hätte über mangelnden Kirchenbesuch geklagt, und wenn sie voll waren, vielleicht auch wegen eines sozialen Drucks. Und ich vermute mal, dass du nicht mit den Praktiken der Großkirchen einverstanden bist, durch die Servet oder Bruno auf den Scheiterhaufen gelangten.

Du missverstehst mich übrigens, wenn du meinst, dass ich mir die Bibel nach dem Geschmack der Menschen zurechtbiegen möchte. Schon in der Bibel selber verändert der Heilige Geist die Art, wie Menschen angesprochen werden – und bleibt doch in seinem Wesen der gleiche Gott der Liebe, um es mal ganz abgekürzt zu sagen.

Hast du deine Deutung des Wortes KYRIOS wieder von Baader? In Lukas 10,31 steht KATA SYNKYRION, was gängig mit Zufall übersetzt wird, in der Septuaginta bezieht sich ein entsprechender Wortstamm SYNKYREOO auf die umgebenden Gebiete von Städten. Trotzdem mag das Wort KYRIOS von der Bedeutung „Geltung“ herkommen, es heißt ja im Altgriechischen schlicht „Herr“ oder „Herrscher“ und wird im Alten Testament auf Gott und im Neuen Testament mit Gott zusammen auf Jesus bezogen (kann aber auch für menschliche Herren oder als Anrede an Männer verwendet werden). Im Blick auf unsere Diskussion beweist die Bedeutung dieses Wortes nichts.

→ „Politik“ → „Frauenrechte“

Im Blick auf die AfD halte ich dir deine eigene Argumentation bezüglich Jakobus 3,12 vor. Du kannst ihre von dir als christlich bezeichneten Anliegen nicht haben ohne ihren Nationalismus/Rassismus.

Zur Schöpfungsordnung der Bibel nur eine kurze Nachfrage, ob in deinen Augen damit Lydia (Apostelgeschichte 16:14) als Purpurkrämerin und Leiterin der von ihr geführten Gemeinde gegen Gottes Ordnung verstößt. Weiter will ich die politische Thematik nicht führen – das würde mehrere Fässer aufmachen und diesen Austausch vollständig sprengen.

→ „Evolution“

Beim Thema Evolutionstheorie verstehe ich sehr wohl, dass du sie verkürzt verstehst und dieses verkürzte Bild pauschal ablehnst. In meinen Augen ist Gott viel größer und setzt einen scheinbar ohne Plan und Ziel vor sich gehenden Prozess wie die Evolution in Gang, in dessen Verlauf die wunderbarsten Welten und Geschöpfe entstehen und dem auf geheimnisvolle Weise seine Weisheit von Anfang bis Ende zu Grunde liegt. Aber auch hier nochmal eine Nachfrage: Leugnest du auch die unermessliche Größe des Weltalls mit Milliarden von Galaxien, die Milliarden von Sonnensystemen enthalten? Wie schätzst du das Alter der Welt ein?

→ „Vielfalt des Glaubens“ → „Wahrheit oder Lüge“

S. P.: Du schreibst: „Schon in der Bibel selber verändert der Heilige Geist die Art, wie Menschen angesprochen werden“. Das hast du in der Tat sehr abstrakt gesagt. Man hätte auch einfacher sagen können, dass es einen Alten und einen Neuen Bund gibt. Mir ist jedoch nicht bekannt, dass Gott vor 100 Jahren mit Rudolf Bultmann und seinen Theologiekollegen einen „Ganz Neuen Bund“ gemacht hätte, der ihnen das Recht gegeben hätte, Gottes Wort zu entmythologisieren.

Warum machen sich diese Theologen nicht lieber daran, den Koran zu entschärfen, damit diese „Bombe“ uns nicht in den nächsten 10 Jahren um die Ohren fliegt durch eine Neuauflage des IS in Deutschland?

Stattdessen hängt der Ratsvorsitzende der neomarxistisch unterwanderten Evangelischen Kirche Deutschlands Bedford-Strohm beim Besuch des Tempelbergs sein Kreuz ab aus Rücksicht vor den Juden und Muslimen, wodurch er symbolisch den christlichen Glauben verleugnet. Dabei ist Christus der KYRIOS, der allein GELTENDE, und Sein unverfälschtes Wort wird eines Tages all jene Theologen richten, die Sein Wort verfälschten, um es an ihre humanistischen Axiome anzupassen. „Wer mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemein? spricht der HErr. Ist mein Wort nicht also, wie Feuer, spricht der HErr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?“ (Jeremia 23:28-29).

→ „Politik“

Die AfD bekennt sich mehrheitlich nicht zum Nationalismus oder Rassismus, sondern zum Subsidiaritätsprinzip. Wäre sie wirklich „rassisch“, dann gäbe es unter ihren Abgeordneten wohl kaum Schwarze oder sogar Flüchtlinge wie z.B. das AfD-Vorstandsmitglied aus dem Rhein-Neckar-Kreis Homib Mebrahtu aus Eritrea.

→ „Frauenrechte“

Die Gemeinde von Philippi traf sich im Haus der Lydia. Dadurch hat sie aber nicht gegen das Lehr- und Herrschaftsverbot aus 1. Timotheus 2:12 verstoßen. Man darf nicht zu viel in diese Stelle hineininterpretieren.

→ „Evolution“

Dass das Weltall so unvorstellbar groß ist, hat mich schon so manches Mal in meinem Glauben angefochten. Aber da geht es mir wie jenem Schüler, der bei der Klausur auch mal „Mut zur Lücke“ beweist. Dass das Weltall indes 13,6 Milliarden Jahre alt ist, kann auch ein Irrtum sein, muss es aber nicht. 100 % weiß dies ohnehin niemand, außer Gott allein.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Bultmanns Programm der Entmythologisierung wollte die „Mythen = legendarisch erzählte Geschichten“ der Bibel auf ihren tieferen Sinn zurückführen, den er schließlich sehr abstrakt und existentialistisch als ein bloßes „Dass des Gekommenseins Jesu Christi“ interpretiert hat (ich spreche sehr abgekürzt und wahrscheinlich sogar unrichtig, da ich speziell mit Bultmann selber nicht viel anfangen kann). Mir geht es gerade nicht um Entfernung der Mythen aus der Bibel, sondern darum, dass man sie als die vielen Geschichten ernstnimmt, in denen Gott sich den Menschen offenbart.

Den Koran entschärfen im Sinne einer historisch-kritischen Betrachtung vor allem der dort (wie allerdings auch in der Bibel) enthaltenen Gewalt-Problematik können letztlich nur die Muslime selbst. Die Muslime, mit denen ich in Gießen im Kontakt stehe, verurteilen jedenfalls die Gewalt-Ausübung im Namen ihrer Religion.

Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender der EKD hat hier zu dem von dir erwähnten Thema selber Stellung genommen.

→ „Politik“

Zum Thema Rassismus ließe sich viel sagen – das würde ausufern.

→ „Frauenrechte“

Zum Frauenthema: Du bist also allen Ernstes davon überzeugt, dass 1. Timotheus 2:12 das einzige und die ganze biblische Botschaft bestimmende Wort über die Rolle der Frau in Gemeinde und Familie und wohl auch im Staat sein soll? Also: Jede Pfarrerin verstößt gegen Gottes Wort, jede Chefin, die Bundeskanzlerin, meine Familie, wenn wir eine partnerschaftliche Ehe führen, statt dass ich als Herr im Haus sage, wo es lang geht?

Ich halte 1. Timotheus 2:12 für einen Rückschritt gegenüber der Haltung Jesu zu den Frauen – er forderte Frauen dazu auf, die Botschaft von seiner Auferstehung den Männern zu verkündigen. Maria singt im Magnificat ein Lehrgedicht, ähnlich wie Hanna im AT einen Psalm. Debora übt im AT ein Richteramt aus. 1. Timotheus 2:14 ist übrigens auch ein Beispiel für einen neutestamentlichen Irrtum oder sogar eine frauenfeindliche Verfälschung eines alttestamentlichen Textes, denn Adam ließ sich sehr wohl ebenso wie Eva verführen.

→ „Wahrheit oder Lüge“ → „Beliebigkeit“

S. P.: Unter dem Begriff „Mythos“ verstehen die meisten vor allem eine „Lügenerzählung“. Weil man den Geschichten der Bibel nicht glaubt, hält man sie für Mythen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man ihnen trotzdem noch irgendetwas Sinnvolles abgewinnen kann, denn – ob man will oder nicht – hat man sich mit dieser Prämisse positioniert, und zwar als jemand, der dem Worte Gottes nicht glaubt.

Wenn Du glaubst, dass Gott, der selbst „nicht lügen kann“ (Titus 1:2), Seine Botschaft Menschen anvertraut hat, die frei erfundene Lügen über Ihn erdichtet haben, wie kannst Du dann sagen, dass Gott sich durch diese Lügengeschichten „den Menschen offenbart“? Nach dieser irrationalen Logik könnte man genauso gut behaupten, dass Gott sich durch die Mythen der alten Griechen offenbart habe, oder durch die Bhagvadgita, oder durch die Harry Potter-Romane. Denn es bliebe ja dann allein der Phantasie des Lesers überlassen, wenn er durch all diese Erzählungen irgendetwas „offenbart“ bekäme.

Kann es sein, dass deshalb die Menschen den Großkirchen fernbleiben, weil ihnen für diese willkürlichen Beliebigkeitsdeutungen einfach die Phantasie fehlt und sie lieber ein festes Fundament für ihren Glauben bevorzugen?

→ „Frauenrechte“

Dass 1. Timotheus 2:12 „das einzige und die ganze biblische Botschaft bestimmende Wort über die Rolle der Frau“ sei, habe ich ja nicht behauptet. Es gibt überall in der Heiligen Schrift ähnliche Gebote, die die Aussage hier nicht nur wiederholend bestätigen sondern auch begründen und vertiefen, z.B. 1. Korinther 11:3 oder 1. Korinther 14:34-37, wo ausdrücklich von einem „Gebot des HErrn“ die Rede ist. Es geht zurück auf 1. Mose 3:15, wo Gott den Frauen das Gebot gibt: „Er soll Dein Herr sein“. Dass die Scheidungsrate inzwischen bei über 30 % angelangt ist, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sich die Eheleute nicht mehr an dieses Gebot Gottes halten wollen.

Wenn der HErr Jesus der Maria den Auftrag gibt, den anderen Jüngern etwas von Ihm auszurichten, dann ist es eine totale ÜBERINTERPRETATION, wenn Du daraus einen allgemeinen Auftrag zum Predigen der Frauen ableiten willst. Dann müsste man eher fragen, warum Er zu den 12 Aposteln nicht auch eine einzige Frau berufen hat. Wenn der HErr Jesus die untergeordnete Stellung der Frau unter ihren Mann nicht ausdrücklich noch einmal erwähnt hat, dann nur deshalb, weil diese in Seinem jüdischen Umfeld eine absolute Selbstverständlichkeit war. Aber ein wenig klingt diese Voraussetzung auch in Seinen Worten an: „Wer ein Weib entlässt, es sei denn aufgrund von Hurerei, …“ – so als ob die Frau nichts mitzureden habe. Zu Seiner eigenen Mutter sagte der HErr: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?“ Also nach emanzipiertem Mann klingt das nicht.

„Adam wurde nicht betrogen, das Weib aber wurde betrogen und fiel in Übertretung.“ (1. Timotheus 2:14). Die Schlange hatte erst gar nicht versucht, den Adam zu täuschen, weil ihr das bei ihm nicht gelungen wäre. Aber sie wusste, dass Er der Überzeugungskunst seiner Frau nicht widerstehen würde.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Ich denke, damit ist dieser Punkt so ziemlich ausdiskutiert, denn du positionierst dich als jemand, der „lieber ein festes Fundament“ für deinen Glauben bevorzugt und darum voraussetzen musst, dass die Bibel in allen ihren Teilen wortwörtlich wahr ist, und zwar wahr im Sinne von: widerspruchsfrei, historisch richtig, den Tatsachen entsprechend, von Gott eingegeben. Das ist genau das, was ich als Fundamentalismus bezeichnen würde.

Und mir ist auch klar, dass es eine ganze Menge Menschen gibt (nicht nur im Christentum, sondern auch in anderen Religionen), die einen solchen einfachen Glauben einer Glaubenshaltung vorziehen, bei der man sich eines solchen allzu einfachen Fundaments eben nicht sicher ist. Die erstaunlich vielen, die immer noch die Großkirchen mit ihren Kirchensteuern unterstützen, bleiben allerdings in der Regel nicht dem Gottesdienst fern, weil sie ein fundamentalistisches Glaubensverständnis vermissen, sonst würden sie doch wohl alle in die Freikirchen strömen.

Dass ich unter Mythen keine Lügenerzählungen verstehe, habe ich oben schon erläutert. Für mich sind zum Beispiel Erzählungen und Lieder über die Schöpfung, die den naturwissenschaftlichen Fakten nicht entsprechen, so wenig unwahr wie Liebesgedichte, in denen Sonnenaufgänge vorkommen, obwohl „eigentlich“ nicht die Sonne aufgeht, sondern die Erde sich in ihrem Kreisen um die Sonne auch selber um sich dreht.

→ „Frauenrechte“

Dein letzter Satz ist ein Musterbeispiel für eine willkürliche Beliebigkeitsdeutung. Genau so gut kann ich deuten, dass Adam viel leichter zu betrügen war – Eva musste ihm nur die Frucht hinreichen, und schon nahm er sie und aß (da steht kein Wort von Überzeugungskünsten seiner Frau), während für Eva größere intellektuelle Anstrengungen erforderlich waren, um sie misstrauisch gegenüber Gottes Güte zu machen.

Aufschlussreich ist deine Formulierung „weil diese (die untergeordnete Stellung der Frau) in Seinem jüdischen Umfeld eine absolute Selbstverständlichkeit war“. Genau diese Selbstverständlichkeit prägt auch die meisten biblischen Texte, ohne dass man sagen könnte, dass die Unterordnung der Frau unter den Mann wirklich der ewige Wille Gottes sei.

Ich sehe das so: Der Wille Gottes ist, dass Mann und Frau (ISCH und ISCHA) einander auf Augenhöhe begegnen (1. Mose 2:23); die Folge der Verfehlung des Gottvertrauens (derer sich sowohl die Frau als auch der Mann schuldig machen – oder würdest du Adam als unschuldig ansehen?) ist nach 1. Mose 3:16 unter anderem auch, dass die Beziehung der Geschlechter von Unterdrückung der Frau durch den Mann geprägt ist. Das ist aber kein ursprüngliches und bleibendes Gesetz Gottes, sondern Ausdruck und Folge von Sünde, die auf jeden Fall unter Menschen, die auf Gott vertrauen, überwunden werden sollte.

→ „Wahrheit oder Lüge“ → „Beliebigkeit”

S. P.: Bevor Du das Thema der buchstäblichen Glaubwürdigkeit der Bibel ad acta legen willst, solltest Du doch wenigstens mal auf meine Argumente eingehen. Ich hatte Dir ja am Beispiel eines untreuen Ehemanns oder eines ständig Lügen erdichtenden Freundes veranschaulicht, wie sehr Lügengeschichten eine Beziehung auf Dauer belasten können.

Auch auf die verheerende Folge der Beliebigkeit bist Du bisher mit keinem Wort eingegangen, sondern wiederholst immer nur die Möglichkeit, auch aus Mythen Sinnhaftigkeit und Erbauliches herauslesen zu können, selbst wenn das nicht in der Absicht der Autoren stand. Man könnte dann auch genauso gut ganz auf die Bibel verzichten und stattdessen irgendwelche anderen Lebenshilfe-Bücher über Positives Denken zitieren, in welchen immer mal wieder auch von Gott die Rede ist.

Dass die Sonne aufgeht, ist zwar tatsächlich keine wissenschaftlich präzise Aussage, aber aus der Perspektive eines Menschen absolut richtig. Dies kannst du aber nicht vergleichen mit den in der Bibel berichteten Wundern, denn diese sind nicht einfach durch einen Perspektivwechsel wegzudeuten, sondern man ist herausgefordert, sie entweder zu glauben oder nicht zu glauben.

→ „Auferstehung“

By the way: Glaubst Du eigentlich an die leibhaftige Auferstehung des HErrn Jesus aus den Toten oder ist das für Dich auch nur eine Metapher?

→ „Beliebigkeit“

Unter „Beliebigkeitsdeutung“ verstehe ich eine Deutung, die unabhängig von der eigentlichen Aussage eines Textes irgendetwas hineininterpretiert nach eigenem Belieben (Eisegese), selbst wenn es im krassen Widerspruch zur Gesamtaussage der Bibel steht. Eine saubere Bibelauslegung (Exegese) erfordert jedoch auch die Berücksichtigung des Kontextes, sowie den Einklang mit allen anderen biblischen Aussagen.

Der HErr Jesus sagte einmal: „Wer Gottes Willen tun will, wird aus der Lehre erkennen, ob sie von Gott ist oder ob ich aus mir selber rede“ (Johannes 7:17). Im Umkehrschluss kann man auch sagen: Wer Gottes Willen nicht tun will, kann auch die biblische Lehre nicht richtig deuten, sondern wird sie automatisch immer in seinem eigenen Sinn deuten wollen.

Du kennst ja auch das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld: Wenn der Herzensboden durch jahrelange Gewohnheit zu einem Weg FESTGETRETEN wurde (VOREINGENOMMENHEITEN), kann der Same des Wortes Gottes nicht mehr eindringen, sondern die Vögel des Himmels (fremde Geister/theologische Irrlehren) kommen sofort und picken das Gehörte auf. Jedes nicht wirklich verstandene Wort, das man in der Bibel gelesen hat, steht in Gefahr, sofort gefressen zu werden, bevor es überhaupt eine Chance bekommt, verstanden zu werden.

→ „Frauenrechte“

Das griech. Verb AUThÄNTÄOo, das nur in 1. Timotheus 2:12 vorkommt, hat die Bedeutung, dass man durch unerlaubte Eigenmächtigkeit seine Kompetenz überschreitet und dadurch den Herrschaftsanspruch eines anderen – in diesem Fall des Mannes – in Frage stellt. Adam war unmittelbar vom HErrn im Bild Gottes erschaffen worden, nicht nur mittelbar wie Eva, die nach ihm und um des Mannes willen als seine Hilfe erschaffen wurde (1. Mose 2:20-22; 1. Korinther 11:7-9). Deshalb war Adam schon schöpfungsmäßig, also vor dem Sündenfall, das Haupt seiner Frau (1. Korinther 11:3) mit entsprechend viel größerer Verantwortung als sie, weshalb Gott ihn nach dem Sündenfall zuerst ansprach. Gott hatte ihm als Haupt mehr Widerstandsvermögen gegen die Argumente der Schlange anerschaffen, sodass er davon nicht getäuscht wurde (1. Timotheus 2:14). Gott hatte Adam in den Garten Eden gesetzt mit dem Auftrag, ihn zu bebauen und zu hüten (1. Mose 2:15; hebr. SchaMaR, hüten, bewachen, bewahren, beachten). Damit signalisierte Gott ihm die Möglichkeit einer drohenden Gefahr. Das hätte Adam seiner Frau mitteilen und ihr einschärfen müssen, ihm jede Unregelmäßigkeit sofort zu melden und nicht eigenmächtig darauf zu reagieren.

Nur weil Adam seine Hauptschaft völlig ungenügend wahrnahm, konnte Eva von der Schlange völlig getäuscht werden, woraufhin diese den Adam anschließend zur Mitübertretung des Verbots verführte (1. Mose 3:17). Aber noch mehr als Adam scheuen sich auch die heutigen Männer, den Willen Gottes durchzusetzen und die Hauptschaft gegenüber ihren Ehefrauen einzufordern, da sie den massiven Widerstand durch ihre emanzipierten Frauen fürchten. Ich selbst bin da übrigens keine Ausnahme in meiner Ehe, da ich dies erst viel zu spät erkannte.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Lieber Simon, mir ist heute früh eingefallen, dass ich mal als junger Pfarrer ein Buch von Hans Frör gelesen habe: „Ich will von Gott erzählen wie von einem Menschen, den ich liebe.“ Und dann wurde mir klar, dass deine Art der Argumentation, dass ich nämlich aus der Bibel einen Haufen von Lügengeschichten machen und sie beliebig nach meinem Geschmack auslegen würde, mich dazu gebracht hat zu meinen, ich müsse meine Art des Glaubens und Lebens vor dir rechtfertigen. Nein, muss ich und will ich nicht. Weil ich gerechtfertigt bin. Weil ich Gott als die von uns aus unergründliche Macht kennengelernt habe, die sich dennoch in ihrem Wort der Liebe offenbart, dass ich einfach wissen darf: Ich bin in seiner Hand. Mit unserer Welt und allen, die ich liebe (und sogar mit denen, die ich hasse), bin ich von ihm getragen und herausgefordert.

Und dann ging mir auf: Der christliche Glaube ist eben wirklich keine eigentliche Buchreligion. Gott erwartet nicht von uns, dass wir jedes einzelne Wort seiner Bibel für wahr halten. Ja, nicht einmal, dass wir jede Geschichte, jeden Satz der Bibel kennen.

Die Propheten haben eine Stimme in ihrem Inneren gehört, die sie als Gottes Stimme erkannten – unerbittlich fordernd oder gegen alle Erwartungen tröstend – Gott hat ihnen kein Bibelbuch vorgelegt und ihnen gesagt: Lest das alles und haltet alles für wahr! Die einzelnen biblischen Geschichten spiegeln eine Vielfalt von Begegnungen mit dieser göttlichem Stimme wider, sie hängen alle zusammen durch diese Stimme, aber nicht dadurch, dass sie in einem widerspruchsfreien Buch stehen.

→ „Beliebigkeit“

Auf deinen Vorwurf der Beliebigkeit bin ich sehr wohl eingegangen; ich wiederhole nur mal kurz: Wer verhindert eine beliebige Auslegung der Bibel? „Für mich kann es nur der Geist Gottes selber sein, der an den Früchten derer zu erkennen ist, die sich von ihm leiten lassen.“ Genau das steht auch in dem von dir zitierten Wort Johannes 7,17 (wer Gottes Willen tun will, wird innewerden, ob Jesu Lehre von Gott ist).

→ „Auferstehung“

An die leibhaftige Auferstehung Jesu von den Toten glaube ich. Aber ich werde dir nicht verständlich machen können, in welcher Weise ich das tue, weil du nicht verstehen kannst oder willst, dass Metaphern und bildhafte Sprache nicht einfach „nur“ andere Ausdrücke für Lügengeschichten sind. Ich glaube, dass Gott in den Jüngern und Jüngerinnen auf ihre je eigene Weise das Wunder der Ostererfahrung bewirkt hat, dass sie wussten: Jesus konnte mit seiner Liebe nicht getötet werden, er war die Verkörperung der Liebe Gottes, und so sagt Gott ewig Ja zu ihm. Von solchen Erfahrungen können wir nur in Bildern reden, genau wie wir von unserer eigenen Hoffnung über den Tod hinaus nur in Bildern reden können. Ungefähr 800mal stand ich auf Friedhöfen und habe Trauernden bei Beerdigungen von solcher Hoffnung etwas weiterzugeben versucht; Gott allein weiß, ob ich das in rechter Verantwortung getan habe.

→ „Frauenrechte“

Ist es nun Gottes unverbrüchlicher Wille, dass die Frau dem Mann untergeordnet sein und bleiben soll? Für mich geht aus dem Ganzen der Bibel hervor, dass alle Menschen vor Gott mit der gleichen Würde ausgestattet sind, Ebenbild Gottes zu sein (1. Mose 1:27 / Galater 3:26-29). Sicher, dem widersprechen andere Stellen. Aber indem du alle widersprüchlichen Stellen „auf Teufel komm raus“ harmonisieren willst, verdunkelst du den Sinn der Ebenbildschaft und des Einsseins in Christus.

Meine Einsicht ist inzwischen, dass diese anderen Stellen aus den Folgen des durch Sünde entstandenen Misstrauens gegen Gott, zu denen die Herrschaft des Mannes über die Frau gehört, fälschlicherweise ein Gottesgesetz machen. Über das Wort aus 1. Timotheus 2:12 (einem Brief, der aller Wahrscheinlichkeit nach unter dem Namen des Paulus von einem Christen veröffentlicht wurde, der den größer werdenden Christengemeinden klare Regeln des Zusammenlebens geben wollte) ärgere ich mich geradezu, weil es einer Frau nicht erlaubt, „authentisch“ zu sein, sich und ihren eigenen Glauben, ihre eigene Verantwortung vor Gott und gegenüber jedem anderen Menschen zu vertreten, so wie es nach Gottes Willen jeder und jede andere auch tun darf.

Ja, ich darf es mir erlauben, mich auch über Bibelworte zu ärgern, weil ich auch mit Menschen und mit Gott streiten darf, die ich liebe – und weil dieses Wort nicht im Einklang steht mit 1. Mose 1:27 und Galater 3:28. Ein Abschnitt wie 1. Korinther 11:2-16 zeigt, wie Paulus mit dieser Frage ringt; einerseits behauptet er, die Frau sei um des Mannes willen geschaffen (9), andererseits weiß er, dass die Frau auch vom Mann kommt (12), und in Vers 16 lässt er durchblicken, dass in diesen Fragen auch zeitbedingte „Sitten“ im Spiel sind.

Dass die Frau nach 1. Mose 2:18.20 „nur“ als die „Hilfe“ des Mannes geschaffen wurde, sozusagen als seine Bedienstete, das hätte mancher Macho-Mann gerne; aber wie passt damit zusammen, dass das hebräische Wort ‘EZäR = „Hilfe“ sehr häufig als Anrede für Gott selbst auftaucht: z.B. Psalm 70:6: „Meine Hilfe und mein Retter bist du!“ „Hilfe“ ist also keine Dienstmagd, sondern ein Ehrentitel für ein ebenbürtiges Gegenüber als Ebenbild Gottes, das ganz genau der Schöpfungsaussage in 1. Mose 1:27 entspricht.

Deine Spekulationen darüber, dass Gott den Adam mit größerer Verantwortung geschaffen hat als die Frau, sind daher völlig haltlos und erinnern mich schon ein wenig an die Spekulationen mancher Kirchenlehrer der ersten Jahrhunderte, dass Frauen keine Seele hätten. Das ist Eisegese!

Neugierig bin ich, wie du das anstellen willst: „die Hauptschaft gegenüber deiner Frau einfordern“. Willst du gegen das deutsche Grundgesetz ihr vorschreiben können, ob sie einen Beruf ausüben darf? Gibst du ihr Haushaltsgeld, über das sie dir genau Rechenschaft ablegen muss, und ein von dir bemessenes Taschengeld für eventuelle eigene Bedürnisse? Nimmst du sie nicht mit in den Gottesdienst, wenn sie beim Beten kein Kopftuch trägt (1. Korinther 11:5)? Was würde sie zu 1. Timotheus 2,12 sagen, zu deiner Unterstellung, sie sei von Gott mit einer geringeren Verantwortungsfähigkeit ausgestattet worden als du? Wie könnt ihr überhaupt eine vertrauensvolle Ehe führen, wenn du von deiner Frau die Unterordnung verlangst?

→ „Wahrheit oder Lüge“

S. P.: Du schreibst, dass Du Dich mir gegenüber nicht rechtfertigen musst, weil Du – Zitat: „gerechtfertigt bist“. Wer oder was aber rechtfertigt Dich denn? Und woraus leitest du diese Rechtfertigung ab? Du schreibst ferner, dass es für Dich Zitat „nur der Geist Gottes sein kann, der Dich leitet“. Woher weißt Du, ob es der Geist Gottes ist und nicht ein anderer Geist (z.B. der des Humanismus)?

Du hast Dich entschieden, der Bibel keinen Glauben mehr zu schenken, zumindest nicht im Sinne einer buchstäblich zu verstehenden Botschaft, da Du manche Aussagen für widersprüchlich oder inhuman hältst und sie zum Teil auch nicht mit der Wissenschaft im Einklang zu bringen vermagst. Aber so wie Gott uns Zähne gegeben hat, um harte und nicht leicht verdauliche Kost in ihre Bestandteile zu zerlegen, so gibt Gott auch bereitwillig das richtige Verständnis zum „Zerkauen“ und „Wiederkäuen“ (Nachsinnen) des Wortes Gottes, so dass es nicht nötig ist, es erst so weit zu „verwässern“, dass man es „schlucken“ kann.

Als der Inka-Häuptling Atahualpa von Pizarro eine Bibel geschenkt bekam, nahm er diese aus seiner Hand, roch daran, hielt sie an sein Ohr, schüttelte sie und warf sie dann auf den Boden, weil er nichts damit anfangen konnte. Du hingegen weißt zwar, wie man die Bibel lesen und interpretieren kann, und dennoch verhältst Du Dich wie einer, der ein fremdsprachiges Buch in der Hand hält, es aber dadurch zu „verstehen“ meint, indem Du dessen Fremdsprachigkeit einfach leugnest und nach Deinem eigenen Gusto eine „Übersetzung“ erfindest. Solche „Pippi-Langstrumpf-Übersetzungen“ („Ich mach mir die Welt, … wie sie mir gefällt“) können aber in Extremsituationen keinen Bestand haben. Man kann zwar leicht auf Beerdigungen sagen: „Wir kommen alle, alle in den Himmel“, aber wenn ein IS-Kämpfer Dich vor die Wahl stellen würde, entweder Deinen Glauben zu verleugnen oder aber dass Dir mit stumpfer Klinge der Hals abgeschnitten werden würde, wirst Du kaum die Kraft haben, für Deinen Wünsch-Dir-was-Glauben Qualen auf Dich zunehmen. Warum solltest Du auch, denn wer nicht an eine Hölle glaubt, braucht diese ja auch nicht zu fürchten (Matthäus 10:28).

→ „Auferstehung“

Der Auferstehungsbericht ist alles andere als eine „bildhafte Sprache“, sondern eines der vielen Zeichen und Wundern Gottes, durch die wir glauben sollen, „daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend Leben habet in Seinem Namen.“

→ „Frauenrechte“

Was Deine Argumentationen zum biblischen Frauenbild betrifft, so musst Du Dir erst mal selber einig werden, denn Du kannst nicht ständig hin und her wechseln zwischen den Argumentationsebenen, – also mal mit der Bibel argumentieren und bei biblischen Gegenargumenten dann sagen: „Das ist ohnehin alles Schwachsinn!“, – weil Du dadurch wie ein Schachspieler bist, der sich nicht an die Spielregeln halten will, sobald er merkt, dass er am Verlieren ist.

Du kannst z.B. nicht einfach behaupten, dass die Timotheusbriefe angeblich „nicht von Paulus“ seien, wenn Du es nicht auch beweisen kannst. Du gibst ja selber zu, dass Dir dieses Wort in 1. Timotheus 2:12 ein Ärgernis sei, willst zugleich aber allen Ernstes behaupten, Du seist „vom Heiligen Geist geleitet“. Mir scheint dies eher der Geist des Humanismus und der Aufklärung zu sein bzw. der Hegelsche Weltgeist, hinter dem im Grunde der „Fürst dieser Welt“ steht. Der Heilige Geist wird Dich immer tiefer ins Wort führen, wenn Du Ihn hättest, aber Dich bestimmt nicht dazu bringen, dass Du Dich an dem Wort Gottes stößt (1. Petrus 2:8 „‚Ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses‘, die sich, da sie nicht gehorsam sein wollen, an dem Worte stoßen, wozu sie auch gesetzt worden sind.“).

Rebekka war mit Sicherheit keine „Emanze“, die eigenmächtig ihren Willen gegen ihren Mann durchsetzte, sondern sie gehorchte dem Befehl Gottes, der zu ihr zuvor gesagt hatte: „Der jüngere soll über den älteren herrschen“ (1. Mose 25:23).

Und dass in Christus „weder Mann noch Frau“ einen Vorzug haben, was ihr Heil betrifft, sollte eigentlich auch klar sein, was aber noch lange nicht heißt, dass es zwischen ihnen keine Rangordnung mehr geben darf, genauso wenig wie ja auch Sklaven und Freie im Neuen Bund noch ihre Berechtigung haben. So kann ein angestellter Christ ja zum Beispiel auch nicht seinen gläubigen Chef vom Sessel stoßen mit der Begründung, dass doch in Christus alle gleichberechtigt seien.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Wer mich rechtfertigt? Der Gott, der mich liebt und mich herausfordert, entsprechend seiner Liebe zu leben, geleitet von seinem Geist. Beweisen kann ich natürlich nicht, dass ich vom Geist geleitet bin, das könnte ich aber auch nicht, wenn ich alle Buchstaben der Bibel miteinander zu harmonisieren versuchte. Auch daraus könnte ich keinen wasserdichten Beweis konstruieren, dass ich gerechtfertigt bin – und jeder, der nicht in dieser Weise an die Bibel glaubt, wäre verloren.

Leitet mich der Geist des Humanismus? Nicht im Sinne dieser Weltanschauung, obgleich ich denke, dass Gott wahrhaft menschenfreundlich ist; den Humanisten halte ich vor, dass ihr übersteigerter Glaube an die Güte des Menschen ebenso ins Gegenteil umschlagen kann wie ein fanatischer Gottesglaube – nämlich dass man Feinde humanistischer Ideen (die man als reaktionär abqualifiziert) meint mit Gewalt bekämpfen zu können.

Von deinen fundamentalistischen Voraussetzungen aus gesehen muss natürlich meine Art der Bibelinterpretation eine Verwässerung sein. In meinen Augen macht es sich jeder Versuch einer Bibelauslegung zu einfach, der die Einbettung des Gotteswortes in menschliche Worte ignoriert, die nur bildhaft sein können und auch Widersprüche enthalten. Dass die Bibel ein fremdsprachiges Buch ist, das nicht leicht in eine andere Sprache, in andere geschichtliche Epochen, in jedes menschliche Leben hinein zu über-setzen ist, verkenne ich gerade nicht.

Ob ich die Kraft hätte, für meinen Glauben zu sterben, das kann ich nicht sagen, so lange ich nicht in einer solchen Situation bin – aber in einem hast du Recht, ich mag nicht auf eine ganz bestimmte Weise an Gott glauben, nur weil er mir mit der Hölle droht. Insofern kann ich dich nicht einmal widerlegen, dass du mir einen „Wünsch-dir-was-Glauben“ vorwirfst. Wenn wirklich deine Auslegung der Bibel die einzig wahre und richtige sein sollte, dann würde ich lieber Atheist werden und die Hölle erleiden, als einen dermaßen menschenfeindlichen Gott anzuerkennen.

Im Schachspiel der Regeln deines fundamentalistischen Glaubens habe ich schon verloren. Ich kann dich nicht widerlegen. Was wäre denn, wenn es einen unwiderleglichen Beweis dafür gäbe, dass die Timotheusbriefe wirklich nicht von Paulus sind? Würdest du dann vom Glauben abfallen? Würde schon ein einziger wirklich nachgewiesener Widerspruch in der Bibel deinen ganzen Glauben widerlegen, so dass du einen solchen keinesfalls zugeben darfst? Hältst du auch Martin Luther für ungläubig, weil er den Jakobusbrief und die Offenbarung von seinem Kriterium her „was Christum treibet“ für weniger aussagekräftig gehalten hat als andere Teile der Schrift?

→ „Frauenrechte“

Aber noch mal zu 1. Timotheus 2:12: Wortwörtlich verstanden, hätte Rebekka nach diesem Wort nicht die Initiative gegen ihren Mann ergreifen dürfen, sondern hätte es Gott und ihrem Sohn allein überlassen müssen, seinen Bruder zu betrügen. Debora hätte niemals über das Volk Israel, Männer und Frauen richten dürfen. Sie war zu ihrer Zeit die Chefin; hätte man sie von ihrem Richterstuhl stoßen müssen, weil sie als Frau von Gott nicht zu einem solch verantwortungsvollen Amt ausgerüstet war?

→ „Sklaverei“

Rangordnungen unter Menschen sind notwendig, sind aber auch immer wieder mit Recht in Frage gestellt worden, wenn sie gegen die Menschenwürde verstoßen, wie zum Beispiel die Sklaverei (schon in der Bibel wird um die Frage gerungen, ob es Sklaverei geben darf, wenn ja, ob lebenslang oder unter welchen Bedingungen, welches Verhalten von Sklaven oder Sklavenhaltern zu erwarten ist).

Würdest du übrigens mit Epheser 6:5 heutigen Sexsklavinnen vorschreiben wollen, sich nicht gegen ihre Zuhälter aufzulehnen? Ist es nicht im Sinne der Bibel, die Sklaverei als solche abzuschaffen?
Ausgewichen bist du übrigens all meinen neugierigen Fragen, auf welche Weise du denn die „Hauptschaft“ gegenüber deiner Frau „einfordern“ willst.

→ „Wahrheit oder Lüge“

S. P.: Wenn Du sagst, dass Gott Dich rechtfertigen würde, klingt das zwar fromm, ist aber in Wirklichkeit eine haltlose Behauptung, da sie zwar der Bibel entlehnt ist (Römer 5:1, 8:33), aber an diese glaubst Du ja nicht, weshalb Du ehrlicherweise auch kein Recht hast, ihre Verheißungen für Dich in Anspruch zu nehmen. Das gleiche gilt auch für alle anderen Begriffe, die Du verwendest, sie aber eigenmächtig in einen eigenwilligen Bezug stellst, der mit dem Wortlaut der Heiligen Schrift nichts mehr zu tun hat. „Zu dem Gesetzlosen spricht Gott: ‚Was hast du meine Satzungen herzusagen und meinen Bund in den Mund zu nehmen? Du hast ja die Zucht gehasst, und hinter dich geworfen Meine Worte“ (Psalm 50:16). Man kann sich nicht die Rosinen aus dem Kuchen picken und sagen: „Jesus Ja, aber Bibel Nein!“ denn man kann Ihn nicht von Seinen Worten entkoppeln, da Er selbst das Wort Gottes ist. „Wer Mich verwirft und Meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten an dem letzten Tage“ (Johannes 12:48).

Die „Fremdsprachigkeit“ der Bibel bezog ich auf die Notwendigkeit einer geistgeleiteten Auslegung. So wie man die Sprache eines Buches beherrschen muss, um es zu verstehen, so muss man auch das geistliche Verständnis besitzen, um die Bibel zu verstehen. Du kannst das Wort Gottes nicht mit der „Weisheit dieses Zeitlaufs“ verstehen. „Der seelische Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er KANN ES NICHT ERKENNEN, weil es geistlich beurteilt werden muss“ (1. Korinther 2:14).

Mit Deiner Kritik am Wort Gottes kannst Du Dich auch nicht auf Luther berufen. Luther hatte bei seinen Bedenken zum Jakobusbrief lediglich die Sorge einer falschen Gewichtung. Jedenfalls wollte er sicherlich nicht die Gebote der Bibel relativieren oder außer Kraft setzen, erst recht nicht mit der Begründung, dass sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit und der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis stünden. Für solche heute vielfach praktizierten Demontage-Arbeiten an der Heiligen Schrift lässt sich Luther mit seinem „Sola Scriptura“ jedenfalls nicht vereinnahmen.

Deinen Satz, dass Du lieber Atheist wärest und lieber die Hölle erleiden würdest, als an einen angeblich solch „menschenfeindlichen Gott“ zu glauben, kommt mir sehr bekannt vor, denn auch ich habe mal genauso gedacht und geredet – aber da war ich Atheist! Wir können uns nicht einen Gott ausdenken, sondern müssen Ihn so annehmen, wie Er sich uns geoffenbart hat. Der Gott der Bibel ist nicht menschenfeindlich, auch wenn ich dies selber einmal dachte in meinem Unverstand. Aber Gott hält auch keineswegs für schuldlos den Schuldigen! Gottes „Zorn war sehr entbrannt“ über Eliphas und seine beiden Freunde, „denn ihr habt nicht recht von Mir geredet, wie Mein Knecht Hiob“ (Hiob 42:7).

Wie lautet denn die oberste (Schach-)Regel DEINES Glaubens? Ist es etwa nicht auch die GlaubWÜRDIGKEIT? Denn was nützt Dir der Glaube an Deinen Gott, wenn er gar kein Vertrauen und keine Glaubwürdigkeit vermitteln kann, aufgrund seiner in sich unsinnigen Wahl der Mittel? (Ich sage bewusst „Deinen Gott“, denn ich glaube an den Gott der BIBEL und nicht an Deinen – aus meiner Sicht – selbsterdachten Gott). Dein Gott hat ja angeblich Lügner und Fantasten damit beauftragt, sein Wort den Menschen zu vermitteln. Glaubst Du, dass solch ein Fehler nicht auch auf Deinen Gott zurückfällt?

Das haben wir doch gerade in diesen Tagen in Österreich gesehen, dass ein Kanzler seinen Innenminister als Sündenbock für die Unzulänglichkeiten Seines Vizekanzlers entlassen wollte, obwohl eigentlich er selbst verantwortlich war, mit diesem überhaupt eine Koalition eingegangen zu sein. Die Folge war, dass auch Sebastian Kurz das Vertrauen abgesprochen wurde. Ebenso wäre aber auch Dein Gott voll umfänglich daran schuld, wenn ihn niemand für zurechnungsfähig halten kann bei einer angeblich so dilettantischen Verkündigerauswahl.

Glaubwürdigkeit und Vertrauen ist die Grundvoraussetzung für jede Beziehung. Einen „Gott“, dem ich noch nicht einmal Souveränität und Allmacht zutrauen kann, ist (nach Ludwig Feuerbach) im Grunde auch gar kein Gott, sondern eine Projektion meiner selbst, sprich ein GÖTZE („Auflehnung ist so schlimm wie die Sünde der Zauberei und EIGENSINN so schlimm wie GÖTZENDIENST“ 1. Samuel 15:23).

→ „Frauenrechte“

Wobei wir zum Thema „Vertrauen in der Ehe“ kommen: Die Auflehnung gegen göttliche Anordnungen hat weltweit nicht nur zu hunderttausendfacher Scheidungsrate mit Millionen zerrütteter Elternhäuser geführt, sondern auch Milliarden Menschenleben gekostet während der 73 Jahre des Kommunismus! Man könnte sogar sagen, dass alles Elend der Menschheitsgeschichte seine Ursache hat in der Ablehnung der göttlichen Ordnung: „Sollte Gott wirklich gesagt haben…? Mitnichten…! Ihr werdet sein wie Gott!“ Schon dem „Glanzstern“ Satan hat es nicht gut getan, als er sich in seinem Herzen vornahm: „Ich will mich gleichmachen dem Höchsten!“

Auch Deboras Richterdienst über Israel widerspricht keineswegs dem Herrschaftsgebot des Mannes über der Frau, denn die verantwortlichen Männer hatten sie ja zu diesem Richteramt bevollmächtigt. Es war eine Aufgabe, eine Funktion, mehr nicht. Gott geht es auch nicht um die Ausübung eines Herrschaftsamtes, sondern um die eigenmächtige, selbstbestimmende und unbefugte Kompetenzanmaßung, die losgelöst ist von der göttlichen Schöpfungsordnung.

Gott hatte z.B. im Alten Testament angeordnet, dass Frauen kein Mannsgerät tragen sollen, also nicht nur Männerkleidung (wie z.B. die Hose), sondern auch keine Männerwerkzeuge (d.h. Männerberufe) oder Waffen. Die Missachtung der Geschlechterrollen ist Gott sogar ein „Gräuel“ (5. Mose 22:5). Seit 50 Jahren aber hat sich die Hose leider aber auch bei gläubigen Frauen ausgebreitet und ist zu einer ungöttlichen Norm geworden. Auch meine Frau hat sich von Anfang der Ehe immer wieder dagegen gesträubt, sich einen Rock anzuziehen. Nach unzähligen Diskussionen mit ihr habe ich ihr im Juli letzten Jahres ein Ultimatum gestellt, indem ich ihr sagte, dass ich ab den 01.08.18 nicht mehr mit ihr zusammen auf die Straße gehe, wenn sie sich nicht einen Rock oder ein Kleid anzieht. Dies hat tatsächlich gefruchtet, so dass meine Frau sich allmählich an diese Bedingung gehalten hat, wenn auch nicht aus eigener Überzeugung. Dies sei nur mal ein Beispiel, wie ich die Hauptschaft in meiner Ehe durchsetze.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Da du mir das Recht absprichst, die Bibel anders als fundamentalistisch (= in deinem wortwörtlichen Sinne) auszulegen, ist es eigentlich sinnlos, mich weiterhin darum zu bemühen, dir meine Art der Bibelauslegung verständlich zu machen. Unser beider Verständnis vom Wort Gottes ist genau so weit voneinander entfernt wie das, was wir unter „geistlich“ verstehen. Ich bin nur froh, dass du nicht mein Dekan oder Bischof warst, der mir die Lehrberechtigung in den von mir betreuten Gemeinden entzogen hätte.

Aber zu den „Rosinen“: Nach meiner Erfahrung muss auch jeder Fundamentalismus Rosinenpickerei betreiben. Die „fundamentals“, die als unumstößlich wortwörtliche Wahrheit angesehen werden und an denen man die Auslegung der Bibel misst, können ja recht unterschiedlich gesetzt werden. Der 30jährige Krieg entbrannte z.B. in religiöser Hinsicht um die Frage, ob Katholiken oder Protestanten die einzig richtige absolute Wahrheit vertraten. Wer genau bestimmt denn, was die richtige wortwörtliche Auslegung der Bibel sein soll?

Musst du deinen Sohn gemäß 5. Mose 21:21 steinigen lassen, wenn er dir nicht gehorcht? Ist Sklaverei heute noch mit dem Wort Gottes vereinbar? Eine südafrikanische weiße Christin versuchte mir vor knapp 40 Jahren mit der Bibel zu begründen, dass die Apartheid gottgewollt sei.

→ „Frauenrechte“

Ist das Männerkleidungsverbot für Frauen nicht doch eine kulturbedingte Angelegenheit, die nichts mit dem zeitlosen Willen Gottes zu tun hat? In unserer Stadt gibt es neben den „Großkirchen“ recht viele freikirchliche Gruppierungen und Sekten, aber mir ist noch nicht aufgefallen, dass irgendeine davon ihren Frauen das Tragen von Hosen verbietet. Ein junger Mann, der hier an der Freien Theologischen Hochschule studiert und mit dem ich ähnliche Gespräche wie mit dir über historisch-kritische und freikirchliche Bibelauslegung führte, erwähnte beiläufig, dass er den Vortrag einer Theologieprofessorin der Gießener Uni bei einem übergemeindlichen Treffen von freikirchlich und evangelisch-landeskirchlich geprägten Menschen sehr gut gefunden hätte.

Auch du musst in den Text Dinge hineinlesen, die nicht drinstehen, wenn du die Bibel als absolut widerspruchsfrei hinstellen willst, z. B. beim Thema Debora: Sie lässt sich nach Richter 4 und 5 keineswegs von irgendeinem Mann herumkommandieren. Du irrst, wenn du meinst, dass Männer sie zu ihrem Richteramt bevollmächtigt haben; davon steht nirgends etwas in der Bibel. Stattdessen zitiert sie Barak zu sich und kommandiert ihn ganz schön herum (4:6.9.14). Auch Jaël, die den Feldhauptmann des Unterdrückers Jabin tötet, wird weder von Barak noch von Gott für dieses eigenmächtige Verhalten getadelt oder gar gestraft, nein, sie wird sogar von Debora und Barak in ihrem Siegeslied dafür gepriesen (5:24).

→ „Wahrheit oder Lüge“

Die oberste Regel meines Glaubens? Dass Gott Liebe ist, dass in ihm Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden kein Widerspruch ist, dass er beides für sein Volk Israel und durch Jesus Christus für die Menschheit will. Dieses Bild von Gott habe ich mir nicht ausgedacht, sondern ich habe es erkannt in den vielfältigen Zeugnissen der Bibel und vermittelt auch durch Menschen, die mir dieses Zeugnis weitergegeben und ausgelegt haben. Und genau so wie ich kommst auch du nicht aus ohne ein Bild von Gott, das du aus der auf deine Weise interpretierten Bibel herausliest. Feuerbach würde sowohl zu meinem als auch zu deinem Bild von Gott sagen: Alles nur Projektion!

Glaubwürdig ist Gott für mich trotz seiner menschlich unvollkommenen Bezeugung, weil gerade durch die unscheinbaren Mittel seine Liebe um so strahlender hervorleuchtet – ich will es mal so pathetisch ausdrücken.

Paulus hat das Wort vom Kreuz als eine eigentlich unmögliche Form der Bezeugung der Wahrheit Gottes bezeichnet, die den Juden ein Ärgernis und den Hellenen eine Torheit bedeuten müsste. Das Kind Gottes findet man in Windeln gewickelt, nicht in einer goldenen Wiege. In Erzählungen märchenhafter Art, in denen Schlangen und Esel reden können und Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden (was in der Antike viele Menschen gerne bereitwillig glaubten, ohne darin Lügengeschichten zu sehen), wird etwas deutlich von den Wundern der Heilung oder menschlicher Aufrichtung oder Befreiung, die durch das Vertrauen auf Gott geschehen.

Die Bibel ist nicht von Lügnern geschrieben, sondern von Menschen, die – von der Liebe Gottes angerührt – auf tausenderlei Arten von ihr zu erzählen wissen – doch die Wahrheit dieser Geschichten wird erst demjenigen offenbar, der sich wiederum durch Gottes Geist anrühren, ansprechen und verändern lässt.

→ „Frauenrechte“

Für dein Verhalten gegenüber deiner Frau finde ich kaum Worte. Was hat denn das mit Vertrauen oder gar Liebe zu tun, dass du ihr ein Ultimatum stellst, um sie dazu zu zwingen, etwas anzuziehen, was Gott angeblich auch im 21. Jahrhundert noch als Greuel empfinden sollte? Darf ich deinen Worten übrigens entnehmen, dass sie im Haus durchaus Hosen trägt? Schreibst du ihr auch vor, welche Partei sie zu wählen hat? Bestimmst allein du, wofür ihr das von dir verdiente Geld ausgebt?

→ „Wahrheit oder Lüge“

S. P.: Deine „Art der Bibelauslegung“ habe ich schon verstanden, aber ich halte sie nicht für legitim, weil sie nicht der Intention der Schreiber entsprach, und zudem wertlos ist, da sie ja selber zugibt, über kein belastbares Fundament zu verfügen (demnach also HALTLOS ist) und ihr allein das eigene Wunschdenken des „Auslegers“ zugrunde liegt. Vielmehr folgt sie einer agnostischen, bibelkritischen Ideologie, nach der Gott angeblich mittels erfundener Wundergeschichten die Menschen irgendwie ein bisschen trösten wollte, indem sie irgendwas in diese Mythen (Lügenmärchen) hineininterpretieren dürfen. Diese seit etwa 200 Jahren bestehende Ideologie erhebt sich über die frühere Gemeinde (33 n. Chr.- ca. 1800 n. Chr.), die „der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit ist“ (1. Timotheus 3:15), indem sie deren buchstäbliches Bibelverständnis für Schwachsinn hält und meint, es besser zu wissen. Damit ehren sie aber nicht ihre Väter, wie es das 5. Gebot eigentlich fordert, sondern verachten sie.

„Rosinenpicken“ in Bezug auf die Bibel bedeutet, dass man sich nur jene Aussagen aus der Heiligen Schrift herauspickt, die dem eigenen Wunschdenken entsprechen, aber alle unliebsamen (weil widersprechenden) Stellen einfach ignoriert. Von daher kann ein Fundamentalist schon per Definition kein „Rosinenpicker“ sein, da er ja gerade auf die buchstäbliche Gültigkeit ALLER solcher – subjektiv betrachtet – „unliebsamen Stellen“ pocht.

Selbst wenn es unter den Christen schon immer unterschiedliche Auffassungen in den Lehrfragen gegeben hat, haben sie nie die Gültigkeit der Bibel als Fundament in Frage gestellt. Demnach kann man daraus folgen, dass der Glaube an die Gültigkeit der Bibel als wörtlich zu verstehendes, unfehlbares Wort Gottes eines der entscheidenden Kennzeichen eines echten Christen ist. Ein Katholik z.B. kann noch so irrtümliche Ansichten vertreten, aber solange er sie von der Bibel her ableitet, ist er für mich ein Christ. Ein evangelikaler Freikirchler hingegen, der irgendein Gebot der Bibel einfach für eine vorübergehende, kulturelle Tradition hält (z.B. 1. Korinther 11:2-16), ist in meinen Augen kein echter Christ.

Im Neuen Bund muss ich meinen Sohn nicht mehr steinigen im Sinne von 5. Mose 21:21, wenn er mir dauerhaft nicht gehorcht, aber ich muss ihn züchtigen (Hebräer 12:5-29) und ihn nötigenfalls auch aus der Gemeinschaft ausschließen, damit er zur Buße kommt (2. Thessalonicher 3:6:15).

→ „Sklaverei“

Auch die Sklaverei war im Alten Bund unter den von Gott gebotenen Bedingungen noch legitim, jedoch im Neuen Bund nicht mehr (1. Korinther 7:23). Das heißt aber nicht, dass ein Sklave das Recht hätte, gegen seine Versklavung zu rebellieren (1. Korinther 7:21-22), sondern er soll dies aus Gottes Hand annehmen.

→ „Frauenrechte“

Das Hosentragen der heutigen Frauen setzt sich über das Gebot in Sprüche 22:28 hinweg, nach welchem wir die von den Vätern für die Dauer eines Äons festgesetzte Grenze (in diesem Fall die der Unterscheidbarkeit zwischen Mann und Frau) nicht „zurücksetzen“ dürfen als Kniefall vor dem antichristlichen Zeitgeist der Emanzipation.

Debora war in erster Linie eine Prophetin, d.h. sie erhielt von Gott Anweisungen, die sie an das Volk Gottes auszurichten hatte. Deshalb hat sie auch nicht „den Barak rumkommandiert“, sondern ihm lediglich den Befehl Gottes mitgeteilt (Richter 4:6). Barak hingegen war derjenige, der der Prophetin indirekt seinen Willen aufzwingen wollte, indem er sie erpresste (V.7). Debora hingegen hatte von Gott nicht das Recht erhalten, selber das Volk Gottes im Kampf gegen die Feinde anzuführen, weil die Kriegsführung ausschließlich Aufgabe der Männer war. Auch Jaël besaß keinerlei Waffe (5. Mose 22:5), sondern benutzte einen Zeltpflock, um den Willen Gottes auszuführen.

→ „Wahrheit oder Lüge“

Die Liebe Gottes ist keine „Regel“ (im Sinne einer Grundbedingung für meine subjektive Legitimation) des Glaubens, sondern die bedingungslose Grundwesenart Gottes, die ich aber nicht für meine eigenwilligen Interessen vereinnahmen und instrumentalisieren kann. Was Gott von mir jedoch als Regel erwarten kann, ist, dass ich nicht irgendeinem selbstgebastelten Glauben folge, sondern alles anhand Seines Wortes auf Glaubwürdigkeit prüfe (1. Thessalonicher 5:21). Zum Wesen Gottes gehört nicht nur Seine Liebe, sondern auch Seine Gerechtigkeit, und dass „Er keineswegs für schuldlos hält den Schuldigen“ (4. Mose 14:18). Da Du jedoch das Gericht Gottes und eine Bestrafung in der Hölle leugnest, ist Dein Gott nicht der biblische, sondern ein Götze Deines eigenen Willens, der Dir zu dienen hat. Sich ein Bild von Gott zu machen, ist nur dann legitim, wenn es durch die biblische Offenbarung begründet ist.

→ „Frauenrechte“ → „Gewalt“

Jemandem ein Ultimatum zu stellen, hat sicherlich nichts mit der verweichlichten, seelischen Liebe des Humanismus zu tun, sehr wohl aber mit den Prinzipien Gottes; denn Geduld ist kein Selbstzweck, sondern verfolgt immer das Ziel der Veränderung. Selbst in den irdischen Dingen kann z.B. ein Unternehmer ja dem Kunden eine Frist setzen, wenn dieser bisher nicht zur Zahlung der geschuldeten Forderung bereit war, indem er ihm bei Nichterfüllung eine Klage androht. Als Christen sollen wir den Willen Gottes durchsetzen, nötigenfalls mit Gewalt, denn wir sind als Diener Gottes auch Seine Erfüllungsgehilfen. Da sich Gottes Wesen nicht ändert, ist das, was Ihm vor 3000 Jahren schon ein Gräuel war, auch im 21. Jahrhundert noch ein Gräuel. Bei der Bekleidungsvorschrift in 5. Mose 22:5 handelt es sich um ein Darstellungsverbot; der Gräuel für Gott besteht also in erster Linie in dem nicht schöpfungsgemäßen Zeugnis vor anderen. Wenn wir jedoch zu Hause sind, spielt es weniger eine Rolle, wie Ruth gekleidet ist, da sie von anderen ja nicht gesehen wird.

Meine Frau und ich wählen nicht, da wir bereits vor Jahren den „Fürsten der Regenten der Erde“ gewählt haben (Offenbarung 1:5), und Er bestimmt souverän, wer regieren soll und wer nicht (Daniel 2:21). Und was das Haushaltsgeld betrifft, so kann Ruth frei darüber verfügen, weil ich sie dazu bevollmächtigt habe.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Meine Bibelauslegung hat zwar nicht die Annahme als Fundament, dass die Bibel in allen ihren Aussagen wortwörtlich den Tatsachen entspricht, sondern jede Menge bildhaft zu verstehender Inhalte enthält. Trotzdem steht sie auf einem belastbaren Fundament insofern, als ich mich natürlich nach dem roten Faden frage, den die Aussagen der Bibel enthalten.

Die Mitte der Schrift ist die Liebe Gottes, die sich im befreienden und zur Gerechtigkeit herausfordernden Wort des Einen Gottes Israels ausdrückt und im Glauben an Jesus Christus – vermittelt durch den Heiligen Geist – auch zu uns außerisraelitischen Völkern gelangt ist. Diese Liebe ist der belastbare Grund der Bibelauslegung, nicht ein Postulat der angeblichen Widerspruchsfreiheit. Übrigens gibt es nicht erst seit der Aufklärung Alternativen zur wortwörtlichen Bibelauslegung. Schon in der Alten Kirche fragten Christen neben dem wörtlichen Sinn von Bibelworten auch nach dem dogmatischen, moralischen oder endzeitlichen Sinn (Interpretation im Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung).

Auch für mich enthält Gottes Liebe die Gerechtigkeit – und zwar sowohl als Geschenk im Sinne von Rechtfertigung und Befreiung – als auch als Forderung in dem Sinn, dass ich mich für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden auch im Blick auf meine Mitmenschen einsetze. Klar ist auch, dass Gott in seiner Liebe nicht einfach über jedes Fehlverhalten hinweg geht, sondern die Umkehr der Menschen im Sinn hat. Kern der guten Wegweisung Gottes ist allerdings für mich eben der Wille, dass Menschen im Geist der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Ebenbürtigkeit als Kinder Gottes im Frieden miteinander leben.

Eigentlich dürfte es nach deinen Voraussetzungen keine Lehrunterschiede unter Christen geben. Wenn es sie gibt, muss es doch wohl unterschiedliche Auffassungen darüber geben, was denn nun genau der wortwörtlich zu verstehende Sinn der Bibel ist.

Zum Beispiel verstehe ich nicht, wieso du das Steinigungsverbot für ungehorsame Söhne für im Neuen Testament aufgehoben hältst (ausdrücklich wird das nirgends gesagt); müsstest du nicht sogar sagen, dass die Züchtigung nach Hebräer 12 im Extremfall sogar bis hin zur Steinigung gehen müsste – wenn nämlich der Sohn sich nicht durch Worte oder Schläge disziplinieren lässt?

Apropos: Hast du Kinder – und erziehst du sie wirklich mit gewaltsamer Strenge? Unsere Enkelin war kürzlich (mit Recht) entsetzt über die Erziehungsmethoden des Schulmeisters in Wilhelm Buschs „Plisch und Plum“, wo die durch Schläge zur Bravheit gezwungenen Schüler ihr so erworbenes Erfahrungswissen sogleich durch Prügel gegenüber ihren Hunden in die Tat umsetzten.

→ „Sklaverei“

Meines Erachtens entspricht die Sklaverei schon im Alten Testament nicht dem Willen Gottes; und noch im Neuen Testament sind die Verhältnisse so, dass die Sklaverei trotzdem noch für legitim gehalten wird – auch du betonst ja, dass kein Sklave sich seinem Herrn widersetzen, sondern die Sklaverei aus Gottes Hand annehmen soll. Ich fragte dich ja schon, ob du das auch für heutige Fälle von Sklaverei für das von den Sklaven oder Sklavinnen zu fordernde Verhalten hältst. Darauf hast du noch nicht geantwortet.

Dass du 1. Korinther 7,23 im Sinne der Aufhebung von Sklaverei auslegst, verstehe ich von deinen Voraussetzungen her nicht – der Satz spricht doch Christen an, die sich selber nicht versklaven lassen sollen. Da steht nichts von einer Aufhebung der Institution der Sklaverei, noch nicht einmal davon, dass Christen nicht etwa andere versklaven dürften. Und im Vers zuvor wird ausdrücklich zwischen innerer und äußerer Versklavung unterschieden. Also gerade dieser Textzusammenhang ist offen für sehr unterschiedliche Auslegungen.

→ „Frauenrechte“

Für mich entspricht Emanzipation durchaus dem Geist des befreienden Gottes der Bibel. Deine Auslegungen bezüglich Deboras, Baraks und Jaëls zeigen, dass auch du in deiner Auslegungskunst nicht vor Beliebigkeit gefeit bist. Müsste nach 1. Timotheus 2,12 nicht Debora grundsätzlich die Ausübung des prophetischen Amts verboten gewesen sein? Und erst recht die Ausübung des Richteramtes? Denn du wirst ja wohl nicht bestreiten, dass sie als Richterin auch verbindliche Ansagen gegenüber Männern zu machen hatte.

Völlig verquer finde ich es, wenn du andeutest, dass Jaël den Sisera mit einer Waffe (= männliches Gerät) nicht hätte töten dürfen, wohl aber mit einem Zeltpflock (obwohl – ist der nicht auch ein männliches Gerät? oder wer baute die Zelte auf?). Es bleibt auch der Widerspruch zu 1. Timotheus 2,12 bestehen, dass Jaël sich offenbar von Gott ermächtigt gesehen hat, Herr über einen Mann zu sein, obwohl der Apostel das dort doch ausdrücklich ausschließt.

Die eheliche Beziehung mit einer geschäftlichen oder politischen Beziehung gleichzusetzen, in der man mit Ultimaten Verhaltensänderungen erzwingt, halte ich für skandalös. In der patriarchalischen Kultur galt die Ehefrau als Besitz des Mannes, das stimmt. Aber ich sehe in der Bibel gerade sehr deutlich die Ansätze, dass von der Liebe Gottes her dieser Patriarchalismus überwunden wird. Auch die Frau ist Ebenbild Gottes. Sie darf sogar Prophetin sein wie Debora, Sprecherin einer jesusgläubigen Genossenschaft wie Lydia. Eine Frau dichtet Liebeslieder wie ihr Freund im Hohenlied Salomos, ohne Anzeichen der Unterwerfung zu zeigen. Frauen werden von Jesus als Gesprächspartnerinnen auf Augenhöhe gewürdigt wie die Frau am Jakobsbrunnen oder Maria und Martha.

→ „Gewalt“

Schließlich vernehme ich entsetzt, dass du meinst, wir müssten nötigenfalls Gottes Willen mit Gewalt durchsetzen. Ich hoffe, dass du dabei unter heutigen Bedingungen nur an das Gewaltmonopol des Staates denkst, der mit den Mitteln von Polizei und Justiz und im Verteidigungsfall mit militärischen Mitteln dafür zu sorgen hat, dass dem Bösen Einhalt geboten wird (siehe Römer 13). Ansonsten würde ich dir Markus 10:42-44 entgegenhalten. In welchen Zusammenhängen sonst hältst du Gewalt für notwendig? Apropos Staat – widerspricht es nicht Römer 13:5 oder Jeremia 29:7, dass ihr euch an der Wahl von Parlamenten nicht beteiligt? Oder würdest du sagen, dass man diese Stellen auf keinen Fall so auslegen darf, dass wir als Christen dazu aufgerufen sind, unsere Stimme auch mitgestaltend in der modernen Demokratie zu erheben?

→ „Wahrheit oder Lüge“

S. P.: Einen „roten Faden“, nach welchem es in der Bibel irgendwie um Liebe und Gerechtigkeit geht, den würde man wahrscheinlich auch in der Mao-Bibel finden. Dass die Heilige Schrift im buchstäblichen Sinne „wahr“ und widerspruchslos sei, war auch selbst für die Apostel eine Selbstverständlichkeit, wenn sie aus dem Alten Testament zitiert haben. Als Beispiel sei nur einmal Hebräer 11 genannt. Und als der HErr Jesus den Jona im Bauch des Fisches erwähnte, hat er sicherlich nicht an einen Mythos gedacht. Und dass die Alte Kirche nicht nur an eine buchstäbliche Auslegung glaubte, sondern auch noch an andere Auslegungsebenen, wissen wir schon von vielen Beispielen bei Paulus (z.B. 1. Korinther 9:9, Galater 4:22-31). Aber wenn es sich bei Texten ausschließlich um Gleichnisse oder Allegorien handelt, dann sind diese auch ausdrücklich und klar erkennbar als solche gekennzeichnet.

In der Tat gibt es in Einzelfragen der Auslegung auch unter bibeltreuen Christen viele unterschiedliche Ansichten, aber dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns in den Grundfragen des Glaubens alle einig sind, und dazu zählt auch die buchstäbliche Verbindlichkeit und Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift. Ich war schon bei Geschwistern in Peru oder Guatemala, aber überall haben sie die Bibel in gleicher Weise verstanden wie ich. Z.B. wussten auch sie, dass wir heute im Neuen Bund leben, wo zwar die Gebote des Alten Bundes immer noch gelten, jedoch die praktische Umsetzung im Neuen Bund eine Änderung erfahren hat. Heute opfern wir ja dem HErrn kein buchstäbliches Räucherwerk mehr, sondern unsere Gebete sind es, die wie ein lieblicher Geruch zum HErrn emporsteigen. Unser Altar ist ja nicht mehr auf Erden (Hebräer 13:10) und auch alle Opfer und Rituale des Alten Bundes weisen ja symbolisch auf den HErrn Jesus hin und dienten schon den damaligen Juden als Anschauungsunterricht.

Wer sich damals wie heute nur von reinen Tieren ernährte, hatte „keinen Nutzen davon“ (Hebräer 13:9), denn tatsächlich ging es Gott nie um unreine Tiere, sondern um unreine Menschen, die das Wort Gottes nicht „wiederkäuen“, d.h. darüber nachsinnen, und deren „Hufe nicht ganz gespalten“ sind, die also inkonsequent sind in ihrer Absonderung von der Welt. Ein Junge, der seinen gläubigen Eltern im Neuen Bund dauerhaft ungehorsam ist, wird auch heute noch verbal „gesteinigt“ und aus der Mitte der Gläubigen entfernt durch jenen „EckSTEIN, den die Bauleute verworfen haben“, der aber zugleich ein „Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“ ist (1. Petrus 2:4-8). Wenn jemand nicht die Unterschiede erkennen kann, wo das Wort Gottes es buchstäblich meint und wo es bildhaft redet, der ist verblendet und steht schon jetzt unter dem Verstockungsgericht Gottes.

→ „Sklaverei“

Bei der Sklaverei muss man wohl unterscheiden zwischen der gesetzlosen Sklaverei (wie sie auch heute noch in den Entwicklungsländern aber auch in Form von Zwangsprostitution geschieht) und der gesetzlich geregelten „Sklaverei“, zu der ich auch die durch die Harz-IV-Gesetze geregelten Beschäftigungsmaßnahmen und die sog. 1-€-Jobs zähle. Im weitesten Sinne sind auch sämtliche prekären Beschäftigungsverhältnisse weltweit Formen der Sklaverei, die jedoch nicht grundsätzlich dem Willen Gottes zuwiderlaufen, da Gott eines Tages einen Ausgleich schaffen wird für erlittene Benachteiligung (Lukas 16:19-31). Die gesetzlose Sklaverei hingegen war schon immer verabscheuungswürdig und sollte auch heute in jeder Form bekämpft werden, auch von Gläubigen. Es war übrigens ein evangelikaler Parlamentarier namens Wilberforce, der seit 1789 innerhalb von 18 Jahren jedes Jahr im englischen Parlament die Abschaffung des Sklavenhandels einforderte und 1807 schließlich Gehör fand, so dass es zum endgültigen Verbot des Sklavenhandels im British Empire kam.

→ „Frauenrechte“

Wie schon ausführlich begründet, war Debora keine Emanze, die eigenmächtig über die Männer herrschte, sondern sie übte ein Amt aus so wie auch Angela Merkel heute, was völlig im Einklang mit den Geboten Gottes ist. Jaël hat über Sisera einen göttlichen Hinrichtungsauftrag ausgeführt, ohne dabei ihre Rolle als Gehilfin des Mannes zu verleugnen. Dennoch gab es bis vor 100 Jahren in der ganzen Welt eine klar geordnete Geschlechterrollen-Unterscheidung, die selbst von Ungläubigen beachtet wurde, sei es in der Bekleidung oder im Beruf. Was über Tausende von Jahren für die gesamte Welt eine Selbstverständlichkeit war, wird heute durch den antichristlichen Geist der Emanzipation infrage gestellt, und der Teufel lacht sich eins ins Fäustchen.

Ich habe die Ehe keineswegs mit einer Geschäftsbeziehung „gleichgesetzt“, sondern durch einen Vergleich beispielhaft zeigen wollen, wie man zwischenmenschliche Konflikte durch Abgrenzung der unterschiedlichen Interessen lösen kann. Gerade vorhin habe ich zu meiner Frau gesagt: „Wenn du weiterhin ständig ALDI-Karottensaft in Flaschen kaufst, dann musst du sie in Zukunft selber auch entsorgen, denn du kannst genauso gut auch Karottensaft im Tetrapack kaufen.“ (sie trinkt nämlich jeden Tag eine Flasche, so dass ich alle zwei Wochen etwa 14 Flaschen zum Glascontainer bringen muss).

Obwohl Männer und Frauen vor Gott nicht gleichberechtigt sind, da der Mann vor Gott die Verantwortung trägt, hat die Frau dennoch in bestimmten Bereichen des Lebens die „Alleinherrschaft“, z.B. im Haushalt (Sprüche 31:10-31). Hier darf auch der Mann ihr nicht reinreden. Frauen werden „gerettet durch Kinderkriegen (und Auferziehen)“ (1. Timotheus 2:14). Der Mann hingegen soll das Geld verdienen und „in die feindliche Welt hinausgehen“, wie Friedrich Schiller schon sagte. Bis in die 60er Jahre hatten allein die Männer „die Hosen an“, und diese Rollenverteilung hat wunderbar geklappt. Auch in meiner Ehe funktioniert das perfekt, so dass meine Frau und ich seit nunmehr 27 Jahren sehr glücklich verheiratet sind und uns lieben wie am ersten Tag.

→ „Gewalt“

Das mit der „Gewalt durchsetzen“ meine ich natürlich nicht mit physischer Gewalt, sondern „durch Gottes Geist“ (Sacharja 4:6). In 2. Thessalonicher 2:15 schreibt Paulus: „Demnach also, Brüder, steht fest und haltet [wörtl. „setzt durch“, „gebraucht mit Macht“ griech. κρατεῖτε von KRATOS = ausgeübte Macht, Herrschaft] die übergebenen Anweisungen, die ihr gelehrt worden seid…“. Die gleiche Aufforderung finden wir auch in Offenbarung 3:11 „Ich komme schnell. Halte fest (d.h. gebrauche mit Macht) was Du hast, damit niemand deine Krone nehme“.

→ „Wahrheit oder Lüge“

Wer jedoch wie Du die Gültigkeit und Verbindlichkeit der Gebote des HErrn leugnet, sich aber trotzdem Pastor nennt, der wird ein sehr schweres Urteil vom HErrn bekommen, weil Du die Herde des HErrn in die Irre geführt hast durch Deine bibelkritische Ideologie. Ich spreche Dir auch jede Urteilsfähigkeit ab, besonders über christliche Ehen, wie der meinigen, da Du nach dem Urteil der Heiligen Schrift ein gesetzloser und blinder Führer der Blinden bist. Der HErr Jesus bietet Dir Augensalbe zum Kauf an, damit Du sehend werdest (Offenbarung 3:18).

Gerade weil Du ja als ordinierter Pastor vorgibst, ein „Geistlicher“ zu sein, gebietet Dir der HErr in 1. Korinther 14:37, dass Du die Anweisungen von Paulus (z.B. über das Redeverbot für Frauen im Gottesdienst) als „Gebot des HErrn“ erkennen sollst! Wenn Du Dich aber weigerst, es erkennen zu wollen, dann tritt automatisch das in Kraft, was Paulus im nächsten Satz androht: »Wenn aber jemand das⟩ nicht_erkennt/ verkennt, wird er in⟩ Unwissenheit festgehalten⟩ [oder aber auch: »wird er ⟨von Christus⟩ nicht ⟨aner⟩kannt« V. 38 nach der GtÜ].« Nach der zweiten Übersetzungsmöglichkeit wird einem Gläubigen, der den in 2. Timotheus 2:19 gebotenen Abstand zur Ungerechtigkeit nicht beibehält, die ihm vom HErrn geschenkte Gerechtigkeit wieder aberkannt (Hesekiel 3:20, 33:13), so dass der HErr ihn ins Angesicht verleugnetihn jemals erkannt zu haben, weil er ein Täter der Gesetzlosigkeit geworden ist (Matthäus 7:23). Eine andere, von vielen gewichtigen Handschriften bezeugte Lesart lautet: »soll er es nicht erkennen!«/ »soll er es verkennen!«. Diese anscheinende Aufforderung zum Bösen ist in Wirklichkeit als letzte Warnung gemeint, dass solch einer der Verstockung und dann dem Gericht verfallen wird (Ähnliche formale Aufforderungen zum Tun des Bösen gibt Gott in Josua 24:15, Jeremia 44:25, Hesekiel 3:27, 20:39, Amos 4:4, Matthäus 23:32, Offenbarung 22:11). »Ein Mensch, der von dem Weg der Einsicht abirrt, wird ruhen in der Versammlung der Schatten« (Sprüche 21:16). Um diesem Verstockungsgericht zu entgehen, ist es umso wichtiger, alles, was Paulus zur Stellung der Frau schreibt, auf der ganzen Linie als Gebot des HErrn zu erkennen.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Ich ziehe mal als Fazit deiner jetzigen Ausführungen zur Glaubwürdigkeit der Bibel: Auch die Absicht, die Bibel wortwörtlich auszulegen, schützt nicht davor, im konkreten Fall zu unterschiedlichsten Auslegungen zu gelangen. Und auch du erkennst an, dass viele Bibelstellen nicht wortwörtlich, sondern sinnbildlich ausgelegt werden müssen. Das betrifft vor allem alttestamentliche Stellen, die vom Neuen Bund her völlig anders zu verstehen sind (unnütze Speisegebote, verbale Steinigung etc.). Du ziehst allerdings die Grenzen der bildhaften Auslegung sehr viel enger als ich.

→ „Sklaverei“

Deine Differenzierungen bezüglich der Sklaverei, über die man lange streiten könnte, zeigen jedenfalls, dass wortwörtliche Auslegung der Bibel nicht automatisch dazu führt, Rezepte zur Lösung ethischer Fragen einfach auf die heutige Situation übertragen zu können. Eingehendes differenziertes Nachdenken ist erforderlich, um vom Heiligen Geist her die Bibel im Blick auf heutige Probleme zu befragen. Für unser Thema der Glaubwürdigkeit der Bibel halte ich fest, dass jedenfalls auch nach deiner Auffassung ein Vers wie 1. Petrus 2:18 nicht jede Form der Sklaverei als Institution rechtfertigen kann.

→ „Gewalt“

Mit dem Gebrauch des Wortes „Gewalt“ solltest du schon sorgfältiger umgehen, denn was du jetzt als „Gewalt“ definierst (im Sinne geistlicher Gewalt, also im Grunde Vollmacht oder Autorität), hat ja nichts mit körperlicher Züchtigung, gewaltsamen Angriffen auf andere Menschen oder gar der Todesstrafe zu tun (um die es in biblischen Texten an vielen Stellen geht, wenn es nach Zeugnissen des Talmud auch wohl so war, dass Juden die Todesstrafe tatsächlich nur selten verhängt haben). Deine Übersetzung von „kratein“ in 2. Thessalonicher 2:15 und Offenbarung 3:11 stimmt übrigens meines Erachtens nicht; das Wort bedeutet wie an vielen anderen Stellen auch einfach „ergreifen, halten“ und nicht, dass Anweisungen oder etwas, was man hat, „mit Macht“ anderen aufgezwungen werden sollen.

→ „Frauenrechte“

Zur Gleichberechtigung der Frau bleiben unsere Positionen unvereinbar: Ich halte nach wie vor die Zweitrangigkeit der Frau in der Bibel für eine zeitbedingte Folge des über Jahrtausende (bis in unsere Zeit hinein) herrschenden Patriarchalismus (den die Bibel als Folge der Verfehlung des Willens Gottes darstellt, 1. Mose 3:16). Das gilt ebenso für eine festgeschriebene Geschlechterrollen-Unterscheidung jenseits der biologischen Unterschiede im Blick auf das Kinderkriegen und -stillen.

Dass zum Beispiel der langjährige Kirchenvorstandsvorsitzende meiner früheren Gemeinde neben seiner Rolle als Hausmann und Vater phantastisch viel Zeit für seine ehrenamtliche Tätigkeit erübrigen kann, während seine Frau „hinaus ins feindliche Leben“ geht und das Geld für die Familie verdient, finde ich in keinster Weise verurteilenswert, sondern ebenso gottgewollt wie andere einvernehmlich gelebte Ehe- und Familienmodelle.

Und ich sehe nach wie vor nicht ein, wie du es mit 1. Timotheus 2:12 in harmonischen Einklang bringen kannst, dass Richterin Debora und Kanzlerin Merkel im Auftrag Gottes ein Amt ausüben dürfen, bei dem sie notwendigerweise auch „über Männer Herr sein müssen“. In Sprüche 31:16 wird übrigens die Frau dafür gelobt, dass sie als Winzerin arbeitet, was ja durchaus nicht nur ein Frauenberuf ist (1. Mose 9:20); völlig undurchlässig können also die Gendergrenzen auch in der Bibel schon nicht gewesen sein. Die von mir vielzitierte Lydia war ja Purpurfärberin und/oder -händlerin, was auch kein Beruf war, der auf Frauen oder Männer beschränkt war.

Soll ich es als dein Fazit unseres Austausches betrachten, dass du schweres Geschütz auffährst und davon ausgehst, dass ich mit meinem Bibelverständnis dem Verstockungsgericht Gottes verfallen bin, mich nicht Pastor nennen darf und keinerlei Urteilsfähigkeit in biblischen oder gemeindlichen Fragen habe? Aus deiner Sicht ist das wohl folgerichtig, denn ich liege tatsächlich im Streit mit Paulus über die Gebote der Frauenunterdrückung in den Gemeinden (1. Korinther 14:34-35). Ganz sicher bin ich allerdings nicht, ob diese Sätze dem Paulus nicht später „untergeschoben“ worden sind, denn sie wirken sehr als Einschub in einen zwischen den Versen 33 und 37 bestehenden Zusammenhang. Als Gebot Jesu kann ich nach allem, was die Evangelien über die Beziehung Jesu zu Frauen berichten, diese Sätze nicht verstehen. Seinem endgültigen Urteil werde ich mich gerne unterwerfen, warten wir‘s ab!

→ „Wahrheit oder Lüge“

S. P.: Um sicherzustellen, dass man nicht missverstanden wurde, sollte man das Schreiben eines Fazits über seine eigenen Überzeugungen nicht einem anderen überlassen. Denn so wie Du meine Aussagen zusammenfassen willst, könnte ich es nicht unterschreiben. So vertrete auch ich selbstverständlich den Standpunkt: „In den wesentlichen Dingen Einheit, in den zweitrangigen Freiheit, in allem Liebe“. Und diesen Grundsatz haben m.W. auch die Glaubensväter schon immer anerkannt. Zu den wesentlichen Dingen zählt das apostolische Glaubensbekenntnis. Wer dieses nicht wirklich glaubt, ist in meinen Augen kein echter Christ („…empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria… auferstanden von den Toten“ usw.). In allen anderen Erkenntnisfragen gilt Freiheit, was aber nicht gleichzusetzen ist mit Gleichgültigkeit, sondern eher mit Geduld.

Es gibt eine biblische Form der Auslegung (inkl. von bildhaften Geschichten), deren wichtigste Regel lautet: Die Bibel legt sich mit der Bibel aus; d.h. dass man eine bestimmte Auslegung auch biblisch gut begründen muss. Wenn man sich an diese einfache Regel hält, kann man auf einen Schlag sämtliche falsche Lehren auch als unbiblisch entlarven.

→ „Gewalt“ → „Frauenrechte“

Das Verb KRATAIOo bedeutet wörtlich „Macht-haben“ (über etwas), i.S.v. Lenkungs- und Kontrollgewalt haben über einen Gegenstand. Wenn jemand z.B. an einem Gebot des HErrn „festhält“, dann setzt er die Befolgung dieses Gebotes auch durch, sofern sein eigener Verantwortungsbereich davon betroffen ist – egal ob das den Außenstehenden passt oder nicht. Praktisch kann das so aussehen, dass gläubige Eltern sich dann z.B. weigern, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil Gott ihnen befohlen hat, dass Eltern ihre Kinder in der Furcht Gottes erziehen sollen (Epheser 6:4).

Wie ich schon an anderer Stelle erklärt hatte, bedeutet das Verb AUThÄNTÄOo in 1. Timotheus 2:12 nicht direkt „herrschen“, sondern „selbstvollbringend handeln“, im Sinne von eigenmächtig, unabhängig, selbstbestimmerisch, emanzipiert oder sogar selbstverwirklichend. Solange eine Richterin oder Kanzlerin im Rahmen ihres Mandats handelt, führt sie nur ihren Auftrag aus, zu dem sie von anderen bevollmächtigt wurde. Weder Debora noch Merkel haben bisher eigenmächtig gehandelt und erst recht nicht „geherrscht“, wie es z.B. ein König oder Diktatur tut. Auch landwirtschaftliche Betätigungen können problemlos auch von Frauen verübt werden, da sie sich noch in ihrem Verantwortungsbereich befinden („Haus und Hof“). Aber es gibt Berufe, die in der Bibel ausschließlich den Männern vorbehalten sind (Bergmann, Jäger, Handwerker, Soldat etc). Lydia war keine Färberin, sondern eine Verkäuferin (POoLÄOo = verkaufen).

Ob Du schon dem Verstockungsgericht verfallen bist, wird sich daran erkennen lassen, ob es bei Dir noch zum Umdenken kommen wird oder nicht. Dass Du Dich nicht „Pastor“ nennen dürftest, hatte ich nicht behauptet. Gott erkennt Dich als Pastor an, und gerade deshalb wirst Du ein strengeres Urteil von Ihm erhalten, denn das sagt die Schrift ganz klar (Hesekiel 34, Jakobus 3:1). Und solange Du an Deiner liberalen, bibelkritischen Theologie festhältst, fehlt Dir selbstverständlich ein geistliches Urteilsvermögen und vor allem der Heilige Geist selbst. In meinen Augen bist Du ein theologisch gebildeter Ungläubiger.

Der HErr Jesus hat übrigens nie einer Gleichberechtigung der Frau das Wort geredet – das ist feministisches Wunschdenken.

→ „Wahrheit oder Lüge“

H. S.: Dein Fazit ließe sich also in dem Satz zusammenfassen „Im Wesentlichen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem Liebe“, den man lange Zeit dem Kirchenvater Augustin zugeschrieben hat. Wobei wir leider festhalten müssen, dass wir beide uns auch abschließend nicht einig darüber sind, ob das wortwörtliche Verständnis der Bibel zum Wesentlichen gehört. Den Glauben an die Jungfrauengeburt und an die Auferstehung vertrete ich jedenfalls auf eine Weise, die du von deinem Bibelverständnis her nicht akzeptieren kannst.

→ „Frauenrechte“

Dass Jesu Verhalten Frauen gegenüber jedenfalls nicht den üblichen männlichen Gepflogenheiten entsprach, geht aus dem Unverständnis seiner Jünger in Johannes 4:27 hervor. Und Johannes 4:39 sowie 20:18 zeigen, dass Frauen im Auftrag Jesu Männern etwas bezeugen bzw. verkünden, um sie zum Glauben zu bringen.

Richter 13 ist übrigens ein schönes Lehrstück darüber, dass die biblischen Überlieferer, die ja wohl durchwegs Männer waren, manchmal ihre Schwierigkeiten damit hatten, wenn Gott sich durch seinen Engel einer Frau offenbart. Nicht einmal den Namen der Frau des Manoach haben sie erwähnt, obwohl die Botschaft, die sie ihrem Mann überbringt, vom Engel vollauf bestätigt wird, und obwohl sie es ist, die in 13:23 ihren Mann über den wahren Willen Gottes belehrt.

Meine letzte Frage zu dieser Thematik an dich: Wenn du zugestehst, dass Richterin Debora und Kanzlerin Merkel auch Männer richten bzw. regieren dürfen, weil sie ja von anderen (Merkel allerdings von einem Parlament, zu dem auch Frauen gehören) dazu bevollmächtigt wurden – dürfen dann auch Frauen als Pastorinnen ein Mandat übernehmen, zu dem sie von ihrem Bischof oder Propst (oder ihrer Bischöfin, die wiederum von einem Kirchenparlament dazu beauftragt wurde) ermächtigt wurden?

S. P.: Pastorinnen würden ja auch „lehren“ (1. Timotheus 2:12a) und würden ja während des Gottesdienstes auch nicht „still sein“ (1. Korinther 14:34-37), von daher geht das nicht. Etwas anderes wäre, wenn sie sich wirklich nur auf die Pastoren-Aufgabe im biblischen Sinn beschränken würden, also als Seelsorgerin oder Gemeindeschwester, so wie die Phoebe. Sie können auch Kinderstunde leiten oder Frauenfrühstück als „Lehrerinnen des Guten“ (Titus 2:3). Auch können Frauen selbstverständlich auch Botschaften anderer an Männer ausrichten, wenn dies nicht gerade Im Gottesdienst geschieht wie die Magd Rhode (Apostelgeschichte 12:14).

H. S.: O wie kleingeistig musst du dir dein angeblich dem wortwörtlichen Sinn der Bibel entsprechendes Bild der Frau zusammenstoppeln – von oben herab, natürlich im Auftrag des Herrn Jesus, gestehst du ihnen einerseits weitreichende Aufgaben zu, gestattest sogar der Kanzlerin zu regieren (ich verstehe immer noch nicht, wieso sie dabei innerhalb deines Weltbildes auch Männern, z.B. innerhalb ihrer Regierung, Weisungen erteilen darf), innerhalb der Gemeinde auf der anderen Seite aber dürfen Frauen gerade mal Kindern oder anderen Frauen etwas beibringen. Komisch, dass Jesus sich sogar von der syrophönizischen Frau belehren ließ.

→ „Wahrheit oder Lüge“

Aber ich denke, wir sollten wirklich zum Ende unseres Austausches kommen. Möchtest du noch ein abrundendes Schlusswort beisteuern?

S. P.: Ja, Du hast recht, ich bin kleingeistig. Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, aber es sind nur wenige, die Ihn finden.

Ja, Du hast recht, ich bin kleingeistig und beschränkt. Denn ich bin arm im Geist, und in meinem Denken nur auf Gott und Sein Wort beschränkt.

Ja, Du hast recht, ich bin kleingeistig und einfältig. Denn nur die Kinder kommen ins Reich Gottes, und meine einzige Weisheit und Predigt bleibt auf den gekreuzigten Christus beschränkt.
Ja, Du hast recht, ich bin kleingeistig und weltfremd. Denn auch mein HErr verschmähte die Weisheit der Welt, suchte keine Ehre, keinen Besitz, kein Vergnügen, sondern wählte stattdessen die Schmach und das Kreuz.

Mein HErr war so einfältig und kleingeistig, dass Sein einziges Bestreben darin bestand, dass sich die Schrift erfüllen möge! Und zwar genau jenes Alte Testament, das der Mensch, „die kleine Narrenwelt“ für ein angeblich von Menschen stümperhaft zusammengedichtetes hält.

Der HErr Jesus dachte nichts als Gott – aber Er dachte auf dem Grund des vorliegenden Wortes Gottes. Mit dieser schriftbezogenen Einfalt vermochte Er, die Schriftgelehrten zu schlagen, weshalb sie verächtlich auf Ihn herabschauten. Bis heute sind Seine Worte ihnen ein Ärgernis, weshalb sie es umdeuten und wegerklären müssen, um Ihn überhaupt ertragen zu können.

Wer dem HErrn Jesus folgen will, muss hinausgehen zu Ihm, außerhalb des Lagers, um Seine Schmach zu tragen. Aber der HErr wird schon bald wiederkommen, und dann werden all die Seinen, die Ihn erwartet haben, sich freuen, aber alle anderen beschämt werden, weil sie Ihm nicht geglaubt haben.

H. S.: Danke für dein Schlusswort! Dieser Art von Kleingeist im Sinne von Einfalt und Demut kann ich auch viel abgewinnen – ermutigt zu ihr erfahren wir allerdings auch, dass Gott unsere Füße auf weiten Raum stellt, dass wir uns mit den Fröhlichen freuen und mit den Weinenden weinen dürfen. Auch für mich ist die Bibel nicht etwa ein stümperhaftes Werk, sondern ein kostbares Geschenk, das Gottes Wort, verpackt in Menschenwort, enthält: als tragfähiger Zuspruch für uns, als herausfordernder Anspruch an uns. Aber lass uns das Urteil über unsere weit auseinandergehenden Auffassungen Gott selber überlassen!

S. P.: Amen!

Ein Gespräch über Fundamentalismus und Bibelkritik


A: „Simon, die Kirchen heute haben längst erkannt, dass man die Bibel historisch-kritisch verstehen muss, das heißt bei der Auslegung auch das geschichtliche Umfeld der Autoren und ihre menschliche Situation berücksichtigen muss, um dadurch herauszufiltern, was die Bibel uns heute noch sagen kann. Wir leben heute nicht mehr im Altertum und brauchen neue Antworten auf die Fragen unserer Zeit, denn sonst bleiben wir als Ewig-Gestrige in der Vergangenheit gefangen.“

S: „Das klingt für mich in etwa so, als würde man die Tauglichkeit des Grundgesetzes daran messen, in welcher sozialen und psychischen Verfassung dessen Väter waren. Aber was kümmert es die Eiche, wenn die Wildsau sich an ihr reibt? Die Bibel ist das lebendige und ewige Wort Gottes, durch welches Gott heute noch genauso aktuell zu den Glaubenden redet wie zu allen Zeiten. Sie bleibt aber den Unglaubenden und Treulosen verschlossen. Deshalb tüfteln sie verzweifelt an Möglichkeiten, wie man auch ohne Glauben noch einen Nutzen ziehen könnte aus der Heiligen Schrift, damit sie nicht ihren gutbezahlten Kirchenjob verlieren. Anstatt aber der Treue und Zuverlässigkeit des göttlich inspirierten Wortes zu vertrauen, verlassen sich die modernen Theologen lieber auf die Erkenntnisse atheistischer Archäologen und Religionswissenschaftler, die vom Satan benutzt werden, um den Menschen das Wort Gottes zu entreißen.“

A: „Damit unterstellst du aber allen Christen, die eine andere als deine fundamentalistische Art der Auslegung der Bibel bevorzugen, dass sie gar keine Christen seien. Tatsache ist aber, dass Ihr Fundamentalisten heute in der Minderheit seid, zumindest in Deutschland, und dass sich die moderne historisch-kritische Auslegung sich schon seit etwa hundert Jahren durchgesetzt hat.“

S: „In der Tat haben die Kirchen in Deutschland den riesigen "Fehler" gemacht, dass sie versucht haben, die Heilige Schrift zu entmystifizieren, indem sie die Wunder der Bibel in Frage stellten und alle wissenschaftlich nicht überprüfbaren Geschichten der Bibel ins Reich der Mythen verbannt haben. Damit aber haben sie geistlich Selbstmord begangen, indem sie den Menschen die Erfahrung des Glaubens geraubt haben. Sie selbst haben keinen Zugang zum Glauben gefunden und hindern jetzt diejenigen, die einen Zugang suchen, indem sie erst mal alles Pikante in der Bibel relativieren und in Frage stellen. Das ist ungefähr so, wie wenn ich einem schönen Glas Bier zunächst den Alkohol und dann die Kohlensäure entziehe und es zum Schluss noch erhitze. Zurück bleibt eine ungenießbare Plörre, die keiner mehr trinken will. Der HErr Jesus sagt: ‚Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz seine Kraft verliert, womit soll man sie ihm wiedergeben? Es taugt zu nichts mehr, als weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden‘ (Matth. 5:13). Deshalb gehen der evangelischen und katholischen Kirche seit Jahren die Mitglieder verloren, während die Freikirchen und Sekten regen Zulauf haben.“

A: „Ich bin ehrlich gesagt heilfroh, dass die Glaubensfanatiker heute nicht mehr über die Welt herrschen wie zur Zeit des Mittelalters. Seit der Aufklärungsepoche im 18. Jh. genießen wir heute eine noch nie zuvor dagewesene Freiheit und Frieden. Dieser Friede wird heute jedoch bedroht durch die neuen Fundamentalisten, seien es die aus dem Islam oder dem Christentum. Fundamentalisten wie du wollen sich nicht aufklären lassen, sondern verführen die Menschen, Andersdenkende zu bekämpfen und sogar ihr Leben zu opfern für ihren Glauben. Deshalb sind Fundamentalisten wie ein Krebsgeschwür in jeder Gesellschaft, das es auszurotten gilt. Fundamentalisten sind die größte Gefahr für den Weltfrieden!“

S: „Na, das hast Du aber schön auswendig gelernt. Oder ist es nur nachgeplappert, nachdem Du ähnliche Hetzparolen schon viele Male zuvor in den Medien gehört hast? Der Mensch braucht ja immer ein Feindbild, und am besten eignet sich dafür das, was man am wenigsten kennt. Denn auf ein solches lassen sich auch gut und gerne alle einseitigen und falschen Vorstellungen projizieren, die man von dem Fremden hat. Es erinnert mich ein wenig an das berühmte Buch von George Orwell "1984", in welchem er ein Bild der Zukunft entworfen hat von einer gleichgeschalteten Menschheit, die von einer "Gedankenpolizei" überwacht wird, damit niemand aus der Reihe tritt. Einmal am Tag gibt es auf den Bildschirmen aller Fabriken den sog. "Zwei-Minuten-Hass". Da wird also der von allen gehasste Abtrünnige Emmanuel Goldstein gezeigt, der Urverräter, der die Reinheit der Partei besudelt hat und dem alle Verbrechen und Sabotageakte angelastet werden. Obwohl man nichts von ihm wusste - nur dass er sich irgendwo versteckt im Untergrund aufhält, wurde er von der Allmachtspartei als größte Bedrohung dargestellt. Und wie auf Knopfdruck gerät das ganze Volk bei seinem Anblick in ein unkontrolliertes Wutgeschrei, einer Mischung aus Angst und Zorn. Die Gedankenpolizei kontrolliert dabei, ob auch wirklich alle bei dem Einklang mitmachen. Doch die Gruppenhysterie bewirkte, dass man unwillkürlich mitmachte und niemand sich dem Taumel aus Angst und Rachsucht entziehen konnte.“

A: „Dein Vergleich hinkt aber gewaltig! Unsere Demokratie ist so offen und liberal wie kaum eine andere Gesellschaft der Geschichte, und ausgerecht diese vergleichst Du mit einem Überwachungsstaat! Das ist doch alles verschwörungstheoretisches Geschwätz! In Wirklichkeit ist es doch genau anders herum, denn einen solchen Überwachungsstaat hätten wir ja erst gerade dann, wenn solche unfehlbaren Ideologen oder fundamentalistischen Religionsführer an der Macht wären wie z.B. im Iran. Dann nämlich gibt es wirklich nur noch EINE Wahrheit, die von niemandem angezweifelt werden darf. Kein Wunder, dass gerade arme und ungebildete Menschen empfänglich sind für alle diese Heilsversprechen.“

S: „Etwa solche wie Mohammed Atta und die anderen 09/11-Terroristen, die in Hamburg studierten?“

A: „Es gibt unter religiösen Menschen sicherlich auch welche, die studiert haben.“

S: „Ach, was Du nicht sagst! Es gibt sogar in Harvard Professoren, die an den biblischen Gott glauben, was doch eigentlich theoretisch gar nicht sein dürfte. Sicherlich - und da stimme ich Dir zu - gibt es in amerikanischen Universitäten mehr atheistische Professoren als im vergleichbarem Durchschnitt der Bevölkerung. Aber das sagt nichts über den Wert von Religion aus, sondern gibt nur bestenfalls Auskunft über die Glaubensfähigkeit gebildeter Menschen.“

A: „Trotzdem fällt auf, dass die meisten Terroristen der Welt religiös motiviert sind und dass Religionen besonders in armen und ungebildeten Ländern ihre Anhänger rekrutieren. Schlichte Gemüter suchen einfache Antworten für komplexe Fragen. Ein aufgeklärter Mensch hingegen geht solchen Rattenfängern nicht auf den Leim, weil er fähig ist, Heilversprechen immer wieder neu kritisch zu hinterfragen.“

S: „Auch die moderne, aufgeklärte Welt bietet durch ihr ‚Wikipedia‘-Wissen den Menschen ein trügerisches ‚Heilsversprechen‘, indem den Leuten suggeriert wird, dass sie allein durch ihr Daten-Wissen schon genug Erkenntnis erlangen würden, um ihr Leben zu meistern. Der einzige Unterschied zwischen Glauben und Wissen besteht für mich in dem Dünkel.“

A: „Du verzerrst die Tatsachen: Die Wissenschaft ist per se immer auch selbstkritisch und damit offen für Korrektur. Aber sie verspricht den Menschen kein besseres Leben, wie es die Religionen tun, sondern bietet ihnen nur die Möglichkeit, ihre Entscheidungen auf Grundlage von Faktenwissen zu treffen, anstatt auf fragwürdigen Hoffnungen auf ein besseres Leben nach dem Tod. Zudem schüchtert sie Menschen auch nicht ein durch die Androhung von ewigen Höllenstrafen, sondern beliefert sie mit prüfbaren Daten, um sich ein objektiveres Bild von der Wirklichkeit zu machen. Wenn du also hier von einem ‚Feindbild‘ sprichst, dann solltest du dich mal fragen, inwiefern du nicht selber gerade einen Popanz konstruierst, indem du der Wissenschaft eine Allmacht unterstellst, die sie nie für sich beansprucht hat.“

S: „Ich habe nicht behauptet, dass die Wissenschaft ihre Erkenntnisse nicht hinterfragen tut, sondern dass wir Menschen unsere Überzeugungen allgemein nicht hinterfragen wollen, egal ob religiös oder wissenschaftlich begründet, weil wir uns aufgrund unserer Eitelkeit ungerne in Frage stellen lassen wollen. Darin, und nur darin sehe ich keinen Unterschied zwischen Glauben und Wissen.
Es ist auch so eine typisch klischeehafte Unterstellung, dass religiöse Menschen ihren Glauben nicht hinterfragen würden. Selbst bei Fundamentalisten gibt es immer wieder mal Momente im Leben, in welchem sie Anfechtungen und Zweifel haben, auch wenn sie das nicht unbedingt immer zugeben würden.“

A: „Und das nenne ich Scheinheiligkeit! wenn man versucht, nach außen hin als etwas besseres erscheinen will als andere. Warum steht man nicht einfach zu seinen Schwächen?! Aber durch diese ständige Heuchelei werden junge Männer irgendwann zu Selbstmordattentätern, weil sie sich sagen: ‚Wenn ich es schon nicht durch mein Leben schaffe, Gott zu gefallen, dann doch wenigstens durch meinen Tod als Märtyrer!‘ Deshalb sehe ich religiösen Fanatismus als größte Gefahr für die Welt.“

S: „Du musst aber zugeben, dass es fundamentalistische Denkweisen in allen bestehenden Gruppen der Gesellschaft gibt, sogar bei den Atheisten, und dass das Bedürfnis nach Schutz und Bewahrung der eigenen Erkenntnis immer dazu führen kann, dass man den jeweils anders Denkenden als Gefahr sieht und ihn ausgrenzt. Der Andersdenkende wird dann durchweg der boshaftesten Absichten und der gemeinsten Irreführung beschuldigt. Hier sind eben die Guten und dort sind die Bösen, so einfach ist das.“

A: „Nein, so einfach ist es eben nicht! Der Unterschied besteht nämlich darin, ob ich eine objektive - d.h. wissenschaftlich haltbare - Weltsicht habe oder ob ich eine subjektive - d.h. von Mythen und Märchen geprägte - Weltsicht habe.“

S: „Und selbstverständlich identifizierst Du Dich mit Deinem Standpunkt in dieser Auseinandersetzung mit der objektiven Wirklichkeit. Das ist jedoch ein naiver Trugschluss! Denn auch Du nimmst wie jeder Mensch gutgläubig an, dass Deine Erkenntnis auch dem wirklichen Sachverhalt entspricht und hast keine Veranlassung daran zu zweifeln. Du glaubst, dass die Dinge an und für sich auch so sind, wie sie von Dir wahrgenommen werden. In Wirklichkeit hältst Du nur die von den Medien vertretenen Wertbilder für Dein eigenes seelisches Empfinden. Diese vorgegebenen Normen wurden in Dir zur ‚eigenen Überzeugung‘ in Deinem Bewusstsein und zum ‚Gewissen‘ gemacht, das absoluten und unbedingten Gehorsam fordert und keine kritische Hinterfragung und Relativierung duldet, genauso wie bei religiösen Fundamentalisten."

A: „Ach Simon, - was du alles über mich zu wissen glaubst! Hör doch auf, dich hier als abgeklärten Welterklärer aufzuspielen! Mir ist schon klar, dass es gar keine absolute Objektivität gibt. Alle unsere Aussagen über die Welt sind immer irgendwie subjektiv.“

S: „Das ist doch mal eine gute Gesprächsgrundlage. Denn sich dies einzugestehen, ist sicherlich auch eine ‚Zumutung‘ und in gewissem Sinne ein ‚Opfer‘. Wenn man sich zurücknimmt auf seine eigene Subjektivität, schafft man einen ungeahnten Freiraum für den Gesprächspartner, dem es dann im Gegenzug auch eher möglich wird, seine Subjektivität ins Spiel zu bringen und damit einen ähnlichen Freiraum anzubieten.“

A: „Es gibt zwar keine absolute Objektivität, wohl aber eine relative. Diese gründet sich auf wissenschaftlich überprüfbare Fakten und nicht auf unbewiesene Glaubenssätze. Jeder kann natürlich immer noch glauben, was er will; aber man darf dabei auch nicht die Augen verschließen vor der Wirklichkeit. Wenn die Bibel also z.B. von Wundern oder von Totenauferstehung spricht, dann sind das Glaubensaussagen, aber keine Tatsachen.“

S: „Woher willst Du das wissen, dass diese Dinge keine Tatsachen sind? Warst Du etwa dabei?“

A: „Nein, natürlich nicht. Aber es gibt auch heute noch keine echten Wunder und Totenauferstehung. Alles geht mit rechten Dingen zu. Also warum sollte es damals anders gewesen sein?!“

S: „Ob es damals aber anders war als heute, kannst Du nicht wissen, sondern nur glauben. Also ist der Satz: ‚Es gab diese Wunder nicht‘, auch nur eine Glaubensaussage.“

A: „Das ist doch absurd! Dann könnte jemand genauso gut behaupten, dass es die sieben Zwerge und die böse Hexe einmal gab. Oder dass es eine fliegende Kaffeekanne gibt, die um die Erde kreist, oder das fliegende Spaghettimonster! Solange man die Existenz einer Sache nicht beweisen kann, muss man auch nicht notwendigerweise von dessen Existenz ausgehen.“

S: „Du kannst mit wissenschaftlichen Methoden nichts beweisen, was in der Vergangenheit geschehen ist. Du kannst aber geschichtliche Berichte glauben, solange Du keinen begründeten Anlass hast, sie anzweifeln zu müssen.“

A: „Diesen begründeten Anlass habe ich doch aber! Denn wenn so viele übernatürliche Ereignisse, wie sie in der Bibel beschrieben werden, in der Gegenwart noch nie passiert sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Geschichten erfunden sind, doch sehr, sehr hoch. Und zudem kommt noch, dass die damalige Zeit dafür bekannt war, dass man solche Wundergeschichten erfunden hat, ohne dass dies die religiöse Aussage irgendwie beschädigen würde, da es für das religiöse Leben unbedeutend ist, ob diese Geschichten tatsächlich passiert sind.“

S: „Auf solche geistigen Fehlkonstruktionen können auch nur die von Gott längst abgefallenen, unaufrichtigen und heuchlerischen Theologen von heute kommen! Für meinen Glauben ist es aber durchaus von Bedeutung, dass die Dinge auch tatsächlich passiert sind, denn sonst müsste ich ja auch an der Allmacht Gottes zweifeln. Angesichts der Schönheit und Weisheit der Schöpfung habe ich aber keinerlei Grund dazu.“

A: „Dein naiver Glaube sei dir ja belassen. Aber wenn sich heute ernsthafte Wissenschaftler mit der Bibel auseinandergesetzt haben, dann solltest du deren Erkenntnisse ernst nehmen und es als eine Herausforderung für deinen Glauben ansehen. Denn das sind echte Experten, während du nur ein Laie bist mit einer eher dilettantischen Herangehensweise an die Bibel.“

S: „Die Bibel selbst bezeugt, dass sie gar nicht für die Klugen der Welt geschrieben wurde, sondern gerade für einfache Leute, denen Gott aber einen großen Glauben geschenkt hat: ‚Das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit Er die Weisen zuschanden mache‘(1.Kor.1:27), denn Gott will nicht, dass sich irgendwer vor Ihm rühmen könne. Deshalb betete Jesus damals zu Seinem Vater: ‚Ich danke Dir, Gott, HErr des Himmels und der Erde, dass Du dies vor klugen und intelligenten Menschen verborgen hast und hast es stattdessen einfältigen Kindern geoffenbart! Ja, Vater, denn genauso war es wohlgefällig für Dich!‘ (Matth. 11:25-26). Die Bibel ist so geschrieben, dass sogar ein kleines Kind sie verstehen kann, weil es aufrichtig und ehrlich ist. ‚Gott hat den Menschen aufrichtig geschaffen, sie aber suchen immer wieder viele Konstruktionen‘ (Pred. 7:29).“

A: „Das ist wirklich der Gipfel an Unverschämtheit und Volksverdummung! Da wird den Einfältigen und Ahnungslosen auch noch weisgemacht, dass ihre Einfalt und Ahnungslosigkeit Gott wohlgefällig ist! Dann braucht man sich ja wirklich nicht mehr wundern, dass sie nichts mehr dazu lernen.“

S: „Wenn dies wirklich eine perfide List von machthungrigen Religionsführern wäre, dann hättest Du sicher recht. Aber gesetzt den Fall, dass Gott in Seiner Weisheit tatsächlich beschlossen hat, die dünkelhafte, jedoch begrenzte Erkenntnis des Menschen beschämen zu wollen, wäre es dann nicht allzu folgerichtig, dass Er sich gerade solche Menschen erwählt, die eher unbelesen und unverbildet sind, die also noch ein ganz natürliches Empfinden haben, um das Wort Gottes so anzunehmen im kindlichen Glauben wie es geschrieben steht?“

A: „Unverbildet!?! – wenn ich das schon höre! Als ob Bildung schädlich sein könnte! Dabei ist es doch gerade das Lesen von möglichst vielen Büchern, dass einem Menschen hilft, seinen engen Horizont zu erweitern. Wie soll denn ein Mensch, der in einer Sekte gefangen ist, je herausfinden, dass er im Irrtum ist, wenn er nie die Literatur liest, die sich kritisch mit dieser Sekte auseinandersetzt, sondern stattdessen – wenn überhaupt – nur die eigenen Schriften der Sekte liest, die ihn immer weiter einlullen?!“

S: „Liest denn etwa ein Atheist in der Bibel, um sich kritisch mit den Aussagen der Bibel auseinanderzusetzen? In Wirklichkeit lesen Atheisten doch auch am liebsten nur die Bücher ihrer
atheistischen Buchverlage. Denn es geht auch ihnen immer nur um Selbstbestätigung, aber nie um Selbstkritik. Die Verlage wollen einem die angestammte Sichtweise selbstverständlich nicht ausreden oder anzweifeln, sonst würden die Bücher ja nicht gekauft werden. Es geht immer nur darum, seinen Köcher mit neuen Argumenten zu füllen, um sie gegen die Gegner einzusetzen.“

A: „Ein Atheist ist aber frei; er kann lesen was er will. Ein Christ hingegen darf keine bibelkritische Literatur lesen, sondern ist gezwungen, nur die Bibel oder biblische Literatur zu lesen.“

S: „Falsch. Ein Christ wird genauso wenig zum Bibellesen gezwungen, wie ein Sportler dazu gezwungen wird, zu trainieren. Aber in beiden Disziplinen (=Jüngerschaften) gibt es einfach ein starkes Bedürfnis, durch regelmäßiges Trainieren zu wachsen.“

A: „Wenn ich aber in der Erkenntnis wachsen will, dann genügt es nicht, wenn ich nur ein einziges Buch wieder und wieder lese. Im Gegenteil: dies führt nur zu Verblödung und innerer Verbohrtheit. Bildung entsteht aber gerade im Diskurs, in der Kontroverse. Erst im Prüfen und Abwägen unterschiedlichster Argumente kann ein Mensch sich überhaupt erst eine eigene Meinung bilden. Erst durch den Widerspruch ist überhaupt erst Wissenschaft und Forschung entstanden. Ebenso in der Politik wurden Fehlentwicklungen erst durch das Zulassen und Hören von Kritik durch die Opposition aufgedeckt und beseitigt. Ohne Kritik gibt es keine Veränderung und damit auch kein Wachstum.“

S: „Grundsätzlich stimme ich Dir zu, sofern es zwischenmenschliche Beziehungen betrifft. Auch ich als Mensch kann mich nicht geistig entwickeln, wenn ich nicht mit meiner Umwelt interagiere und deren Kritik an mir ernst nehme. Die höchste Form der Kritik ist die Selbstkritik. Sie ist ein Zeugnis von innerer Reife und sollte daher auch immer eine Vorrangstellung haben vor der Kritik an anderen. Ironischerweise wird niemand freiwillig zugeben, dass er nicht selbstkritisch sei, obwohl er gerade dadurch beweist, dass er es NICHT ist.“

A: „Wenn du kritisches Hinterfragen befürwortest, warum klammerst du es dann in Bezug auf die Bibel aus?“

S: „Um diese Frage beantworten zu können, muss ich etwas ausholen und würde gerne mal ein Bild aus der Natur verwenden: Ursprünglich hat der Begriff ‚Kritik‘ seinen Ursprung im griechischen Wort für ‚Schneiden‘. Kritik ist sozusagen wie eine Schere, mit der man einen Baum beschneiden kann, damit er schöner aussieht und besser wächst. Kritik kann aber auch sehr zerstörerisch wirken, gleichsam einer empfindlichen Pflanze, die sich nach einem allzu drastischem Beschnitt nicht mehr erholt, sondern eingeht.

Kritik kann aber auch sinnlos sein, so wie wenn ich versuchen würde, mit einer Heckenschere einen viel zu dicken Ast abzuschneiden. Solche ‚Äste‘ sind wie Ansichten, die über Jahre gewachsen sind und sich durch stürmische Zeiten hinweg bewährt haben, und von denen sich niemand so ohne weiteres trennen möchte. Dazu bedarf es vielmehr des geduldigen und beharrlichen Einwirkens einer Säge, die durch das fortlaufende Hin und Her der scharfen Argumente sich immer tiefer gräbt in die Thematik bis zu dem Punkt, wo der Ast seine Stabilität verliert, d.h. ein für stabil geglaubter Standpunkt seine Haltbarkeit verliert.

Nun kann ja jeder in seinem Garten machen, was er will, ohne dass andere ein Recht hätten, sich einzumischen. Selbst wenn also jemand seinen Garten verwildern lässt, so dass er keinen schönen Anblick mehr bietet, ist das Privatsache. Wenn ich jedoch nur ein angestellter Gärtner bin und die Aufgabe habe, den Garten meines Chefs instandzuhalten, dann kann ich mit dem Garten nicht mehr machen, was ich will, denn sonst wird der Chef mich eines Tages ‚abschneiden‘, sprich: kündigen.
Die Bibel sagt, dass die Welt wie ein Garten ist, den Gott z.T. bepflanzt hat und über den Er Verwalter gesetzt hat. Eines Tages wird Gott Rechenschaft fordern von den Verwaltern. Und dort, wo sie Unkraut wachsen ließen, wird es ausgerissen, und wilde Bäume werden gefällt und verbrannt werden.

Und genauso sehe ich auch die Welt mit ihren unterschiedlichsten ‚Auswüchsen‘: Die Menschen können heute machen, was sie wollen – selbst die Bibel können sie kritisieren. Aber egal ob sie die Bibel verbrennen oder durch falsche Auslegungen unwirksam machen wollen – Das Wort Gottes bleibt dennoch in Ewigkeit bestehen und wird jene Menschen, die sich daran vergriffen haben, arg bestrafen. Ich selbst war auch mal so vermessen, die Heilige Schrift in Frage zu stellen, aber durch Gottes Gnade hat der Heilige Geist mir die Augen geöffnet, dass ich Gottes Wahrheit darin erkennen durfte.“

A: „Simon, ich glaube, dass du in einem System gefangen bist, dass in sich seine eigene Logik hat und deshalb von außen auch kaum angreifbar ist. Egal mit welchem Argument man dir kommen wird – du findest immer auch eine passende Stelle, wo du dieses zuordnen und dadurch entschärfen kannst, weil all diese Argumente in deinem System berücksichtigt werden.

Ich werde dir jetzt auch mal einen Vergleich anbieten, und zwar eine chinesische Fabel, die ich vor langer Zeit mal aufgeschnappt habe:

Es war einmal ein Künstler, der ein Bild gemalt hatte und lud danach all seine Freunde und Verwandten ein, um sich dieses Bild anzuschauen. Sie kamen alle und betrachten das Bild, während der Hausherr im Hintergrund blieb. Auf dem Bild war ein Tal mit Bergen herum zu sehen, und mitten im Bild befanden sich ein kleines Haus und ein Weg, der zum Haus führt. Die Besucher bewunderten das schöne Bild und fingen an, Fragen zu stellen. Als keine Antwort kam, drehten sie sich um und stellten fest, dass der Künstler verschwunden ist. Sie suchten ihn überall und schließlich fanden sie ihn: Sie fanden ihn in dem Bild ! Er stand auf dem Weg und ging auf das Haus zu. Dann wandte er sich ihnen zu, winkte ihnen noch einmal und ging dann in das Haus hinein. Seither wurde er nie wieder gesehen...

Der Mensch schafft sich also seine eigene Welt. Aber er ist sich unsicher, ob diese auch vor den kritischen Blicken seiner Umwelt bestehen kann. Wenn die anderen aber zufrieden sind, dann versenkt sich der Mensch in diese Welt, in der er leben will, und kommt nie wieder aus ihr heraus. Er schließt quasi seinen Frieden mit sich und seiner Umwelt, und er braucht seine alten Freunde dann nicht mehr.“

S: „Die Geschichte ist recht interessant, aber wenn Du sie auf mich beziehen willst, dann hinkt der Vergleich mindestens an drei wesentlichen Punkten: 1.) ich habe mir meinen Glauben nicht selbst entworfen, sondern ihn vorgefunden und angenommen. Und 2.) mache ich die Annahme dieses Glaubens nicht von der Zustimmung oder Ablehnung anderer Menschen abhängig. Und 3.) ziehe ich mich eben gerade nicht danach in mein Schneckenhäuschen zurück und kapsle mich von anderen ab, sondern im Gegenteil versuche ich, sie ebenfalls für meinen Glauben zu gewinnen.“

A: „Wenn du mich für deinen Glauben gewinnen willst, dann musst du dir schon die Mühe machen, auf bibelkritische Argumente einzugehen und sie nicht einfach mit dem Hinweis abzuwehren, dass Gott die Gebildeten der Welt ohnehin nicht erwählt hat und man deshalb auch gar nicht auf ihre Vorwürfe eingehen muss.“

S: „Das habe ich gar nicht behauptet. Dann nenne mir doch mal eines Deiner bibelkritischen Argumente.“

A: „Zum Beispiel das Problem mit der Überlieferung. Die Bibel berichtet ja von Ereignissen, die angeblich schon vor zwei- oder dreitausend passiert sein sollen. Damals gab es aber noch gar keine Bücher, denn das Schreiben wurde ja erst ca. 1000 v.u.Z. erfunden. Wie aber erklärst du dir dann, dass angeblich so komplexe Geschichten wie die aus dem 1.Buch Mose allein durch Erinnerung überliefert worden sein sollen? Man nimmt heute an, dass die Bücher des Pentateuchs erst im 8 Jh.v.u.Z. durch den jüdischen König Josia geschrieben wurden, der sie lt. Bibel angeblich erst beim Aufräumen im Tempel gefunden haben will.“

S: „Das ist Unfug. Das Lesen und Schreiben wurde schon 3000 Jahre v.Chr. in Mesopotamien erfunden, nämlich die Keilschrift, auch wenn sie nur wenige beherrschten. Moses wurde in Ägypten unterrichtet in aller damals vorherrschenden ‚Weisheit‘, also auch in der ägyptischen Sprache, den Hieroglyphen. Aber auch unter den Israeliten muss es viele andere gegeben haben, die lesen und schreiben konnten, weil sie sogar im Gesetz aufgefordert werden, Verträge und Dokumente schriftlich festzuhalten. Und die ganzen Psalmen, die David schrieb, soll sich angeblich irgendein unbekannter Schreiber erst im 8. Jh. alle ausgedacht haben? Das ist atheistisches Wunschdenken.“

A: „Nein! Es gibt noch andere Ungereimtheiten, die das 1.Buch Mose Lügen strafen: Angeblich ritten Abraham und seine Leute auf Kamelen. Diese wurden aber erst nach 1000 v.u.Z. domestiziert. Und dann heißt es, dass die Juden in 1.Mo.42 ihr Getreide mit Geld bezahlten. Die ersten Münzen wurden aber erst im 7.Jh. in Kleinasien erfunden.“

S.: „Deine Zahlen stimmen schon wieder nicht. Schon im 4. oder 3. Jahrtausend v.Chr. entstand das Hauskamel in Mittelasien und wurde danach als begehrtes Trag- und Reittier über weite Teile Asiens verbreitet. Und von Münzen steht auch nichts in der Bibel, sondern es heißt wörtlich ‚Silber‘, das als Tauschmittel zu festen Gewichtseinheiten in Ägypten Verwendung fand. Deine Zahlen hast Du aus jenem SPIEGEL-Artikel von 2002 über die Archäologen Finkelstein und Silbermann übernommen, hast sie aber nicht überprüft.“

A: „Weil ich auch keinen Anlass zum Zweifel hatte, denn die beiden sind seriöse Wissenschaftler, die einfach nur ihren Job gemacht haben. Aber ich werde deine Angaben jetzt noch einmal mit Google überprüfen.“

S: „Kein Mensch ist frei von eigenen Interessen und Voreingenommenheit, auch nicht sog. ‚seriöse Wissenschaftler‘, - was nicht selten zu fehlerhaften Forschungsergebnissen führt. Ein Beispiel: Wenn jemand unvoreingenommen diese Berichte in 1.Mose liest, würde er gar nicht auf die Idee kommen, dass diese Angaben falsch sein müssen. Solche Angaben fallen nicht einfach so ins Auge, sondern man entdeckt sie erst dann, wenn man zuvor gezielt nach ihnen gesucht hat. Diese Suche wiederum wird gewöhnlich erst durch eine vorgegebene Hypothese oder Theorie geleitet, z.B.: ‚Die Geschichten aus 1.Mose dürfen nicht stimmen, deshalb muss es irgendwo Hinweise geben, dass diese Geschichten erst über 1000 Jahre später aufgeschrieben wurden und daher mit größerer Wahrscheinlichkeit der Phantasie entspringen. Bestimmte Angaben werden der eigenen Hypothese entsprechend beachtet, während andere gar nicht erst ins Blickfeld gelangen. Dadurch steht der Wissenschaftler in Gefahr, der eigenen Theorie hinderliche Angaben auszuschließen oder zu übersehen.“

A: „Das mag ja sein, aber das gilt doch in erster Linie für bibelgläubige Wissenschaftler, die ihre Forschung nur zum Zwecke der Bestätigung biblischer Angaben betreiben und daher alles andere als objektiv und neutral sind. In ihrem Buch ‚Keine Posaunen vor Jericho‘ haben Finkelstein und Silbermann eindeutig nachgewiesen, dass es niemals einen Auszug Israels aus Ägypten gegeben haben kann, denn zur fraglichen Zeit um 1250 v.u.Z. regierte Pharao Ramses II als einer der bedeutendsten Herrscher des Alten Ägypten, der niemals zugelassen hätte, dass ihn ein kleines Nomadenvolk wie Israel einfach den Rücken kehrt. Das ist auch historisch in keiner einzigen Chronik erwähnt, und damit unbewiesen.“

S: „Ob es nun Ramses II war oder ein anderer Pharao, ist irrelevant; aber nach der biblischen Chronologie fand der Exodus möglicherweise um 1.450 v.Chr. statt, also schon 200 Jahre vorher. Andere Bibelkenner wie Roger Liebi datieren ihn sogar noch früher, nämlich im Jahr 1.606 v.Chr. also während des Mittleren Reiches in Ägypten. Zur damaligen Zeit, also ab Ende der 12. Dynastie, entstanden im Ostdelta und im gesamten Gebiet ‚Goschen‘, Siedlungen westsemitischer Halbnomaden, deren Stammesoberhäupter nicht nur sehr wohlhabend waren, sondern auch mehrfach zu höheren Positionen am ägyptischen Hof gelangten. Diese „asiatische“ Bevölkerung dehnte sich während der 13. Dynastie weiter aus, wurde aber - wie aus verschiedenen Quellen dieser Zeit hervorgeht - z. T. unterjocht. So berichtet ein Papyrus aus der Regierungszeit Königs Sobekhotep III. (1740 v. Chr.) von einer nicht geringen Anzahl von Sklaven in einem thebanischen Haushalt, mit sehr hebräisch klingenden Namen wie Menahem, Issachar, Asser und Schipra. Es wird vermutet, dass diese Gruppe von Westsemiten um 1650 v. Chr., am Ende der 13. Dynastie – als das Land von Epidemien und Anarchie heimgesucht wurde – Ägypten verlassen hat.“

A: „Schon klar! Und dann sind sie zu Fuß durch das Rote Meer marschiert und haben dann in glorreichen Schlachten die Festungen der Völker Kanaans erobert. Merkwürdigerweise haben die Archäologen bei ihren Ausgrabungen bis heute kaum Spuren von einem israelischen Königreich im Heiligen Land gefunden, so wie es in der Bibel über David und Salomo heißt. Die Historiker gehen heute von einer nachträglichen Beschönigung aus.“

S: „Es ist immer die Frage, wen man fragt. Vor kurzem hat ein Team um den Archäologen Jossef Garfinkel eine riesige Befestigungsanlage vor den Toren Jerusalems ausgegraben, in Khirbet Qeiyafa, und die darin gefundenen Tonscherben in althebräischer Schrift für die Zeit um 1000 v.Chr. datiert. Die Archäologen sind sich sicher, dass es sich um den Königspalast Davids handeln muss. Die Theorien von Finkelstein oder de Wette, dass es sich beim Alten Testament um eine Dokumenten-fälschung der Zions-Priester handelt, sind längst veraltet und mit den neuesten Funden nicht mehr haltbar.“

A: „Das höre ich zum ersten Mal. Die gängige Theorie geht davon aus, dass die Königreiche von David und Salomo frei erfunden sind, weil man weder in der zeitgenössischen Literatur jener Zeit noch bei Ausgrabungen Hinweise gefunden habe für ein israelisches Großreich, dem angeblich die arabischen Länder Tribut zollten. Man hat weder all das Gold gefunden, dass Salomo angehäuft haben soll, noch die ganzen Behausungen für seine angeblich 1000 Frauen. Bei dem, was man bis heute gefunden hat, muss man eher ein bedeutungsloses Duodezfürstentum annehmen.“

S: „Die Bibel berichtet, dass das Königreich Juda durch die Babylonische Eroberung dem Erdboden gleichgemacht wurde und alle Schätze geplündert wurden und als Beute nach Babylon gingen. Dennoch hat man bei Ausgrabungen in Megiddo und Hazor prunkvolle Bauten aus der Spätbronzezeit entdeckt mit Schätzen aus Elfenbein und Edelsteinen. In mesopotamischen Archiven wurden 10 Könige Israels direkt und chronologisch korrekt erwähnt. Und in anderen Quellen fand man 10 weitere Namen. Die altbekannten Thesen von Finkelstein, die alle paar Jahre wieder als sog. ‚Sensationsmeldung‘ aufgewärmt werden, wurden inzwischen alle längst widerlegt, z.B. durch den kanadischen Professor für Judaistik William G. Dever in seinem Buch ‚Was Archäologie uns über die Realität des antiken Israels sagen kann‘, das man im Internet kostenlos runterladen kann.“

A: „Über die Bewertung archäologischer Hinweise mögen sich die Gelehrten streiten. Aber es ist heute unbestritten, dass die Bibel erst Jahrhunderte später geschrieben wurde, und wie sollten sich die Schreiber noch an so viele Einzelheiten erinnern können!?“

S: „Die Israeliten wurden im Gesetz Mose von Gott dazu aufgefordert, jedes Ereignis ihren Kindern und Kindeskindern mitzuteilen, damit sie es nie vergessen würden. Ich wüsste nicht, warum ich also an dieser Methode der Überlieferung zweifeln sollte.“

A: „Und der sog. ‚Schöpfungsbericht‘- bzw. DIE Schöpfungsberichte, denn eigentlich sind es ja zwei – wer, bitte schön, sollte da als Zeuge daneben gestanden haben, um alles zu beobachten?“

S: „Der Schöpfungsbericht ist eine rückwärtsgerichtete Prophezeiung. Gott ließ den Schreiber in einer Vision erkennen, wie Er die Welt geschaffen hat, um es entsprechend aufzuschreiben.“

A: „Das heißt Adam und Eva soll es wirklich gegeben haben?“

S: „Warum nicht?“

A: „Weil es doch eindeutig eine Metapher ist! Die verbotene Frucht ist doch ein Symbol für die Sexualität. Adam und Eva hatten Sex miteinander, deswegen schämten sie sich danach.“

S: „Die Geschichte ist sicherlich AUCH eine Metapher, aber bestimmt nicht für Sexualität, denn diese hatte Gott ja selbst geschaffen und ihnen sogar geboten, als Er sprach: ‚Seid fruchtbar und mehret euch‘.“

A: „Aber es ist doch gar nicht erforderlich, an eine 6-Tage-Schöpfung zu glauben, zumal die Wissenschaft doch schon längst bewiesen hat, dass die Welt durch eine Evolution entstanden ist! Warum willst Du unbedingt krampfhaft an der wortwörtlichen Bedeutung der Bibel festhalten, wenn es für den Glauben doch völlig ausreichend ist, anzunehmen, dass die Bibel von Menschen geschrieben wurde, die sich einfach nur Gedanken über Gott gemacht haben?“

S: „Was in der Vergangenheit geschah, kann man grundsätzlich nicht wissen, sondern nur glauben. Wenn die Evolutionstheorie heute als ‚bewiesen‘ betrachtet wird, ist sie im Grunde auch schon zu einem Religionsersatz verkommen, denn ein seriöser Wissenschaftler würde das nie behaupten. Der österreichische Philosoph Karl Popper sagte mal: ‚Sollte auch einer einst die vollendete Wahrheit finden, so wüsste er es doch nicht. Es ist alles durchsetzt von Vermutung.‘ Früher habe ich auch immer geglaubt, dass Gott die Welt durch Evolution geschaffen hätte, aber solche Zugeständnisse an die moderne Wissenschaft halte ich heute für überflüssig, nachdem ich mir all der Erkenntnislücken in der Evolutionslehre bewusst geworden bin.“

A: „Die Lücken schließen sich aber nach und nach mit jedem neuen Fossil, das gefunden wird. Und wenn man nicht wie du krampfhaft an einer wörtlichen Bedeutung des biblischen Schöpfungsberichts festhalten will, kann man ihn durchaus als eine – für die damalige Zeit - geniale Beschreibung zur Erdentstehung betrachten. Man muss berücksichtigen, dass der Schreiber seine Vorstellung über den Ursprung der Welt mit den damals begrenzten, primitiven Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, beschrieben hat. Andere Völker haben weitaus absurdere Theorien über die Erdentstehung erfunden. Verglichen mit diesen, ist die Bibel noch am nächsten an der bis heute erkannten Wahrheit.“

S: „Ich halte nicht ‚krampfhaft‘ an einer wortwörtlichen Bedeutung fest, sondern ich sage lediglich, dass ich Gott auch eine Erschaffung an buchstäblich sechs Tagen zutrauen würde und dies nicht im Widerspruch zur Naturwissenschaft sehe, da wir das Vergangene grundsätzlich nicht beweisen können.“

A: „Hältst du es also für möglich, dass Gott die versteinerten Dinosaurierknochen absichtlich in den jeweiligen Erdschichten platziert hat, um später die ungläubigen Wissenschaftler hinters Licht zu führen?“

S: „Werde nicht albern.“

A: „Ach nein, albern ist doch vielmehr dieser lächerliche Glaube an eine 6-Tage-Schöpfung, die erst vor 6000 Jahren stattgefunden haben soll! Wann sollen denn deiner Meinung nach die Dinosaurier gelebt haben?! Und wie erklärst du dir, dass die Knochen schon längst versteinert und schon viele Millionen Jahre alt sind?“

S: „Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich habe mal gehört, dass Versteinerungen schon innerhalb von wenigen Jahren geschehen können. Damit ein Lebewesen zum Fossil werden kann, muss es innerhalb kürzester Zeit unter Luftabschluss kommen, da es andernfalls verfault. Nach Vulkanausbrüchen werden häufig ganze Wälder mit zahlreichen Tieren in einem Augenblick durch einen pyroklastischen Strom luftdicht begraben. Durch den Kontakt mit dem mineralischen Sediment nimmt der Kadaver im Laufe der Jahre kristalline Struktur an wie das Umgebungsmaterial und wird zum Fossil.“

A: „Ja, aber das geschieht nicht innerhalb von Jahren, sondern von Jahrmillionen! Man kann an Hand der vielen Erdschichten wunderbar erkennen, wie sich durch Erosionen und Ablagerungen über zig Millionen Jahre die Erdschichten gebildet haben. Und durch Hebungen und Senkungen in der Erdkruste sind allmählich die Gebirge entstanden. Das kannst du in jedem Schulbuch nachlesen.“

S: „Das hat man von dem Grand Canyon auch immer behauptet. Aber nach dem Ausbruch des St. Helens im Jahre 1980 sind genau die gleichen Formationen innerhalb von drei Tagen 20 Meter hoch entstanden, inkl. Versteinerten Wäldern etc.“

A: „Willst Du jetzt behaupten, dass die Gebirge alle durch Vulkanausbrüche entstanden sind?“

S: „Nein. Aber ich glaube, dass es vor viertausend Jahren eine gewaltige Katastrophe auf der Erde gegeben hat, die gewaltige Umwälzungen auf der Erde verursachte. Die Bibel sagt, dass Gott bei der Sintflut ‚alle Quellen der großen Tiefe‘ aufbrechen ließ (1.Mo.7:11). Um die ganze Erde mit Wasser zu bedecken, könnten gewaltige, tektonische Risse und Erdrutsche einen Megatsunami ausgelöst haben. Das würde z.B. erklären, warum man in den Anden auf 4000 Meter Höhe Korallenriffe entdeckt hat oder versteinerte Wal-Kadaver in der Atacama-Wüste. Der Grand Canyon ist wahrscheinlich durch eine Superflut entstanden, als mehrere Seen auf einmal durch eine tektonische Hebung verlandeten und ihr Wasser durch den Canyon ableiteten.“

A: „Das ist reine Spekulation, die allen geowissenschaftlichen Studien widerspricht und nur dem Zwecke dient, den Mythos einer globalen Sintflut mit den erdgeschichtlichen Befunden in Einklang zu bringen! Außerdem: Wenn Noah von allen Tieren in seine Arche nehmen sollte, dann hätte er doch auch die Dinosaurier mitnehmen müssen, z.B. auch den Tyrannosaurus rex oder den Argentinosaurus, der über 30 Meter lang war und über 60 Tonnen wog.“

S: „Die Bibel berichtet davon, dass Gott auch ‚Ungeheuer‘ geschaffen hat (1.Mo.1:21), die sich wegen ihrer kolossalen Größe wahrscheinlich eher im Meer oder in Sümpfen aufgehalten haben, denn sonst wäre ihr Kreislauf unter der enormen Belastung wohl kollabiert. Die meisten von ihnen sind vielleicht schon vor der Sintflut ausgestorben oder konnten als Meerestiere überleben. Scheinbar haben aber auch nach der Sintflut noch Saurier auf der Erde gelebt, denn die Bibel beschreibt im Buche Hiob zwei gigantische Tiere, die es heute nicht mehr gibt, nämlich den Behemoth (wahrscheinlich ein Iguanodon) und den Leviathan (vielleicht ein Parasaurolophus).”

A: „Das ist doch völliger Schwachsinn! Die Dinosaurier sind vor 65 Millionen Jahren ausgestorben!“

S: „Dann erkläre mir mal, wie es sein kann, dass man in einem Flussbett in Texas und auch an vielen anderen Orten Fußspuren von Menschen neben Spuren von Sauropoden gefunden hat, was doch eigentlich gar nicht sein dürfte. Und dann fand man vor kurzem bei einem Tyrannosaurus Rex elastisches Gewebe mit zellulären Strukturen, die doch eigentlich längst versteinert sein müssten. Und überhaupt stellt sich die Frage, woher die Menschen der Bibel ein Wesen kannten, dass man als ‚Drachen‘ bezeichnet hat und dass auf sämtlichen Abbildungen genauso aussieht wie ein Dinosaurier!“

A: „Wahrscheinlich weil sie schon damals versteinerte Skelette gefunden haben, - oder was weiß ich! Außerdem: Wenn die Bibel von Drachen spricht, dann ist das nur ein Plagiat, denn schon die Sumerer schrieben vom Sternbild des Drachen. Auch die Sintflut oder die Hölle sind Ideen, die von den Babyloniern aus dem Gilgamesch-Epos abgeschrieben wurden.“

S: „Wer hier von wem abgeschrieben hat, lässt sich heute nicht mehr überprüfen. Und selbst wenn es Ähnlichkeiten gab aus alten Erzählungen anderer Völker, so ist das für mich kein Beweis einer Fälschung oder eines Plagiats, sondern im Gegenteil ein Beweis für die Zuverlässigkeit der biblischen Überlieferung, dass nämlich auch andere Völker das Gleiche bestätigt haben.
Ich kann mir sogar vorstellen, dass es auch durchaus eine Offenbarung Gottes in anderen Völkern und Kulturen gab, sonst hätten ja auch die drei Magier nichts von dem Messias wissen können.“

A: „Wobei wir jetzt wieder beim Ausgangsthema zurückgekehrt wären, nämlich der Überlieferung. Da würde mich jetzt aber mal EINES wirklich interessieren: Wenn man mal absieht von all diesen phantastischen Berichten über ein Meer, das sich in der Mitte teilte, einer brotähnlichen Speise, die wie Tau auf die Erde fiel oder einer Sonne, die sich einen Tag lang angeblich nicht vom Fleck rührte – warum glaubst Du eigentlich, dass die Bibel überhaupt Gottes Wort sei, zumal sie doch voll ist von Widersprüchen und Absurditäten?“

S: „Widersprüche lösen sich für denjenigen, der an das Wort Gottes glaubt, schnell in Luft auf, indem man eine plausible und nachvollziehbare Erklärung findet. Andersherum wird demjenigen, der partout nicht an die Bibel glauben will, selbst das plausibelste Argument nicht einleuchten, weil es ihn dazu zwingen würde, seinen liebgewonnenen Standpunkt aufzugeben.“

A: „Hier bin ich ausnahmsweise mal mit dir einer Meinung, wenn auch unter umgekehrtem Vorzeichen. Mir ist schon lange bewusst, dass ich dir deinen Glauben nicht nehmen kann, egal was ich sage. Wenn du mir hingegen auch nur einen einzigen wirklichen Beweis liefern würdest, warum ich an die Bibel glauben müsste, wäre ich durchaus offen.“

S: „Das wollen wir doch mal sehen! Wie wäre es z. B. mit Jesaja 53.“

A: „Wieso? Was steht denn da?“

S: „Dort beschreibt der Prophet, dass der kommende Messias ein Mensch sein würde, der von seinem Volk verachtet und geschlagen werden würde und am Ende von ihnen hingerichtet werden wird. All das hat sich bis ins Detail genauso erfüllt in JESUS CHRISTUS, obwohl dieser erst über 500 Jahre später gekommen ist. Wie erklärst Du Dir das? Und das ist auch nur eine von insgesamt etwa 360 Prophezeiungen der Bibel, die sich auf das erste Kommen des Sohnes Gottes auf Erden erfüllt haben!“

A: „Es könnte sich hierbei um eine sog. ‚sich selbst erfüllende Prophezeiung‘ handeln. Jesus glaubte daran, dass er der verheißene Messias sein würde und daher tat er automatisch alles, was über den Messias vorhergesagt wurde, damit er diese Rolle auch glaubwürdig erfüllen kann.“

S: „Du behauptest, Er hätte es absichtlich darauf angelegt, das man Ihn hinrichten solle, damit sich die Schrift erfüllen kann? Wer würde sich schon freiwillig als Unschuldiger quälen und anpfahlen lassen!? Der HErr Jesus bat den Vater sogar noch, dass - wenn es irgend möglich wäre - der Kelch doch an Ihm vorübergehen möge. Außerdem wird in Jesaja 53:12 sogar vorhergesagt, dass der reicher Jude Josef von Arimathia sich nach Seinem Tod dazu entschließen würde, den Leichnam in sein eigenes Grab zu legen: ‚Bei einem Reichen ist er gewesen in Seinem Tode‘. Wie hätte Jesus auf all dies Einfluss nehmen können?“

A: „Ob es alles wirklich so gewesen ist, daran wird sich doch nach 40 Jahren niemand mehr wirklich erinnern können, denn so lange hat es gedauert, bis das Markusevangelium als erstes darüber berichtete. Johannes hat sein Evangelium sogar erst 70 Jahre nach der Kreuzigung geschrieben. Wie erklärst du dir das, dass die Zeitzeugen Jesu es nicht für nötig hielten, ihre Berichte zeitnah zu verfassen? - falls diese überhaupt von ihnen selber stammen und nicht Fälschungen sind.“

S: „Die ersten Jünger rechneten noch zu ihren Lebzeiten mit der Wiederkunft des HErrn Jesus und sagten sich deshalb, dass es sich nicht mehr lohnen würde, überhaupt noch irgendetwas aufzuschreiben. Für wen denn auch, wo doch das Ende der Welt unmittelbar bevorstand?! Selbst der HErr Jesus wusste nicht, wann der Vater Ihn wieder zur Erde zurücksenden würde. Erst als nicht mehr mit einem unmittelbar bevorstehenden Wiederkommen zu rechnen war, schrieben die Jünger die Evangelien auf.“

A: „Das klingt plausibel. Aber genauso gut kann ich mir vorstellen, dass seine Jünger sich nicht mit dem frühen Tod ihres Meisters abfinden wollten und deshalb sich entschieden, eine Story zu erfinden, um ihre Anhänger bei Laune zu halten. Vielleicht ist sogar diese ganze Geschichte von Jesus auch nur ausgedacht und in Wirklichkeit hat es ihn vielleicht nie gegeben.“

S: „Das hätten die Atheisten wohl gerne. Denn dadurch bräuchten sie sich nicht mehr den Kopf zerbrechen, wie es möglich sein konnte, dass sich in JESUS CHRISTUS alle Verheißungen des Alten Testaments erfüllt haben. Deshalb wünschen sich einige dass es Ihn am besten nie gegeben hat, damit man ihnen nicht den Vorwurf machen kann, nicht an Ihn geglaubt zu haben.“

A: „Blödsinn. Im Gegensatz zu dir lasse ich mich jedenfalls nicht von Wunschdenken leiten, sondern prüfe Behauptungen, um sie als wahr oder falsch zu entlarven. Aber ist es nicht sehr merkwürdig, dass Jesus selbst nie etwas Schriftliches zurückgelassen hat? Alle Berühmtheiten der Geschichte haben etwas aufgeschrieben, an dem sie sich von der Nachwelt beurteilen lassen konnten. Und ausgerechnet der ‚Sohn Gottes‘ hat überhaupt keine Aufzeichnungen hinterlassen. Kommt dir das nicht verdächtig vor?“

S: „Jetzt machst Du es Dir aber wirklich zu leicht. Du weißt, dass auch Buddha oder Sokrates nie ein Buch geschrieben haben. Auch Karl der Große oder Dschingis Khan haben keine einzige persönliche Zeile hinterlassen. Wenn Du aber behauptest, Du würdest die Dinge prüfen, dann nimm Dir doch mal vor, die ganzen Prophezeiungen der Bibel zu überprüfen, ob sie sich schon erfüllt haben, und Du wirst merken, dass das kein Zufall mehr sein kann. Der Informatikprofessor Werner Gitt hat sich mal die Mühe gemacht, alle Prophezeiungen des Alten Testaments zu zählen, die sich schon erfüllt haben und kam dabei auf eine Zahl von 3268. Und es werden immer mehr, denn die Bibel berichtet auch über ganz aktuelle Ereignisse, die sich jetzt gerade erfüllen, z.B. über den IS-Staat als wiedererstandenes Assyrer-Reich."

A: „Immer lässt sich alles irgendwie mit irgendwas aus der Vergangenheit in Verbindung bringen, und alle zehn Jahre werden die Ereignisse neu gedeutet."

S: „Eine der beeindruckendsten Erfüllungen ist die Gründung des Staates Israel, mit der über Jahrhunderte niemand mehr gerechnet hat, die aber im Alten Testament immer wieder angekündigt wurde, z.B. in Hosea 3:4. Dort heißt es, dass die Nachkommen Israels eine sehr lange Zeit ohne Königtum und Schlachtopfer bleiben werden, bis sie am Ende der Tage wieder zu Gott umkehren."

A: "Diese sog. ‚Prophezeiung‘ bezieht sich doch auf die babylonische Gefangenschaft."

S: "Nein, Israel ging ja nicht nach Babylon, sondern nach Assyrien in Gefangenschaft. Allerdings wurde auch die Eroberung und Gefangenschaft des jüdischen Königreichs durch Babylon immer wieder angekündigt durch die Propheten Jesaja und Jeremia, was wiederum ein Beweis für die Zuverlässigkeit der Bibel ist."

A: "Die moderne Theologie geht heute davon aus, dass diese Prophezeiungen erst nach dem Exil aufgeschrieben und den älteren Propheten erst nachträglich angedichtet wurden, um sich eine historische Identität und Rechtfertigung zuzulegen. Es gibt hierfür auch einen theologischen Begriff, nämlich ein 'Vaticinium ex eventu'."

S: "Das kann man natürlich immer behaupten, wenn man der Bibel nicht glauben möchte. Aber es gibt Prophezeiungen, die nachweislich schon Jahrhunderte vor ihrer Erfüllung aufgeschrieben wurden."

A: "Nenne mir eine!"

S: "Z.B. in Daniel 9:26. Dort heißt es, dass der Messias 69 Jahrwochen (= 483 Jahre) nach Ankündigung des Tempelwiederaufbaus hingerichtet werden wird. Außerdem würde der ‚Fürst des kommenden Weltreichs‘ die Stadt Jerusalem anschließend zerstören. Kein ernstzunehmender Theologe hat je behauptet, dass das Buch Daniel erst Jahrzehnte n. Chr. geschrieben wurde. Dennoch berichtet dieser Vers von zwei Ereignissen, die sich erst in der Zeit nach Christi Geburt erfüllt haben."

A: "Ich gebe zu, dass diese Feststellung sehr erstaunlich ist. Ich werde noch mal einen Fakten-Check machen, um diese Behauptung zu überprüfen.
Möglicherweise hat Daniel hier nur eine Prognose abgegeben über eine relativ wahrscheinliche Geschichtsentwicklung.
Und hast du sonst noch eine erfüllte Prophetie auf Lager?"

S: "Ja klar! Jesus Christus sagt, dass das Evangelium eines Tages auf der ganzen Erde verkündigt werden wird. Wenn dies nur eine Prognose gewesen wäre, wie  wahrscheinlich wäre es wohl, dass sich die Botschaft eines damals kaum bekannten Wunderheilers irgendwann tatsächlich auf der ganzen Welt verbreiten würde?!"

A: "Auch hier kann es sich um eine Ironie des Schicksals handeln oder um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Soweit ich informiert bin, gibt es allerdings auch Prophezeiungen, die sich nicht erfüllt haben, z.B. die vorhergesagte, angeblich endgültige Zerstörung der Stadt Tyrus, die ja bis auf den heutigen Tag existiert."

 S: "Die Weltgeschichte ist aber auch noch nicht zu Ende. Ich gehe davon aus, dass sich diese Vorhersage des Propheten Hesekiel noch erfüllen wird."

A: "Cleverer Schachzug! Aber die Bibel kündigt eine Zerstörung von Tyrus durch Nebukadnezar an. Dieser ist aber schon vor 2500 Jahren gestorben."

S: "Nebukadnezar hat die Stadt ja auch tatsächlich belagert und einen Wall gegen sie aufgeschüttet, so wie es in Hes.26:7-8 steht. Richtig erobert hat sie schließlich allerdings erst Alexander der Große, dem es gelang, auch auf die Insel zu gelangen. Aber die endgültige Vernichtung von Tyrus steht offensichtlich noch aus. Übrigens fällt mir auf, dass Du in deiner Argumentationsweise gerade die Richtung gewechselt hast und Dir dadurch selber widersprichst: entweder Du gehst von einer nachträglichen Fälschung der Prophetie aus oder Du argumentierst mit einer Nichterfüllung der Prophetie. Beides jedoch geht nicht, denn sonst bist Du willkürlich und unaufrichtig."

A: "Mal halblang! Ich sehe da überhaupt keinen Widerspruch: Es könnte doch sein, dass die Schreiber sogar beim Fälschen noch gepfuscht haben, indem sie die geschichtlichen Details zwar theoretisch hätten wissen können, weil sie schon geschehen waren, aber dennoch oberflächlich waren, indem sie nicht richtig recherchiert haben, sondern sich auf schlechtes Hörensagen verließen.“

 S: „Also, bei so viel Skepsis und Argwohn frage ich mich, ob Du manchmal eigentlich auch mal an Deinen eigenen Zweifeln zweifelst. Wenn Du so misstrauisch bist in Bezug auf die Schreiber der Bibel, dann wundert es mich eigentlich, dass Du so bereitwillig und gutgläubig die bibelkritischen Theorien der modernen Theologie annimmst. Wie wäre es, wenn Du auch mal Deine eigenen Motive auf den Prüfstand stellst und Dich mal fragst, warum Du so voreingenommen bist gegen das Wort Gottes.“

A: „Ganz einfach: weil ich überall in der Bibel von Ereignissen lese, die aus meiner Sicht völlig unglaubwürdig sind. Deshalb ist sie für mich auch nicht das ‚Wort Gottes‘, sondern Menschenwort.“

S: „Ich glaube Dir nicht, wenn Du behauptest, in der Bibel zu lesen. In Wirklichkeit hast Du immer nur ÜBER die Bibel gelesen und sie dann als Nachschlagewerk benutzt, um Dich von DEM zu überzeugen, von dem Du ohnehin schon überzeugt bist bzw. überzeugt sein wolltest. Als ich das erste Mal in der Bibel gelesen habe, tat ich dies mit einem offenen Herzen und ich suchte nicht nach irgendwelchen Beweisen, die mich in meiner vorgefassten Meinung unterstützen sollten. Gott sah meine Aufrichtigkeit und schenkte mir den Glauben an Sein Wort.“

A: „Wozu musste er dir noch Glauben schenken, wenn du doch ohnehin schon bereit warst zu glauben?! Gilt diese Voreingenommenheit, von der du sprichst, nicht auch und gerade bei dir und anderen Christen?“

S: „Offen sein ist nicht dasselbe wie bereit sein. Stell Dir vor, Du findest eine große Muschel am Strand und hältst sie an Dein Ohr, weil Du schon mal gehört hast, dass andere behaupteten, sie würden das Rauschen des Meeres darin hören. Du könntest eine Doktorarbeit schreiben über Muscheln; aber Du würdest dennoch nie das Rauschen des Meeres hören, wenn Du sie nicht an Dein Ohr hältst. Und genauso ist es auch mit der Bibel: erst durch das Lesen mit offenem Herzen kann man erkennen, dass sie Gottes Wort ist.“

A: „Viele Menschen haben schon in der Bibel gelesen und sind dabei zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen.“

S: „Sicher. Der HErr Jesus beschreibt den Empfang der göttlichen Botschaft mit vier verschiedenen Herzensböden, von welcher nur einer wirklich offen und empfänglich war, so dass gute Frucht aus ihm entstehen konnte. Eigentlich braucht jeder Mensch die Worte Gottes, denn sie geben ihm eine unverzichtbare Orientierung in seinem Leben. Aber der Mensch lässt sich vom Teufel immer wieder bereitwillig ablenken und verführen, um nicht das Licht der Wahrheit zu erkennen. Stattdessen unterstellt man der Bibel, sie sei bloß eine plumpe Fälschung von ein paar machthungrigen Klerikern. Mir selbst fehlt hierfür einfach schlicht die Phantasie, mir vorstellen zu können, dass hier ein oder mehrere Romanschreiber sich einen so genialen Epos ausgedacht haben, der so klug durchdachte Erklärungen liefert auf so unterschiedliche Fragen der Menschheit. Denn so viel Fantasie und Genie traue ich ehrlich gesagt keinem Menschen zu. Und ich bin in dieser Einschätzung auch nicht der einzige.“

A: „Der Erfolg der Bibel ist in der Tat bemerkenswert und nicht zu leugnen.“

S: „Ja, - selbst wenn jemand (noch) nicht an Gott glaubt, muss er einräumen, dass die Worte der Bibel die Menschen über Jahrhunderte erbaut und getröstet haben. Man hat den gläubigen Gefangenen im sowjetischen Gulag die Bibeln weggenommen, aber sie haben sich über Jahrzehnte in der Dunkelheit gegenseitig auswendig gelernte Bibelpassagen zugesprochen und konnten dadurch die grausamen Haftbedingungen ertragen ohne irre zu werden. Welch ein anderes Buch hätte sowas vermocht! Hättest Du etwa die Weisheit besessen, ein ähnlich gutes Buch zu schreiben?“

A: „Ohne Frage: Religionen haben auch für mich ihre Berechtigung. Religionen sind Ausdrucksformen des menschlichen Bedürfnisses nach Transzendenz, d.h. des Wunsches, über sich hinaus zu wachsen, mehr zu sein als man ist. Aber in unserem innersten Wesen sind wir Menschen alle gleich. Weise ist man, wenn man sich selbst im anderen erkennt.

Die Juden z.B. wurden schon immer unterdrückt und gedemütigt. Deshalb haben auch sie dann, als es ihnen möglich wurde, andere Völker unterdrückt und gedemütigt. Aber nicht mehr als alle anderen Menschen auch. Gefühle von Rache und Ohnmacht können dann - wenn ihnen kein Ventil zur Entlastung bleibt - umgewandelt werden in religiöse Phantasien: dann wird es plötzlich ein göttliches Wesen sein, dass am Ende alle Ungerechtigkeit sühnt, indem es stellvertretend Rache an den Feinden übt. Dies gibt der eigenen Seele Auftrieb und Zuversicht, um weiter leben zu können. So einfach ist das. Deshalb ist die Bibel durchaus ein raffiniertes Buch so wie der Koran oder die Bhagavad Gita, und über alle Jahrhunderte hinweg bewährt. Sie ist ein Erbe der Menschheit - keine Frage!“

S: „Sie ist weit mehr als das. Nehmen wir mal z.B. irgendeinen Vers aus der Bibel, z.B. Römer 15:1, dort heißt es: ‚Wir nun, die Starken, sind schuldig, die Schwachheiten der Schwachen zu tragen, und nicht uns selbst zu gefallen.‘ Solche Sätze findest Du in keinem Buch der Welt! Die Bibel gibt dem Menschen nicht nur Halt, sondern auch klare Handlungsanweisungen, damit sie sich so zueinander verhalten sollen, wie sich Gott uns gegenüber verhält. Und keine andere Religion gibt den Schwachen einen Vorzug; bei dem Gott der Bibel hingegen ist dies Programm: Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten werden die Letzten sein. Das ist göttliche Weisheit.“

A: „Es gibt viele andere gute Bücher, die noch viel mehr ins Detail gehen. Gerade im Bereich der Ethik denken die Experten heute viel differenzierter als es im Altertum noch üblich war.“

S: „Des vielen Büchermachens ist kein Ende, aber kaum ein Buch hat die Welt so sehr verändert wie die Bibel, und auch das persönliche Leben. Ich war z.B. früher völlig anders als heute, aber Gott hat mich durch die Begegnung mit Seinem Wort gezügelt und gezähmt. So war ich z.B. in meiner Jugend an unzähligen Prügeleien beteiligt, die meistens dann vor Gericht endeten. Mit 16 wurde ich angeklagt wegen Diebstahl und Hehlerei. Ein Jahr zuvor hatte ich fünf Hunde erschlagen und auf meine Schwester geschossen. Und ich weiß nicht, was noch aus mir geworden wäre, wenn ich nicht Jesus Christus kennengelernt hätte.“

A: „Das ist doch ein altes Klischee: Nur durch die Gottesfurcht hält sich der Mensch angeblich vom Bösen fern. Und jetzt, wo sich die Menschen von Gott verabschiedet haben, fehlt ihnen das, was sie früher abhielt, ihren anarchischen Neigungen zu folgen. Der Dichter Fjodor Dostojewski hatte einstmals behauptet, ohne den Glauben an Gott gibt es keine Moral, denn der Mensch braucht einen Grund, sich rechtschaffen zu verhalten, und sei es auch nur den, dass er Gottes Bestrafung fürchtet. Wenn er
aber versucht, sich nur von Vernunftgründen leiten zu lassen, dann könne es passieren, dass er es für sinnvoll erachtet, ein in seinen Augen unwertes Leben zu vernichten, so wie es der Student Raskolnikow an der alten Pfandleiherin tat im Roman "Schuld und Sühne"(1866). Pure Vernuft darf niemals siegen – aber deshalb an einen Gott glauben zu müssen, wäre doch etwas erbärmlich.“

S: „Auch ungläubige Menschen sind selbstverständlich zu moralischem Handeln fähig. Aber bei einem Ungläubigen dreht sich dennoch alles mehr oder weniger nur um sich selbst. Selbst wenn er Gutes tut, hofft er insgeheim darauf, von Menschen Dank und Ehre zu erlangen. Ein Christ hingegen lernt, dass das eigentlich wertvolle Lob nicht von Mensch, sondern von Gott kommen soll und wird. Durch das Fehlen eines göttlichen Gegenübers erfährt ein Ungläubiger weder Orientierung noch Geborgenheit, sondern er lebt in einer elendigen SELBSTBEZOGENHEIT und EINSAMKEIT.
Ein Christ ist nie einsam und allein, weil er Gott immer an seiner Seite weiß und im Bewusstsein hat.“

A: „Wenn die Gläubigen sich wirklich immer so geborgen fühlen würden, dann frage ich mich, warum so viele von ihnen weinen im Gebet. Eigentlich müssten sie doch glaubensstark triumphieren und alle inneren Zweifel mit einem Schlag wegpusten, wo sie sich doch angeblich immer Gottes Beistand gewiss sein können. Die Praxis sieht aber immer wieder erschreckend anders aus. Der amerikanische Dichter Truman Capote hat es mal so formuliert: ‚Die meisten Tränen werden nicht über nicht-erhörte Gebete geweint, sondern über erhörte‘.“

S: „Gottes Kinder sind oftmals nicht immer ein solches Vorbild, wie sie es eigentlich sein sollten. Aber Du musst auch mal eins sehen: In der Gotteserfahrung geht es nicht unbedingt nur um emotionale Hilfe, sondern es geht um den Sinn des Leidens. Ein ungläubiger Mensch kann nur solange glücklich sein, solange er nicht leidet, denn für ihn ist das Leid sinnlos. Der gläubiger Mensch hingegen kann auch im Leid Glück empfinden, weil er darin einen Sinn sieht, nämlich ein Überwinder zu werden.“

A: „Das erinnert mich an ein Zitat aus einem anderen Buch von Aldous Huxley, aus „Schöne Neue Welt: ‚Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend. Ich will Sünde!‘" Ich kann das gut nachvollziehen, dass es viel spannender ist, wenn man ein Gegenüber im Leben hat, denn es macht ja auch kein Spaß, alleine ins Kino zu gehen. Aber Gott ist doch wie ein Tamagotschi, eine Imagination, - ja, eine Illusion. Für einen intellektuell geprägten Menschen wäre es eine Zumutung, wenn er sich auf die Phantasiewelt von Kleinkindern herab begeben müsste, um wie im Kasperletheater ständig den Teufel zu verdreschen. Auch diese ganze Gefühlsduselei, die mit dem fragwürdigen Begriff über den angeblichen ‚Sinn des Lebens‘ oder dem ‚Sinn des Leidens‘ auch noch philosophisch verbrämt wird! Ich brauche diesen ganzen Seelenfurz nicht!“

S: „Jetzt kommst Du aber gerade selber mit einem sehr typischen Klischee und Schwarz-Weiß-Denken: der Gläubige ist in der Regel nicht intellektuell geprägt, sondern suhlt sich larmoyant im eigenen Leid, während der Atheist immer einen kühlen Kopf behält und souverän seine Gefühle unter Kontrolle behält. Emotionalität kann natürlich nur auf den religiösen Menschen zutreffen, da der ‚intellektuell geprägte Mensch‘ zufällig auch über eine außerordentliche Nüchternheit verfügt die ihm zu keinem Zeitpunkt je verlässt. Ich nehme an, dass Du Dich natürlich auch zu solchen fehlerlosen Menschen zählst, oder diesen Eindruck zumindest suggerieren möchtest. Ich muss jedoch zugeben, dass Christen im Schnitt wahrscheinlich tatsächlich eher zur Weichlichkeit neigen als vergleichsweise Atheisten. Dafür haben sie aber möglicherweise auch mehr Mitgefühl und Sensibilität.“

A: „Du hast aber vorhin doch selbst gesagt, dass nur die Einfältigen und die Kinder das Reich Gottes betreten werden, also warum verteidigst du dich so sehr? Ich habe auch nicht behauptet, dass ein rationeller Mensch immer auch seine Gefühle unter Kontrolle hat. Und du wirst staunen: ich sehe auch durchaus positive Wirkungen des Glaubens auf die menschliche Seele, allerdings ähnlich wie es Psychopharmaka oder Drogen auf das Bewusstsein ausüben. Vielleicht gibt es ja sogar wirklich einen Gott, aber ich glaube nicht, dass wir dann wirklich etwas über ihn wissen können. Und darin sehe ich ja gerade die Vermessenheit der Bibel, dass sie ein Bild von Gott entwirft, von sehr menschlichen Charakterzügen. Wenn es einen Gott gibt, dann bleibt uns sein Wille ein Geheimnis. So wie der alte Goethe schon damals den Faust antworten lässt auf die ‚Gretchenfrage‘, ob er an Gott glaube: ‚Wer darf sagen: ich glaub an Gott? ... Wer darf ihn nennen und wer bekennen: Ich glaub' ihm?‘.“

S: „Keine falsche Bescheidenheit. Gott selbst will ja, dass wir an Ihn und Sein Wort glauben sollen. Und wenn die Bibel Gott teilweise mit menschlichen Charakterzügen darstellt, dann nicht deshalb, weil die Autoren sich einen solchen Gott gewünscht haben, sondern weil Gott uns nach Seinem Wesen geschaffen hat, damit wir durch die menschlichen Tugenden eine Vorstellung vom Wesen Gottes haben können. Ein Agnostiker gibt sich zwar immer ganz bescheiden durch sein Bekenntnis zur Unwissenheit, aber in Wirklichkeit ist die Überzeugung, dass man von Gott nichts wissen kann, ja selber auch eine Art ‚Wissen‘, das einem Glaubensbekenntnis verblüffend ähnelt. Der einzige Unterschied zwischen uns besteht nicht darin, dass Du nicht glauben kannst, sondern darin, dass Du nicht glauben willst, aus was für einen Grund auch immer! “

A: „Dass wir Gott nicht beweisen können, sollte eigentlich seit Immanuel Kant unstrittig sein. Und es hat auch wirklich nichts mit Bescheidenheit zu tun, wenn ich die Feststellung treffe, dass uns Gott und sein Wille ein Geheimnis bleiben muss und dass wir ihn nur durch den Glauben erfahren können oder auch nicht. Ich selbst habe kein Problem damit, dass ich die Frage nach Gottes Existenz nicht beantworten kann, denn gerade der Umstand, dass diese Frage für mich offen bleiben muss, gibt meinem Leben eine gewisse Spannung. Ich möchte nicht in einer gänzlich entzauberten Welt leben, in welcher es keine Geheimnisse mehr gibt. Mich erinnert das an ein Zitat aus dem Satirebuch ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ von Douglas Adams, wo der Sprecher der Philosophengewerkschaft sagt: ‚Wir fordern keine feststehenden Tatsachen, was wir fordern, ist das totale Fehlen feststehender Tatsachen... Ich meine, was haben wir davon, dass wir uns halbe Nächte mit der Frage um die Ohren schlagen, ob's nun einen Gott gibt oder nicht, wenn diese Maschine euch am nächsten Morgen einfach seine verdammte Telefonnummer ausspuckt?‘.“

S: „Ich kann darüber nicht lachen. Die Bibel sagt, dass die Menschen am Ende ohne Ausrede vor Gott stehen werden, weil sie Ihn hätten erkennen können, durch die Natur und durch Sein Wort. Wem viel gegeben ist, von dem wird Gott eines Tages auch viel zurückverlangen. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, weshalb der Mensch auch nicht für seinen Unglauben bestraft werden wird, sondern für seine sündigen Taten und auch für seine Tatenlosigkeiten, also seine Unterlassungssünden.“

 

Ein Gespräch über die Evolutionstheorie und die Bibel

A: „Simon, die Naturwissenschaften haben in den letzten 200 Jahren so viele Entdeckungen gemacht, dass die Menschheit noch nie so gebildet und aufgeklärt war wie heute, was zu einem enormen technischen und kulturellen Fortschritt geführt hat. Es stellt sich heute für viele Menschen deshalb zu recht die Frage, warum sie eigentlich noch an einen Gott glauben müssen.“

S: „Die Wissenschaft entdeckt und beschreibt die vielfältigen Erscheinungen der Natur, aber sie kann nicht die viel wichtigere Frage beantworten, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Die Bibel erklärt, dass all die wunderbaren und zweckmäßigen Phänomene in der Natur jedem Menschen plausibel machen können, dass diese nicht aus Zufall da sein können.“

A: „Warum denn nicht?! Ich finde das überhaupt nicht einleuchtend, dass ich deshalb an die Existenz eines Schöpfers glauben muss. Mir fällt es viel schwerer, an irgend ein höheres Wesen zu glauben, dass alles aus dem Nichts hervorgezaubert hat, als die Vorstellung, dass sich die Dinge allmählich von alleine so entwickelt haben. Warum denkst Du, dass das unmöglich ist?“

S: „Weil tote Materie keine neue Information, geschweige denn Leben hervorbringen kann.
Ein Auto entsteht ja auch nicht von alleine, sondern wurde von Menschen zusammengebaut. Dabei ist ein Lebewesen doch wesentlich komplexer als ein Auto! Für 90 % aller Menschen, die je auf Erden gelebt haben, war der Zusammenhang zwischen Schöpfung und Schöpfer absolut zwingend und plausibel. Der moderne Glaube, dass alles auch von ganz alleine entstanden sein könnte, ist aus meiner Sicht unlogisch und unvernünftig. Menschen, die den Zufall für plausibler halten als die Erschaffung haben für mich einen viel größeren GLAUBEN, als die sog. ‚Gläubigen‘.“

A: „Was heißt denn hier ‚Glaube‘! Wir brauchen heute doch gar nicht mehr glauben, sondern die Wissenschaft hat doch längst herausgefunden, wie die Welt entstanden ist. Und was die Leute früher glaubten, ist doch längst durch neuere Kenntnisse widerlegt. 90% der Menschheit glaubten früher ja auch, die Erde sei eine Scheibe und die Sonne drehe sich um die Erde. Die Dummheit der Menschen würde ich daher nicht als Argument bringen. Eher ist es doch ein Zeichen von Dummheit und Ignoranz, wenn man aus religiöser Voreingenommenheit die modernen Fakten nicht wahrhaben will. Von der Evolutionstheorie ist doch im Übrigen längst bewiesen, dass es sie gibt!“

S: „Dass es die Evolutionstheorie gibt, habe ich nie bestritten, aber ob die Welt durch Evolution entstanden ist, ist eine andere Frage. Es gibt viele Theorien über den Ursprung der Welt, die miteinander in Konkurrenz stehen, aber bewiesen ist keine von diesen, denn sonst würden wir ja auch nicht von einer THEORIE sprechen, sondern von einer überprüfbaren Tatsache.“

A: „Das heißt nur ‚Theorie‘, aber in Wirklichkeit zweifelt kein seriöser Wissenschaftler heute mehr daran, dass die Welt durch Evolution entstanden ist bzw. sich durch Evolution nach wie vor weiterentwickelt. Die Wissenschaft arbeitet mit Modellen und Theorien, wie z.B. die Niederschlags-Theorie, die funktionieren und sich bewährt haben, auch wenn man sie nicht ins Kleinste beweisen kann.“

S: „Dein Vergleich mit dem Niederschlag passt nicht. Du kannst heute durch ein Experiment ohne Probleme den Kreislauf des Wassers nachweisen. Was aber bisher noch niemandem gelungen ist, ist ein Experiment um die angebliche Höherentwicklung einer Art zu beweisen. Man hat schon Abertausende von Fruchtfliegen radioaktiv bestrahlt und noch nie hat sich dadurch auch nur eine einzige zu einer höheren, neuen Lebensformen entwickelt. Stattdessen sind sie alle verkrüppelt oder gestorben. Diese Experimente haben also eher bewiesen, dass Makro-Evolution gar nicht möglich ist.“

A: „Aber dass Tiere und Pflanzen sich verändern durch positive Mutation ist doch längst belegt durch zahlreiche Versuche. Außerdem gibt es abertausende Fossilien, von längst ausgestorbenen Arten, an denen man die Veränderungen vom Primitiven hin zum Komplexen genau beobachten kann. Kein ernst zu nehmender Naturwissenschaftler würde deshalb heute noch die Evolution in Frage stellen.“

S: „Es zeugt nicht gerade von Fairness, wenn Du den zahlreichen Biologen, Genetikern, Anthropologen und Paläontologen, die NICHT an die Evolutionstheorie glauben,
unterstellst, dass man sie als Wissenschaftler nicht ernst nehmen könne, nur weil sie die Mainstream-Doktrin nicht teilen wollen.“

A: „Aber es ist doch nun mal eine Tatsache, dass die Evolutionstheorie heutzutage nicht mehr angezweifelt wird, sondern sie ist fester Bestandteil in der Naturwissenschaft und im Schulunterricht.“

S: „Allerdings. Die Synthetische Evolutionstheorie ist aus meiner Sicht ein nahezu religiöses Dogma, das man nicht mehr in Frage stellen darf. Tatsache ist aber, dass sich z.B. die Entstehung von neuen Arten nicht beweisen lässt. Schon Darwin hat das Fehlen von Zwischenstufen (Missing Links) bedauert und die Hoffnung gehegt, dass sich diese eines Tages noch finden lassen. Aber selbst beim berühmten Archaeopteryx hat man bisher vergeblich nach fossilen Vorstufen gesucht, obwohl er tatsächlich sowohl einigen Dinosauriern wie auch Vögeln ähnelt.“

A: „Man hat aber gerade in den letzten Jahren sehr viele neue gefiederte Reptilien entdeckt, vor allem in China, so dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, dass man die passenden Übergangsstufen entdeckt.“

S: „Dennoch bleibt besonders die Entstehung von flugfähigen Federn bis heute ein großes Rätsel und ebenso, welcher Evolutionsdruck diese begünstigt haben könnte. Wahrscheinlich handelt es sich beim Archaeopteryx um eine ausgestorbene Vogelart, die als Warmblüter mit einer speziellen Vogellunge ausgestattet war.“

A: „Könnte es nicht sein, dass die Schuppen der Vogelvorfahren von Generation zu Generation länger geworden waren? Später wären die Kanten vielleicht ‚ausgefranst‘, bis sie sich schließlich gespalten und in die ersten echten Federn verwandelt hätten. Dadurch wurde das Gleiten von Baum zu Baum immer einfacher, bis die Reptilien plötzlich fliegen konnten.“

S: „Für das Gleiten allein bedurfte es keiner Federn. Es hat auch Flugsaurier gegeben, die überhaupt keine Federn hatten. Zudem bieten gefiederte Flügel, ein Vogelherz und eine Vogellunge dem Lebewesen nur dann einen Überlebensvorteil, wenn sie allesamt und gleichzeitig komplett ausgebildet und voll funktionstüchtig sind.“

A: „Vielleicht haben sich die Federn ja auch aus ganz anderen Gründen entwickelt, z.B. um das Tier zu wärmen oder um das Weibchen durch Farbenpracht zu beeindrucken. Dass es damit aber auch besser fliegen kann, hat das Tier dann wohl erst später durch Zufall entdeckt.“

S: „Dann stellt sich aber erst recht die Frage, woher diese scheinbar ja zielgerichtete Information herkommen sollte, um diese doch offensichtlich sehr nützlichen Eigenschaften entstehen zu lassen, denn Zweck und Bestimmung kennt die Evolution ja gar nicht, sondern nur zufällige Veränderungen durch positive Mutationen, die extrem selten sind. Eine Studie hat gezeigt, dass nur 0,041 % aller Mutationen positiv sind, während 99,959 % negativ sind, d.h. dass sie genauso wie die Selektion in den meisten Fällen einen Funktionsausfall bestimmter Eigenschaften zur Folge haben.“

A: „Was letztlich aber wirklich ‚negativ‘ oder ‚positiv‘ mutiert hat, ist nicht immer so leicht zu bestimmen. Welcher Funktionsausfall war z.B. bei der Mutation der blauen Augen? Oder den Mutationen der roten Haare oder der weißen Haut? Oder welchen Funktionsausfall gab es, bei der Mutation der Laktosetoleranz?“

S: „Da ich selber rothaarig, hellhäutig und blauäugig bin, kann ich – denke ich – glaubhaft bezeugen, dass mir z.B. das mangelnde Melanin in meiner Haut schon oft Nachteile gebracht hat, wenn ich auf Reisen in sonnige Länder war. Und die Laktosetoleranz ist wohl eher als positive Mutation zu werten. Viel wichtiger ist aber die Frage, welche positiven Mutationen überhaupt je einen ganz neuen Tiertypus hervorgebracht haben. Als der englische Evolutionsanhänger Richard Dawkins mal gefragt wurde, ob er von irgend einer positiven Mutation weiß, die neue Information oder gar einen ganz neuen Tiertypus hervorgebracht hätte, geriet er in Verlegenheit und musste sie nach einer langen Nachdenkzeit verneinen.“

A: „Fast alle Polartiere mit weißem Fell sind auf eine positive Mutation zurückzuführen. Das nur als kleines Beispiel. Was glaubst du denn woher diese sonst herkommen?“

S: „Dass es Veränderungen innerhalb einer bestimmten Tiergattung gibt, ist unbestreitbar. Aber es geht um die Frage, ob auch eine Entwicklung zu höheren Lebensformen bzw. die Entstehung einer neuen Tiergattung aus einer anderen überhaupt möglich ist. Letzteres wird auch "Makroevolution" genannt, im Gegensatz zur "Mikroevolution", sprich der Entwicklung innerhalb der gleichen Gattung. Es gibt z.B. neben den zahlreichen Pferderassen auch noch Esel oder Zebras, die alle zur selben Gattung zählen. Aber aus einem Pferd wird z.B. nie eine Giraffe entstehen können.“

A: „Das hat ja auch nie einer behauptet. Dennoch aber ist offensichtlich, dass die Pferde und die Giraffen gemeinsame Vorfahren hatten. Wahrscheinlich sind die Giraffen einmal aus den Hirschen hervorgegangen.“

S: „Aber wie sollte das gehen? Giraffen sind über 5 m hoch und haben neben einem langen Hals auch sehr lange Beine, die sich theoretisch synchron hätten entwickeln müssen, da ein Tier mit zu langen Beinen nicht mehr Wasser trinken kann, aber mit einem viel zu langen Hals das Gleichgewicht verlieren würde. Zudem verfügt die Giraffe über muskulöse Schlagadern mit speziellen Ventilklappen in den Venen, damit beim sekundenschnellen Heben ihres kranartigen Halsauslegers in 5 m Höhe keine Blutleere im Gehirn entsteht. Wie aber sollte dieses komplexe Zusammenspiel sich zufällig gleichzeitig entwickelt haben?! Zudem gibt es von der Giraffe weder fossile noch lebende Zwischenstufen, obwohl man bei der Vielzahl an erforderlichen Mutationen eigentlich damit rechnen müsste.“

A: „Die Giraffen konnten sich durch ihre langen Hälse von Bäumen ernähren und hatten dadurch einen Überlebensvorteil gegenüber allen anderen Arten, deren Hälse nicht lang genug waren. Diese sind ausgestorben, weil sie sich nicht an veränderte Klimabedingungen anpassen konnten. Dieses Prinzip der Selektion hat schon Charles Darwin beschrieben als ein ‚survival of the fitest‘. Veränderungen durch Selektion können wir heute überall beobachten, z.B. bei den zahlreichen Hunderassen, die alle einmal vom Wolf ausgingen.“

S: „Die Hunderassen sind ja vor allem durch Zucht entstanden, also der gezielten Selektion eines bestimmten und gewünschten Merkmals. Die bekannte Folge der Hundezucht ist aber eine ENTARTUNG und eine Verkümmerung des Genpools, die in der Folge zu erheblichen Gesundheitsschäden führt. Von einer Bildung neuer Tiertypen kann also gar nicht die Rede sein bei der Selektion, sondern eher von einer allmählichen Zerstörung der Art. Auch die berühmten Darwinfinken haben nur eine Vielfalt innerhalb ihrer Gattung gebildet, aber aus ihnen ist nicht irgendwann eine ganz neue Vogelordnung entstanden. Tiere können aussterben wie z.B. die Dinosaurier. Aber die heute bekannten Tiergattungen gab es schon in der Steinzeit. Das beweist, dass die von Gott geschaffenen Tierordnungen sich nicht aus gemeinsamen Vorfahren entwickelt haben.“

A: „Und wie erklärst Du Dir die erstaunlich ähnlichen Baupläne der unterschiedlichen Lebewesen, die je nach Alter einen deutlich erkennbaren Stammbaum erkennen lassen?“

S: „Das Gegenteil ist der Fall: Seit dem Beginn der modernen DNA-Analyse müssen die bisherigen Stammbäume immer wieder umgeschrieben werden. Zudem sind viele Merkmale der Lebewesen ganz unsystematisch verteilt, so dass sich eine monophyletische Linie kaum mehr skizzieren lässt.“

A: „Trotzdem: der Homo sapiens hat zu 98% den gleichen Genpool wie die Menschenaffenarten (Schimpansen, Bonobos, Orang Utans und Gorillas). Nach deiner Überzeugung hat dein Gott die Menschen und alle anderen Lebewesen erschaffen. Wieso hat er dann die Menschen und die Affen mit nahezu identischem Genmaterial ausgestattet?“

S: „2 % sind in der Genetik extrem viel. Der Unterschied zwischen Mensch und Maus beträgt nur 3 % (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensc...h-a-198689.html) und von der Banane trennen uns gerade einmal nur 50 % (http://www.morgenpost.de/kultur/berlin-k...ine-Banane.html).
Der Evolutionsgenetiker J.B.S. Haldane hat einmal berechnet, dass der Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse derart groß ist, dass es mathematisch gesehen eine Zeit von etwa 2,5 Milliarden Jahre brauchen würde, bis diese Kluft überwunden wäre. Der aufrechte Gang des Menschen z.B. bedingt ein GLEICHZEITIGESAuftreten unterschiedlichster Merkmale, wie z.B.
gestrecktes Knie- und Hüftgelenk, Halswirbelsäule unten mit dem Kopf verbunden (statt hinten wie beim Affen), flaches Gesicht, besseres Gleichgewichtsorgan, gerader Rücken, hohler Fuß, starke große Zehe und entsprechende Hirnfunktionen für den aufrechten Gang. Für jedes dieser Merkmale müssten gleichzeitig mehrere tausend ‚richtige‘ und perfekt abgestimmte Mutationen im Genom auftreten. Ein solches Szenario ist kaum denkbar.“

A: „Wenn aufgrund veränderter Umwelteinflüsse ein entsprechender Anpassungsdruck entsteht, dann können Mutationen viel schneller vor sich gehen. Die eintretende Eiszeit zwang die Bären und Füchse, sich an die Kälte allmählich anzupassen. Dafür braucht es keine Milliarden Jahre.“

S: „Hier widerspricht sich die Evolutionstheorie: Wenn sich die Polartiere allmählich angepasst haben, setzt dies ja voraus, dass sie in ihren Genen eine Art Kältesensor gehabt haben, der daraufhin gezielte Mutationen hervorruft, um sich vor der Kälte besser zu schützen. Aber eine bewusste Anpassung würde ja wieder Steuerung voraussetzen, was ja der Idee des Zufalls widersprechen würde. Wenn aber nur vorteilhaftere Eigenschaften ein Überleben bewirkten, mussten die Tiere diese Vorteile ja schon vor den Änderungen der Umwelteinflüsse gehabt haben, denn so schnell konnten sie ja gar nicht auf die Änderung reagieren. Dann aber kann von einer bewussten ‚Anpassung‘ gar nicht die Rede sein.“

A: „Der Begriff ‚Anpassung‘ verleitet sicher zu der Idee von Zielgerichtetheit. Tatsächlich aber ist es der reine Zufall, dass es z.B. in Westafrika einige Menschen gab, die gegen das Ebola-Virus resistent waren. Eine bewusste Anpassung gab es also nie, sondern eine schon immer vorhandene Eigenschaft, die den Überlebensvorteil brachte.“

S: „Also beim Wechsel zur Eiszeit hatten alle Tiere schon die Anpassung an die Eiszeit hinter sich, lange bevor sie kam? Wollnashörner hatten demnach in Wüstenregionen Winterfell?“

A: „Hast Du eine bessere Erklärung für die klimatische Anpassung?“

S: „Ja, ich denke schon.“

A: „Und die wäre?“

S: „Ich glaube, dass Gott die Tiere mit dem ausgestattet hat, was sie für ihr Überleben brauchen. Nötigenfalls auch nachträglich.“

A: „Also so eine Art Update? Dann wäre die Schöpfung aber nicht vollkommen gewesen.“

S: „Doch, indem Gott die Tiere mit einer solchen begrenzten Anpassungsfähigkeit ausgestattet hat. Das Wort Gottes unterscheidet nämlich zwischen einem ‚Erschaffen‘(hebr. ‚BaRa‘) und einem ‚(Zurecht)machen‘(hebr. ‚ASsaH‘).“

A: „Und warum ‚begrenzt‘? Weil es dann nicht mehr mit deiner Bibelauslegung im Einklang wäre?! Ich gebe ja gerne zu, dass die Evolutionstheorie durchaus noch Erkenntnislücken aufweist, aber die Idee einer stammbaumartigen Entwicklung aller Lebensformen aus einer Urzelle halte ich um ein Vielfaches für plausibler als die Vorstellung, dass ein Gott sich irgendwelche Tierarten ausdenkt und sie dann zusammenknetet, so dass sie ganz plötzlich da sind.“

S: „Das würde aber am besten die sog. ‚Kambrische Explosion‘ erklären, nach welcher im Kambrium vor etwa 500 Millionen Jahren explosionsartig sämtliche höher entwickelten Lebewesen in einer erstaunlichen Artenvielfalt vollständig fertig auftreten sind ohne Vorläufer! Und wenn es wirklich angeblich einen solchen Stammbaum gäbe, warum gibt es dann eigentlich nicht auch zwei davon? oder warum nicht drei oder vier oder fünf oder z.B. 18.903 Stammbäume? Was ist das bloß für eine bevorrechtigte, ‚auserwählte‘ erste Zelle gewesen, dass aus ihr die ganze Welt entstanden sein soll!
Ist das nicht seltsam? Warum sind seither angeblich nie wieder zufällig neue Stammbäume an anderen Orten entstanden? Es gab doch Zeit genug. Warum entstehen heute nicht mehr zufällige Zellen? Seltsam? Nicht wahr?“

A: „Nein, nicht seltsam. Und es gab möglicherweise auch keine ‚erste Zelle‘, sondern viele ‚erste Zellen‘, von denen jedoch am Ende nur eine Linie überlebt hat. Das erklärt, warum alle Lebewesen die gleiche DNS und den gleichen genetischen Code haben.

S: „Ach ja? Wenn die Wahrscheinlichkeit der zufälligen Entstehung EINER Zelle schon gegen Null tendiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer zweiten zufälligen Zellentstehung noch geringer.
Und dass diese beiden Zellen sich dann auch noch zufällig miteinander verbinden, noch bevor sie sofort wieder sterben, ist noch unwahrscheinlicher.“

A: „Du musst bedenken, dass der Prozess der Abiogenese am Ende nicht ‚eine Zelle‘ erzeugt hat, sondern viele - und das gleichzeitig. Bei den Ursuppenexperimenten wurde der Nachweis erbracht, dass aus anorganischer Chemie, organische werden kann.“

S: „Eine Abiogenese, d.h. eine Entstehung des Lebens aus toter Materie, hat es nie gegeben. Es wird immer suggeriert, dass Stanley Miller die Entstehung des Lebens bewiesen hätte. Mitnichten! Bei den Aminosäuren hörte es schon auf. Und selbst diese entstanden nur aufgrund falscher Annahmen über die Uratmosphäre und konnten später unter realistischeren Bedingungen nicht mehr entstehen. Seither blubbern immer neue Ursuppen auf der ganzen Welt - ohne dass je eine Zelle daraus entstanden wäre. Diese Versuche erinnern an die unzähligen alchemistischen Versuche im Mittelalter, Gold herzustellen. Der Mensch möchte immer wieder Gott spielen und stößt dabei an seine Grenzen.“

A: „Wovon redest du?!! Fast alle biologisch wichtigen Aminosäuren, Lipide, Nucleinbasen und Zucker konnten bis heute in den Ursuppen-Experimenten der Folgegenerationen nachgewiesen werden. Zudem unterschätzt du die kausalen Kräfte der Emergenz! In der Natur entstehen immer wieder neue Phänomene durch das Zusammentreffen von bekannten und zwar ganz von alleine. Aus diesen synergetischen Wechselwirkungen verschiedener Teilchen können ganz neue Eigenschaften auftauchen. Wenn z.B. Wasser in Gips eindringt, dann entsteht durch einen chemischen Prozess u.a. Wärme.“

S: „Aber solche Prozesse lassen sich nicht von selbst umkehren, sondern verlaufen immer nur in die eine Richtung der Entropie, d.h. dem Ausgleich von Energie, was den praktischen Verlust derselben zur Folge hat. Nach dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik kann ein geordneter Zustand nur durch die Aufwendung von Energie aufrecht erhalten werden. D.h. ein lebendiger Organismus kann nur durch die dauerhafte Zufuhr von Energie aufrecht erhalten werden. Die Aufnahme von Stoffen und Energie muss aber gezielt sein – in der Umgebung eines Lebewesens können sich ja auch Stoffe oder Energie finden, die ihm schaden könnten. Zudem können chemische Reaktionen des Stoffwechsels nur stattfinden, wenn die Reaktionspartner nicht zu sehr verdünnt werden, weshalb alle Lebensvorgänge in von der Außenwelt abgetrennte Grundeinheiten stattfinden müssen, nämlich den Zellen.

Die Entstehung von Zellen ist aber bis heute völlig ungeklärt und ebenso die Fortpflanzung derselben. In den extremen Anfangsbedingungen auf der Erde, wo die Sonne noch kaum Licht von sich gab und die Urozeane durch Erdbeben und vulkanische Aktivität aufgewühlt waren, hätten sich kaum irgendwo solche Konzentrationen an organischen Stoffen ansammeln können, um bedeutungsvolle chemische Reaktionen in Gang zu setzen.“

A: „Doch, - und zwar in der Tiefsee. Dort hat man in den 70er Jahren Quellen entdeckt, aus denen Metall-Schwefelverbindungen entweichen. Doch obwohl es in dieser Tiefe weder Licht noch Sauerstoff gibt, wimmelt es dort von Bakterien, die von Schwefelwasserstoff leben. Neben diesen ‚Schwarzen Rauchern‘ fand man noch andere Hydrothermalquellen, aus deren Schloten stark mineralisches Wasser entweicht. Die Mikrostruktur dieser Schlote ähnelt den Zellen von Lebewesen, weshalb vermutet wird, dass in der Frühzeit der Erde die Wände dieser Eisensulfid-Bläschen Nickel enthielten, dass wie ein Katalysator gewirkt hat und ein Molekül erzeugt hat namens Acethylphosphat, das eine gewisse Ähnlichkeit zu der in jeder Zelle enthaltenen Adenosintriphosphat hat und daher als Vorstufe einer lebendigen Zelle in Betracht kommt.“

S: „Trotzdem lässt sich nach wie vor nicht die Frage beantworten, wie aus diesen Tiefseeschloten Proteine oder sogar lebendige Zellen entstehen konnten. Zudem entstehen bei den Ursuppenexperimenten nicht alle am Aufbau von Proteinen beteiligte Aminosäuren, dafür jedoch auch andere, die in Lebewesen gar nicht vorkommen, und sogar noch jede Menge schädliche monofunktionelle Verbindungen, die eine erforderliche Kettenbildung immer wieder verhindern. Selbst die Anwesenheit von Wasser verhindert die Kettenbildung, so dass in Ursuppen-Simulationen noch nicht einmal Vorstufen von Proteinen entstehen.“

A: „Zugegeben, - es gibt in diesem Forschungsbereich noch zahlreiche Erkenntnislücken. Diese aber werden immer wieder durch neue Entdeckungen nacheinander geschlossen. So hatte man z.B. jahrelang eine Frage bei der Entstehung des Informationssystems, also der DNS, die inzwischen geklärt ist: Die DNS ist sehr stabil, ihre Teilung bei der Vermehrung ist nur mit Hilfe eines Enzyms möglich. Dieses Enzym ist ein Protein, das aber erst mit Hilfe von DNS hergestellt wird. Also bestand die Frage, was zuerst da war, die Henne oder das Ei, und wie ist es in die Welt gekommen? Doch dann entdeckte man, dass die RNS sowohl als Informationsträger als auch als Enzym wirksam ist. Danach entstand die Vorstellung, dass der heutigen DNS-Welt eine ‚RNS-Welt‘ vorausgegangen sein könnte und dass später die RNS von der chemisch eng verwandten DNS als Informationsträger abgelöst wurde. 2009 konnte im Labor nachgewiesen werden, dass mindestens zwei der vier Nukleoide der RNS unter den geochemischen Bedingungen der Erdfrühzeit entstehen konnten.“

S: „Wenn das RNS-System damals funktioniert hätte, warum sollte es sich dann später ändern? Und wie hätte ein solcher Übergang erfolgen können?“

A: „Dafür stellte der Biologe Manfred Eigen in den 70er Jahren die These eines Replikationssystems auf, dem sog. ‚Hyperzyklus“: Ein Molekül A reproduziert ein Molekül B, welches wiederum A repliziert. Die Moleküle A und B vermehren sich also abhängig voneinander und bilden dadurch das Vorstadium der ersten DNA.“

S: „Das klingt ja fast wie das Perpetuum mobile! Oder wie Pipi Langstrumpf immer sagt: ‚Ich mach mir die Welt widewidewitt wie’s mir gefällt!‘ Du solltest hier aber mal fairerweise zugeben, dass es ihm damals nicht gelungen ist, die Entstehung eines solchen Hyperzyklus nachzuweisen. Die von Dir genannten Moleküle waren nicht stabil, sondern vermischten sich sofort wieder, sodass sich keine Kettenmoleküle bildeten. Im Gegenteil dockten sich an diesen Strängen ständig auch andere, unpassende Moleküle an, die das ganze Verfahren wieder zum Stillstand brachten. Auch Manfred Eigen musste am Ende einräumen, dass die zufällige Zusammenführung der richtigen Basenpaare und der anderen Bausteine von ganz alleine eigentlich ‚so unwahrscheinlich ist‘, dass sie ‚einem Wunder gleichkäme‘. Sein französischer Kollege Jacques Monod hielt die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Entstehung entsprechend ‚nahe bei Null‘. (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42854146.html).

A: „Trotzdem ist eine solche Möglichkeit denkbar, wenn auch vielleicht unwahrscheinlich.Eine Strategie der Begründung oder Rechtfertigung mit dem obersten Ziel, eine Letztbegründung zu geben, kann niemals zum Erfolg führen. Daher verbleibt nur, Überzeugungen, Meinungen oder Hypothesen immer wieder auf Irrtümer hin zu überprüfen und nach Möglichkeit durch bessere zu ersetzen. Im Falle der Erstentstehung von Leben sprechen wir von einer wissenschaftlichen Hypothese. Das bedeutet, dass es die aus wissenschaftlicher Sicht gesehene, gegenwärtig beste Erklärung auf Basis der gegenwärtigen Beobachtungs- und Auswertungsmöglichkeiten. Aber möglicherweise ist das Leben ja auch durch einen Kometeneinschlag auf die Erde gekommen, also die sog. Panspermie. Auch das ist eine Hypothese, die schon von vielen namhaften Wissenschaftlern vertreten wurde und heute immer noch vereinzelt in Kolloquien diskutiert wird.“

S: „Ach, jetzt auf einmal. Nach dem Motto: ‚Wenn Du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis!‘ Aber damit wird das eigentliche Problem doch gar nicht gelöst, sondern nur von der Erde ins Weltall verlagert, indem sich die Frage stellt, wie das Leben denn im Weltall entstanden ist. Zudem stellt sich auch die Frage, wie die Organismen im Interstellaren Raum überleben und unversehrt in die Biosphäre gelangen konnten. Dadurch entstehen also nur immer wieder neue Fragen, für die es kaum eine Antwort geben kann. Anstatt einfach dem Worte Gottes zu glauben, dass Gott das Leben geschaffen hat, sucht der Mensch immer wieder nach Ausflüchten.“

A: „Die Tatsache, dass die Wissenschaften keine übernatürlichen Faktoren berücksichtigen, ist weder Ausdruck einer voreiligen Verneinung der Existenz derartiger Instanzen, noch das Symptom einer dogmatischen Verkrustung der Wissenschaft, sondern schlichtweg Ausdruck methodologischer Notwendigkeit. Bringe empirische Beweise für Gott und die Wissenschaft beschäftigt sich damit.
Da es aber für Gott keine empirischen Beweise geben kann, ist Gott kein Bestandteil naturwissenschaftlicher Betrachtung. Würde aber dennoch einer entdeckt, würde die Suche nach weiteren einen neuen Wissenschaftszweig begründen, der sich dann aber erst auf Basis des Fundes mit dem Phänomen Gott naturwissenschaftlich beschäftigen kann.“

S: „Wenn nichtmaterielle Einflussgrößen wie ein Schöpfergott in der modernen naturwissenschaftli-chen Methodik von vornherein ausgeschlossen werden, da sie einem willkürlich festgelegten, ideologischen Grundsatz widersprechen, dann braucht sich die Naturwissenschaft nicht wundern, dass die Mechanismen für Makroevolution bis heute ebenso unbekannt sind wie die Vorgänge, die angeblich zur Entstehung des Lebens geführt haben sollen. Und wenn es für unzählige ‚Signale‘ in der Natur, die alle in die gleiche Richtung weisen, keine plausiblere Erklärung gibt als das Wirken eines Schöpfers, dann wird es höchste Zeit, von den angestammten aber willkürlichen Selbstbeschränkungen abzurücken, um seinen Blick zu weiten auf die Möglichkeit eines Schöpfers.“

A: „Offene Fragen können aber keine zwingende Begründung für eine andere Ursprungsvorstellung wie die Schöpfungslehre sein, sonst wäre Gott nur ein Lückenbüßer für alles Unerklärliche.“

S: „Das schon. Aber für die Erklärung von Naturgegenständen kommen neben Naturgesetzen und Zufällen auch Planung bzw. willentliche Steuerung in Frage. Letzteres lässt sich plausibel machen, indem man Merkmale aufzeigt, die nach bestem Wissen auf Planung hinweisen und eine Alternative der Entstehung dieser Merkmale als unplausibel erweist.“

A: „Worauf willst du hinaus?“

S: „Es geht mir um die ‚irreduzible Komplexität‘, die sich überall in der Natur findet, sogar in den kleinsten Lebewesen, den Bakterien. Zu einem nicht reduzierbaren System gehört z.B. ein Auto, denn dieses kann nur dann fahren, wenn es mindestens über einen Motor verfügt, sowie über eine Kupplung, vier Räder und eine Steuerung. Verglichen mit den Mindestbestandteilen eines Bakteriums ist dieses um ein vielfaches komplexer als ein Auto. Dennoch mussten alle diese Bestandteile zur gleichen Zeit alle vollständig vorhanden und an der richtigen Stelle platziert sein, sonst wäre das Lebewesen nicht lebensfähig gewesen. Die einzelnen Bestandteile konnten sich also nicht nacheinander entwickeln, erst recht nicht durch ungerichtete Prozesse.“

A: „Damit unterstellst du aber, dass es keine funktionale Überschneidungen zwischen den verschiedenen Strukturen innerhalb ihrer Entwicklung geben kann. Warum sollte es nicht möglich gewesen sein, dass sich die Komponenten zufällig parallel entwickelt und erst später zusammengefügt haben, wie es z.B. beim Bau eines Airbus der Fall ist?“

S: „Weil den einzelnen Komponenten einfach nicht genug Zeit bleibt, um sich irgendwann durch Zufall an die ‚richtige‘ Stelle anzudocken. Man hat z.B. die Mindestbestandteile eines Bakterienmotors (Flagelle) analysiert. Ein E. Coli Bakterium z.B. verfügt über Geißeln, die von einem Nano-Motor angetrieben werden, der den Schub erzeugt. All diese Komponenten können nur durch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel aufeinander funktionieren, was offenkundig veranschaulicht, dass sie zweck- und zielgerichtet aufeinander abgestimmt und organisiert sind. Da ein Selektionsvorteil nur im fertigausgebildeten Zustand gegeben ist, jedoch evolutionäre Zwischenstufenbiologisch wertlos sind und durch stabilisierende Selektion ausgemerzt werden, kann ein solches System nicht schrittweise entstehen. Zumindest wäre es sehr unwahrscheinlich.“

A: „Bei einmaligen Ereignissen sagen Wahrscheinlichkeitsberechnungen im Grunde nichts aus über die Plausibilität. Denn jedesEreignis lässt sich im Nachhinein beliebig unwahrscheinlich rechnen! Man stelle sich vor, ein paar Freunde sitzen am Tisch und spielen Karten. Einer notiert, in welcher Reihenfolge die Karten ausgegeben werden. Anschließend berechnet er die Wahrscheinlichkeit, mit der die stattgehabte Kartenabfolge auftritt. Bei 32 Spielkarten ist sie derart gering, dass man seit der Entstehung des Universums hätte Karten spielen können, ohne das Blatt je auf die Hand zu bekommen. Trotzdem sind die Karten beim ersten Mal genauso ausgeteilt worden!“

S: „Das mag sein. Dennoch arbeitet die Naturwissenschaft mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen, um die Plausibilität einer Hypothese zu untermauern oder anzuzweifeln. So werden z.B. die in Lebewesen vorkommenden Proteine aus 20 verschiedenen Aminosäuren zusammengesetzt. Für jedes Kettenglied gibt es also 20 verschiedene Möglichkeiten. Nehmen wir an, ein Protein bestehe aus 100 Aminosäuren. Die Wahrscheinlichkeit für eine ganz bestimmte vorgegebene Folge von 100 Aminosäuren beträgt dann 1:20100, das ist umgerechnet eine Wahrscheinlichkeit von 10-130. Eine solche minimale Wahrscheinlichkeit ist unvorstellbar klein.“

A: „Das täuscht. Denn von den insgesamt 10130 Möglichkeiten der Bausteinabfolgen ist nicht nur eine einzige funktionsfähig, sondern es sind sehr viele. Die Unwahrscheinlichkeit jeder einzelnen Konfiguration wird durch eine immens große Zahl an alternativen (potentiellen) Konfigurations-möglichkeiten aufgewogen.“

S: „Trotzdem nützen diese nicht, um ein erforderliches Ziel zu erreichen. Wenn mich als Malermeister eine Kundin beauftragt, ihr Treppenhaus zu tapezieren, und ich habe bei Arbeitsantritt meinen Auftragszettel vergessen, dann nützt es nichts, wenn ich der Kundin später erkläre, dass doch eigentlich auch der Anstrich ihrer Fassade mal nötig war oder die Lackierung ihrer Fenster. Auch in der Evolution kann ein Entwicklungsschritt nur dann sinnvoll sein, wenn er zeitnah ein Problem löst und nicht erst irgendwann einmal durch Zufall, weil es dann nämlich schon zu spät sein kann.“

A: „Zu spät für was? Um Lebewesen vor dem Aussterben zu bewahren? Das wäre der Evolution egal, denn sie kann immer wieder neues Leben hervor bringen. Religionen haben die Menschen immer gelehrt, dass die Natur für sie da sei, aber die Natur ist nicht anthropozentrisch. Der Zufall in den Evolutionsprozessen wird aber eingeschränkt durch die Notwendigkeit, denn auftretende Probleme erzwingen oftmals ganz bestimmte Lösungen. Die Evolution ist daher nicht völlig beliebig verlaufen, aber sie ist auch nicht notwendigerweise Ergebnis eines göttlichen Plans.“

S: „Die Verwendung des Begriffs ‚Zufall‘ als Evolutionsfaktor macht jede Aussage über die Evolution sinn- und gehaltlos, da es dem Bekenntnis einer Unkenntnis gleichkommt. Denn wer eine Theorie aufstellt, deren zentrale Erklärung es ist, eine außernatürliche Kraft oder jede Kausalität abzulehnen und ansonsten nicht zu wissen, was abläuft, stellt im Grunde gar keine Theorie auf.“

A: „Nur weil die Evolutionsforschung eine außernatürliche Kraft wie Gott nicht berücksichtigt, heißt das nicht zwangsläufig, dass sie die Möglichkeit seiner Existenz von vornherein ausschließt. Die Evolutionstheorie beschäftigt sich mit den Gesetzmäßigkeiten, die überall in der Natur zu finden sind, dass z.B. kein Säugetier mehr als zwei Arme oder mehr als vier Beine hat etc. Gott ist aber nicht ein Gegenstand naturwissenschaftlicher Betrachtung, sondern eine Sache des Glaubens.

Eigentlich könnte ich mich sogar mit dem Gedanken anfreunden, dass die Evolution sich nicht durch Zufall entwickelt hat, sondern durch irgendeine höhere Intelligenz ‚überwacht‘ wurde, ob man sie nun ‚Gott‘ nennen will oder durch wen oder was auch immer. Aber warum sträubst du dich so vehement gegen die Vorstellung, dass ein Gott die Welt DURCH Evolution geschaffen hat?“

S: „Selbst wenn ich nicht an Gott glauben würde, würde ich nach meinem heutigen Kenntnisstand den Glauben an eine Evolution als ein völlig unbewiesenes Wunschdenken ansehen. Es ist der größte Irrweg der Menschheit seit der Vorstellung, dass die Erde eine Scheibe sei.“

A: „Ach ja? Und der Glaube an eine Schöpfung ist etwa kein Wunschdenken?! Welche Alternative hat denn ein Mensch, wenn er nicht an Gott glauben kann? Es geht zudem um eine Erklärbarkeit, nicht um eine Erklärtheit. Wissenschaft kann sich der Wahrheit immer nur annähern.“

S: „Aus meiner Sicht hätten sich die Menschen all diese Mühe ersparen können, wenn sie einfach dem Zeugnis Gottes in der Bibel geglaubt hätten, denn dort steht alles drin, was der Mensch für sein Leben wissen muss. Ich halte es für durchaus plausibel, dass Gott den Menschen ein ‚Handbuch‘ mitgegeben hat, eine Gebrauchsanweisung für ihr Leben, ihre Zweckbestimmung und Antwort auf die Frage nach dem Woher und Wohin. Wenn der Mensch einfach Gott vertrauen würde, dann müsste er nicht mehr im Dunkeln tappen.“

A: „Die Bibel ist ein Erklärungsversuch für das Leben, der von einem semitischen Nomadenvolk verfasst wurde vor 3000 Jahren, als es noch keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse über die Welt gab, sondern nur eine blasse Ahnung. Zugegeben: Verglichen mit anderen Religionen hat der biblische Schöpfungsmythos schon eine erstaunliche Nähe zu den modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen, was z.B. die Reihenfolge der Schöpfungsakte betrifft. Aber schon die Vorstellung, dass die geologischen Gesteinsformationen samt den darin befindlichen Fossilien gerade einmal nur 6000 Jahre alt sind und innerhalb von 6 Tagen erschaffen wurden, ist einfach absurd.“

S: „Das habe ich aber auch nicht behauptet. Die Heilige Schrift spricht von 6 Schöpfungstagen. Allerdings muss es sich hierbei nicht zwangsläufig um buchstäbliche 24-Stunden-Tage handeln, denn die Bibel sagt z.B. auch, dass ‘ein Tag bei dem HErrn ist wie 1000 Jahre’ (Psalm 90:4), wobei sich dieser Hinweis eigentlich auf den ‘Tag des HErrn’ bezieht, welcher exakt 1000 Jahre andauern wird. Es gibt aber auch andere Erwähnungen von symbolischen ‘Tagen’ oder ‚Abenden‘ in der Bibel, die sich real sogar auf noch längere Zeiträume beziehen, weshalb ich vermute, dass es sich um unspezifische Zeitperioden handelt.“

A: „Das überrascht mich aber, denn das klingt wie ein Zugeständnis an die Wissenschaft, dass du doch bisher immer abgelehnt hast.“

S: „Wie kommst Du darauf? Solange die Wissenschaft sich nicht ideologisch von gottlosen Ideologien vereinnahmen und missbrauchen lässt, dient sie der Wahrheitsfindung und damit dem Willen Gottes. Anders herum haben auch bibeltreue Christen oft die Wissenschaft für eine ganz bestimmte Bibelauslegung für sich vereinnahmt und missbraucht, indem sie ihrer Auslegung missliebige Forschungsergebnisse ignorierten und sich stattdessen einseitig auf jene Funde beriefen, die ihrem Bibelverständnis gelegen kamen.“

A: „Du beziehst dich wohl auf die Junge-Erde-Kreationisten, die an die Erschaffung der Welt vor 6000 Jahren glauben. Wenn ich dich recht verstehe, hältst du also sogar eine Schöpfung innerhalb der von der Wissenschaft berechneten 4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte für möglich?“

S: „Ich gebe zu, dass ich bis vor einem halben Jahr auch noch von buchstäblich 24-Stunden-Tagen ausging, und selbst heute würde ich eine solche Möglichkeit nicht gänzlich ausschließen. Aber wenn man sich diese gewaltigen Erdschichten anschaut mit ihren versteinerten Fossilien, dann kommen einem schon arge Zweifel, ob diese alle erst durch die biblische Sintflut entstanden sein sollen, die sich vor gerade einmal nur 4.500 Jahren ereignete. Wir sind als Christen der Wahrheit verpflichtet.“

A: „Na, wer hätte das gedacht! Ich hatte mich schon gewundert, warum du bisher nicht die radiometrischen Berechnungen zum Alter der Erde angesprochen hast, die von Kreationisten doch immer gerne angezweifelt werden wegen ihrer Ungenauigkeit. Aber das ist doch wirklich mal ein Zugeständnis und Entgegenkommen in dieser Auseinandersetzung!“

S: „Du solltest dies jedoch nicht als Kniefall vor der Evolutionstheorie deuten, die in ihrer Kernaussage nach wie vor irrt, dass nämlich die Lebewesen allmählich aus gemeinsamen Vorstufen entstanden sind, denn dies widerspräche nicht nur dem biblischen Zeugnis, sondern auch den Gesetzen der Naturwissenschaft. Wenn das Wort Gottes unserem Fuße eine Leuchte sein kann, dann treten wir auch nicht daneben.“

A: „Apropos Leuchte: Wie erklärst du dir denn den scheinbaren Widerspruch, dass Gott angeblich erst am vierten Tag die Sonne und den Mond erschuf, obwohl doch bereits am ersten Schöpfungstag das Licht erschaffen wurde?“

S: „Ich hatte bereits erwähnt, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem ‚Erschaffen‘ (hebr. ‚BaRa‘) und einem ‚(Zurecht)machen‘(hebr. ‚ASsaH‘). Gott hatte der Sonne erst am 4. Schöpfungstag eine Rolle im Sonnensystem zugewiesen, obwohl diese schon zuvor als ‚Protostern‘ existierte, jedoch nur mit einem schwachen Licht. Dies entspricht genau dem, was wir heute über die Sternentstehung wissen.“

A: „Klingt plausibel. Und wie erklärst du dir den Tod der Dinosaurier, wo doch die Bibel behauptet, dass erst durch Adams Sünde der Tod in die Welt kam?“

S: „In der Stelle in Röm. 5:12, die Du erwähnst, heißt es, dass durch die Sünde Adams ‚der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist‘. Die Tiere sind jedoch auch schon vor Erschaffung des Menschen gestorben. In Offb.16:18 ist z.B. von einem Erdbeben die Rede, ‚desgleichen nicht geschehen ist, seitdem die Menschen auf der Erde waren, solch ein Erdbeben, so groß‘. Die Menschen sind aber erst in der zweiten Hälfte des 6. Schöpfungstages erschaffen worden. Folglich ist es möglich gewesen, dass die Landtiere, die in der ersten Hälfte des 6. Schöpfungstages erschaffen wurden auch während desselben schon wieder gestorben sind, u.a. durch gewaltige Erdbeben, die auch für die Kontinentaldrift verantwortlich waren.“

A: „Demnach würde nach deiner Vorstellung jeder Schöpfungstag in etwa 0,5 bis 1 Milliarde Jahre umfassen – ist das richtig?“

S: „Ja, könnte sein. Vielleicht aber waren es auch nur einige Millionen Jahre, das weiß keiner mit Bestimmtheit. Denn die radioaktiven Zerfallszeiten waren möglicherweise nicht immer konstant. Aber dass das Auseinandertreiben der Kontinente nicht innerhalb weniger Monate oder Jahre geschah, sondern einige Millionen Jahre benötigt hat, sollte jedem klar sein, wenn man bedenkt, dass schon wenige Zentimeter sofort ein Erdbeben zur Folge haben. Einige christliche Wissenschaftler wie Reinhard Junker bemühen nämlich Bibelstellen wie 1.Mose 10:25, um die Kontinentaldrift in die Zeit nach der Sintflut anzusiedeln.“

A: „Da hätten sich die Menschen in der Tat ja regelrecht festhalten müssen bei solch einer rasanten Kontinentalplattenverschiebung!“

S: „In der Sintflut hat es mit Sicherheit auch noch erhebliche Verwerfungen innerhalb der Erdhülle gegeben, denn sonst wäre es kaum möglich, dass die ganze Erde mit Wasser bedeckt war.“

A: „Dass die ganze Erde mit Wasser bedeckt gewesen sein soll, ist doch kaum vorstellbar. Wo sollte denn all das Wasser herkommen, zumal es so viel Wasser doch gar nicht auf der Erde gibt!“

S: „Doch. Die Bibel spricht von den ‚Quellen der großen Tiefe‘, die sich auftaten, und auch die ‚Fenster des Himmels“(1.Mose 7:11). Dadurch ist die ganze Erde von unten mit Tsunamis und von oben mit monsunartigen Dauerregen überschwemmt worden. Man hat mal ausgerechnet, dass – wenn die Erdoberfläche keine Höhen und Tiefen hätte - die Menge des Wassers, das auf der Erde ist, ausreichen würde, um die ganze Erde ca. 3 km mit Wasser zu überdecken.“

A: „Aber die Erde hat nun einmal Höhen und Tiefen. Und außerdem: Wie soll das ganze Wasser nach der Sintflut wieder verschwunden sein? Bei der Verdunstung würde doch das ganze Wasser sofort wieder auf die Erde abregnen und die Sintflut würde sich unendlich fortsetzen.“

S: „Die Bibel gibt hierauf eine Antwort in Psalm 104: ‚Mit den Meeresfluten hattest Du die Erde bedeckt wie mit einem Gewande; die Wasser standen über den Bergen. Vor Deinem Schelten flohen sie, vor der Stimme Deines Donners eilten sie hinweg – Die Berge erhoben sich, es senkten sich die Täler – an den Ort, den Du ihnen bestimmt hast. Du hast ihnen eine Grenze gesetzt, die sie nicht überschreiten werden; sie werden nicht zurückkehren, die Erde zu bedecken.‘(V.6-9).

Dies erklärt z.B., warum man in den Anden und Alpen Muscheln und Korallen gefunden hat. Der amerikanische Meteorologe Michael Oardgeht davon aus, dass es bei diesen Gebirgsauffaltungen auch eine enorme vulkanischer Aktivität gab, was zu einer starker Erwärmung der Meere und zu einer deutlichen Abkühlung der Erdatmosphäre führte wegen der Staubpartikel. Durch die Verdunstung entstanden riesige Hurrikane, deren Wasser in der Folge als gewaltige Schneemassen auf die Erde herabfielen und ganz Europa bedeckten, so dass sogar Hiob von diesen berichten konnte. Das war wohl eine der letzten großen Eiszeiten, für deren Entstehungsursache die Forscher bis heute keine plausible Erklärung haben.“

A: „Du meinst wohl die sog. ‚Weichsel-Kaltzeit‘. Diese endete jedoch bereits vor rund 12.000 Jahren, und nicht erst vor 4.000 Jahren.“

S: „Die Häufigkeitsverschiebung der Sauerstoffisotope 16O und 18O (Isotopenfraktionierung), die bei der Datierung von Warm- und Kaltzeiten zugrunde gelegt wird, ist wie alle stratigraphischen Datierungsmethoden relativ zu willkürlich festgelegten Referenzpunkten und daher ungenau. Der von M. Oard beschriebene Hergang scheint mir sehr plausibel und ist mit der Bibel völlig im Einklang.“

A: „Da verlasse ich mich doch lieber auf die Angaben der modernen Wissenschaft, obwohl ich Deine Ausführungen durchaus beeindruckend finde, und das meine ich nicht ironisch. Aber wenn es vor 4.500 Jahren wirklich eine Flut gegeben hätte , in welcher nur 8 Menschen überlebt hätten, wie erklärst du dir dann die Tatsache, dass wir heute schon wieder 7.000.000.000 Menschen auf der Erde haben!“

S: „Wir müssten eigentlich sogar noch viel mehr Menschen heute auf der Erde haben, denn bei einer derzeitigen Wachstumsrate von 1,9 % pro Jahr würden statistisch gesehen schon 2.000 Jahre reichen, um auf die heutige Weltbevölkerung zu kommen. Allein im letzten Jahrhundert hatten wir zwei Weltkriege mit fast 100 Millionen Toten, dazu atheistische Diktaturen, wie z.B. den Kommunismus, dem wiederum über 100 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Und dann hatten wir die Spanische Grippe mit 50 Millionen Toten, sowie das HIV mit 36 Millionen Toten. Wenn diese Menschen heute alle noch leben würden, wäre die Weltbevölkerung heute noch weit höher!“

A: „Und was willst du damit andeuten?“

S: „Dass die Menschheit nicht 40.000 Jahre alt sein kann. Denn wenn man allein die heutige Bevölkerungswachstumsrate von 1,9 % zugrunde legt, dann müssten heute schon 430 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Und ich rede hier vom Homo Sapiens, also noch nicht mal vom Homo erectus etc., denn dann wären es noch viel mehr!“

A: „Du glaubst also tatsächlich an den Beginn der Menschheit vor gerade einmal 6.000 Jahren?“

S: „Wenn man die Altersangaben der in der Bibel erwähnten Menschen mit den historischen Daten kombiniert, errechnet sich ein Alter der Menschheit von etwa 6000 Jahren. Dies steht übrigens auch ganz im Einklang mit einer Studie von 1997, die besagt, dass die Mutationsrate der mtDNA um ein 20faches höher liegt als ursprünglich angenommen, weshalb die mitochondriale Eva nur 6.000 Jahre sein dürfte (http://www.nature.com/ng/journal/v15/n4/abs/ng0497-363.html.

A: „Es gibt aber auch Hunderte von Studien, die ein weitaus höheres Alter der Menschheit belegen. Man geht heute sogar eher von einem Alter von 200.000 Jahren aus. Die ersten Frühmenschen aus Afrika hat es sogar schon vor 1,5 - 2 Millionen Jahren gegeben.“

S: „Wenn das so wäre, dann stellt sich aber doch um so mehr die Frage, warum wir uns nach so einer langen Zeit noch nicht gegenseitig auf die Füße treten, denn dann müssten heute eigentlich schon 17.500.000.000.000 Menschen auf der Erde leben. Und dann stellt sich die Frage, wo eigentlich deren Gräber abgeblieben sind. Selbst wenn man von einer minimalen Bevölkerungsdichte von nur drei Einwohnern pro km² ausgeht, ergibt das für einen Zeitraum von 2 Millionen Jahren 0,15 Gräber pro m² (also theoretisch alle 2,5 m ein Grab mit entsprechenden Grabbeigaben etc.).“

A: „Die Leichenknochen sind doch längst verwest und die Grabbeigaben verrottet. Was erwartest du nach so einer langen Zeit!“

S: „Aber man findet ja vereinzelt bis heute noch Menschenknochen, die angeblich so alt sein sollen. Und es ist ja eine Tatsache, dass sich Knochen tatsächlich unter bestimmten Voraussetzungen über Jahrhunderte oder Jahrtausende erhalten können, wenn sie durch bestimmte Umstände auf natürliche Weise konserviert bleiben, z. B. die Mumien oder die Moorleichen. Wenn aber behauptet wird, dass die gefundenen Knochen schon eine Million Jahre alt sind, dann müsste man allein schon von der geschätzten Anzahl an Menschen, die in diesen langen Zeiträumen angeblich schon gelebt haben sollen, wesentlich mehr fossile Knochen gefunden haben als dies tatsächlich der Fall ist.“

A: „Es gibt aber nun einmal nur sehr wenige Knochen, die sich über diesen Zeitraum erhalten haben, und vielleicht findet man in den nächsten Jahren auch noch mehr.“

S: „Und wo sind sie ganzen Steinwerkzeuge der Steinzeitmenschen aus den letzten 2 Millionen Jahren? (zumal diese die Zeit doch eigentlich gut überdauern müssten). Selbst wenn man annimmt, dass beispielsweise in Deutschland über einen Zeitraum von 800.000 Jahren lediglich 1000 Personen gelebt haben, müssten bereits viele Milliarden Steinwerkzeuge zu finden sein. Realistischerweise müsste man davon ausgehen, dass es zumindest phasenweise einige Millionen Menschen in Europa gegeben hat. Im Vergleich zu den Billionen Steinwerkzeugen, die sie uns hinterlassen haben müssten, konnte nur ein viel zu winziger Teil bisher gefunden werden.“

A: „Der aber schon jetzt ganze Museen füllt. Außerdem hat man ja auch erst in den letzten hundert Jahren mit der Suche begonnen. Die Menschen der Steinzeit waren primitiv, aber sie fanden immer irgendwie Mittel und Wege, die Tiere zu jagen und zu schlachten.“

S: „So primitiv waren sie nicht. Denk doch nur mal an die genialen Höhlenmalereien! Oder an die englische Kultstätte Stonehenge und andere Magalithbauten und Hünengräber, die aus tonnenschweren Steinen errichtet wurden. So primitiv können diese Menschen nicht gewesen sein!“

A: „Aber nicht zu vergleichen mit den Bauten der Hochkulturen seit der Bronzezeit.“

S: „Weil die Steinzeitmenschen ja auch in nördlichen Regionen lebten, wo es noch überall Schnee und Eisgletscher gab. Die Hochkulturen der Sumerer, Assyrer, Ägypter und Babylonier hingegen lagen im Nahen Osten, wo die Temperaturen angenehm waren und das Leben dadurch einfacher war.
Auch hier fällt auf, dass die Menschheit Hunderttausende von Jahren angeblich zu primitiv war, um etwas auf die Beine zu stellen, aber dann plötzlich innerhalb kürzester Zeit Festungen und Tempelanlagen bauen konnte, die man selbst heute mit der modernsten Ingenieurtechnik und den neuesten Baumaschinen kaum nachbauen kann. In Wirklichkeit war die Menschheit schon immer ziemlich genial, weil sie nach dem Ebenbild Gottes erschaffen wurde, nur dass es eben vor dem Jahre 4.000 v.Chr. noch gar keine Menschen gegeben hat.“

Ein Gespräch über Idealismus, Sünde, Moral und Auserwählung


A: „Simon, ich habe mal eine ganz grundsätzliche Frage an Dich: Warum versuchst Du eigentlich ständig, andere zu Deiner christlichen Überzeugung zu bekehren? Wenn ein Mensch mit dem, was er hat, glücklich ist, warum kannst Du ihn dann nicht einfach in Ruhe sein Leben leben lassen?“

S: „Weil ich davon überzeugt bin, dass ein Mensch, der nicht nach Gottes Willen fragt, den Sinn seines Lebens verfehlt und dadurch seine Lebenszeit vergeudet. Eines Tages wird jeder Mensch vor Gott Rechenschaft abgeben müssen, was er mit dem Leben angestellt hat, dass Gott ihm anvertraute.

A: „Ich respektiere Deine Motivation, und auch wenn ich selbst nicht an Gott glaube, schätze ich Menschen, die für eine Überzeugung eintreten. Was mich jedoch stört ist dieser radikale und intolerante Anspruch, den das Christentum stellt, und damit Menschen behelligen will, die für sich ein ganz anderes Lebenskonzept gefunden haben. Das findet sich ja auch schon in der Bibel, dass der Gott Jahweh angeblich die heidnischen Völker nicht tolerieren wollte und deshalb den Befehl gab, sie auszurotten bzw. zu vertreiben, als ob sie durch ihre selbstbestimmte Lebensgestaltung ihr Recht auf Leben verwirkt hätten. Warum hatten die Israeliten nicht die Freiheit, sich mit den Kanaanitern auf eine friedliche Koexistenz zu einigen?  Sind es nicht immer wieder in allen Religionen die machthungrigen Führer, die das einfache Volk im Namen Gottes aufrufen zu Radikalität und Intoleranz?

S: „Zunächst einmal würde ich diese beiden Begriffe mal klären, um nach ihrer ursprünglichen Bedeutung zu fragen: ‚radikal‘ kommt vom lat. ‚Radix‘, also ‚Wurzel‘, ‚Ursprung‘ und meint eigentlich nur, dass man Probleme ‚an der Wurzel‘ angreifen und sie von dort aus möglichst umfassend, vollständig und nachhaltig lösen sollte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass - egal was für eine Überzeugung man auch immer vertritt - man sie konsequent und damit auch ‚radikal‘ praktizieren sollte.
Denn wenn eine Sache wahr ist, dann ist sie auch für alle Menschen wahr in allen Lebensumständen, zu jeder Zeit und an jedem Ort.“

A: „Schon bei dieser Prämisse muss ich Dir widersprechen! Wahrheit ist immer subjektiv. Es gibt überhaupt keine objektive Wahrheit, die für alle gilt!“

S: „Das magst Du ja glauben, aber tatsächlich verhält es sich so, dass jede These, die es gibt, entweder wahr oder falsch ist. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Auch Deine These, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat, kann entweder wahr oder falsch sein. Aus meiner Sicht ist sie falsch.
Nun könnte man sagen: Ist doch sowieso egal, soll doch jeder denken was er will. Aber auch das ist falsch und sogar gefährlich – wobei wir beim Begriff der Toleranz wären. Eigentlich klingt es ja zunächst mal sehr tugendhaft, wenn man von „Toleranz“ spricht, also der Fähigkeit zur „Duldung“. Aber wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, dass Toleranz immer nur unter Gleichberechtigten funktionieren kann. Wenn die Söhne Deines Nachbarn ohne Dich vorher zu fragen in Deinem Wohnzimmer eine Party feiern und dabei alles kaputt machen, dann wirst Du mit Deiner Toleranz schnell an Deine eigenen Grenzen der Belastbarkeit stoßen. Und genauso ist es auch bei Gott: die Erde und die Menschen gehören ja IHM. Deshalb haben die Menschen nicht das Recht, zu tun und zu lassen, was sie wollen.“

A: „Das wäre so, wenn es denn überhaupt einen Gott gäbe. Aber diesen haben sich die Menschen nur deshalb hinzugedichtet, damit sie die Sinnlosigkeit und Einsamkeit ihres Daseins vergessen können.“

S: „Das ist nicht nur falsch, sondern auch zynisch.“

A: „Zynismus ist Realismus, also die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Aber mein Zynismus ist tolerant, weil es mir im Grunde völlig schnurzpiepegal ist, was irgendeiner glaubt, solange er mich und andere damit in Ruhe lässt. Dein Idealismus hingegen ist eine Illusion, d.h. eine Selbsttäuschung, indem Du die Welt nur so sehen kannst, wie Du sie sehen willst. Solange es Dich glücklich macht, mach was Du willst, aber geh damit niemanden auf den Keks.“

S: „Alles was Du sagst WÄRE richtig, WENN es keinen Gott geben würde, der sich durch Sein Wort offenbart hätte. WENN es aber einen Gott gibt, der uns Seinen Willen offenbart hat, dann sind all Deine Überlegungen null und nichtig. Und obendrein nützt Deine Gleichgültigkeit und Dein Zynismus am Ende niemandem und macht Dich auch selbst nicht glücklich.“

A: „Und macht Dich etwa Dein lust- und lebensfeindlicher Idealismus wirklich glücklich?“

S: „Ja. Allerdings nenne ich es nicht Idealismus sondern GLAUBE. Idealismus bedeutet, dass ein Mensch für ein oder mehrere Ideale lebt, d.h. dass sein ganzes Handeln geleitet wird von der Überzeugung der Richtigkeit und Realisierbarkeit dieser Ideale. Dies setzt natürlich voraus, dass der Mensch überhaupt an etwas absolut Gutes und Vollkommenes glaubt, also auch eine grundsätzlich bejahende Einstellung zum Leben hat. Zynismus hingegen ist die Negation eines Strebens nach Werten und Idealen. Einem Zyniker ist nichts heilig. Er verachtet Anstand und Moral und zieht alles in den Dreck, indem er das Bemühen der von ihm verspotteten ‚Gutmenschen‘ für pure Eitelkeit und Heuchelei hält. Häufig haben Zyniker selber früher einmal an das Gute geglaubt, sind aber durch Enttäuschungen im Leben davon abgekommen und misstrauen jedem und allem. Sie halten sich nicht nur für ‚aufgeklärt‘ sondern auch für ‚abgeklärt‘, nach dem Motto: ‚Ja, ja, - das kenn ich alles schon! Hat bei mir nicht funktioniert und wird deshalb auch bei Dir nicht funktionieren. Wirst' schon seh'n!‘ Viele Literaten und Kulturschaffende halten den Zynismus für die letzte Phase vor dem Untergang der menschlichen Entwicklung.“

A: „Du unterstellst uns Nichtreligiösen, dass wir keine Ideale oder Werte mehr hätten, nur weil wir nicht an Gott glauben. Das ist mal wieder richtig typisch! Religionen haben aber kein Monopol auf Moral, sie haben die Moral nicht für sich gepachtet.“

S: „Wenn Menschen an nichts mehr glauben können und keine ewigen Normen mehr anerkennen wollen, für die es sich zu kämpfen lohnt, die also innerlich resigniert haben und das Leben nur noch geschehen lassen ohne sich daran beteiligen zu wollen, von denen wirst Du doch wohl kaum behaupten können, dass diese noch nach einem ‚Ideal‘ streben.

A: „Doch.  Zum Beispiel der Familie.“

S: „Die Familie würde ich eher als einen ‚Wert‘ betrachten, also etwas, was Menschen wert schätzen und genießen können. Im Gegensatz zum ‚Ideal‘ gibt es bei einem Wert die Möglichkeit, dass dieser einem zufallen kann - also ganz ohne Anstrengung, während ein ‚Ideal‘ etwas so Vollkommenes und Unerreichbares ist, dass Du es niemals als Gegebenes vorfindest, sondern es immer anstreben musst mit aller Kraft und ein Leben lang. Beim Ideal ist aber auch der Weg das Ziel. Es macht Spaß, für etwas einzustehen, dass größer ist als man selbst und dass Dich selbst in dunklen Stunden aufmuntern und motivieren kann. Ein Beispiel: Würdest Du für das Glück Deiner Familie auf die Straße gehen und dafür demonstrieren? Nein, sondern Du würdest dieses Glück einfach nur still genießen. Aber wenn Du an eine Utopie wie den Weltkommunismus glaubst, dann würdest Du bei Wind und Wetter auf die Straße gehen und stundenlang in der Kälte mit marschieren.“

A: „Normalerweise hätte ich aber auch keine Veranlassung, für meine Familie auf die Straße zu gehen. Dennoch aber wäre mir die Familie viel wichtiger als jede Ideologie. Denn im Grunde ist es die LIEBE, die das eigentliche Ideal ist und durch welche die Familie zusammengehalten wird. Und die Liebe ist viel größer als alles andere.“

S: „Aber die menschliche Liebe ist häufig nicht von Bestand. Du weist selbst, wie viele Ehen heute scheitern oder wie oft es auch tiefe Feindschaften zwischen Eltern und Kindern geben kann. Darauf würde ich mich also nicht so verlassen.“

A: „Für die Echtheit der Liebe ist es unerheblich, ob sie ein Leben lang währt. Bertrand Russel hat einmal gesagt: ‚Die wahre Liebe ist es auch dann noch, wenn sie vergeht; und auch das Leben und das Glück verlieren nicht ihren wert, nur weil sie nicht ewig sind‘.“

S: „Für die Echtheit vielleicht nicht, aber für die Qualität und den Wert der Liebe spielt ihre Beständigkeit eine sehr große Rolle, denn von schönen Erinnerungen allein wird ein um sein Liebesglück betrogener Mensch auf Dauer nicht zehren können.“

A: „Dennoch ist die Liebe für jeden Menschen das Höchste der Gefühle, deshalb wird sie ja auch immer wieder in Liedern besungen. Und das Schöne ist, dass jeder Mensch im Prinzip zur Liebe fähig ist. Selbst der grausamste Diktator braucht Liebe und kann auch Liebe geben. Von Hitler z.B. ist bekannt, dass er seine Schäferhündin ‚Blondi‘ über alles liebte. Er war also durchaus zur Liebe begabt.“

S: „Ich würde gar nicht so weit gehen und lieber von ‚Empathie‘(Mitgefühl) sprechen. Auch im Hitler-Deutschland gab es viele SS-Leute, die bei manchen Aktionen Skrupel bekamen und desertierten. Es macht qualitativ jedoch einen Unterschied, ob ich mich nur davor scheue, ein niederträchtiges Unrecht zu begehen oder ob ich aktiv dagegen vorgehe, weil ich an etwas Höheres glaube als mich selbst. Einige hatten sogar den Mut, trotz größter Gefahr Juden bei sich zu verstecken. Andere wiederum trauten sich sogar, Flugblätter zu verteilen, obwohl sie dabei ein hohes Risiko eingingen, erwischt zu werden. Das nenne ich echten Idealismus.“

A: „Es gibt durchaus eine qualitative Abstufung in der Motivation. Ein chinesisches Sprichwort sagt: ‚Wenn Gott verloren geht, kommt die Tugend.
Wenn die Tugend verloren geht, kommt die Wohltätigkeit.
Wenn die Wohltätigkeit verloren geht, kommt die Gerechtigkeit.
Wenn die Gerechtigkeit verloren geht, kommen die Moralregeln.‘ (Laotse)“

S: „Ja, genau. Das hat man schon damals richtig erkannt. Der Glaube an Gott ist die höchste Motivation für einen ehrbaren Lebenswandel, denn ein Mensch, der Ehrfurcht vor Gott hat, würde alles tun, um Gott nicht zu enttäuschen.

Dennoch stoßen wir Menschen trotz unserer guten Vorsätze an unsere Grenzen; der Wille ist zwar da, aber in den konkreten Situationen versagen wir doch immer wieder. Deshalb musste sich Jesus, der Sohn Gottes, für uns opfern, denn Er war der einzige, der ein sündloses Leben geführt hat, und obwohl Er es nicht nötig hatte, gab Er Sein gerechtes Leben stellvertretend für die Gläubigen dahin, damit wir vor Gott überhaupt bestehen können. Niemand hat größere Liebe als der, der Sein Leben für andere opfert! Und wir waren vorher noch nicht einmal Seine Freunde sondern Feinde! Und diese Liebe Gottes erfüllt uns heute und gibt uns den nötigen Ansporn, dass wir bereit sind, aus Dankbarkeit ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen.

Es gibt – ohne Frage – auch viele Menschen, die sehr vorbildlich sind und sich für ihre Mitmenschen einsetzen. Aber so wie Du es eben beschrieben hast, reicht jede natürliche Tugend nicht an die Kraft Gottes durch den Glauben heran, sondern ist doch auf Dauer zum Scheitern verurteilt. Und auch das Streben nach Gerechtigkeit oder Solidarität ist durchaus lobenswert, aber es steht in dieser Rangfolge sogar noch unter der Mildtätigkeit. Die meisten Menschen begnügen sich aber damit, wenn sie sich politisch für eine gerechtere Gesellschaftsordnung engagieren, anstatt von ihrem eigenen Besitz für die Armen zu geben. Ich habe mich mal vor einem Jahr mit einer Aktivistin der Linkspartei unterhalten. Sie war Anwältin bevor sie aus gesundheitlichen Gründen alles verlor. Ich erzählte Ihr von meinem Glauben, und dass ich deshalb mich jedem Menschen zur Verfügung stellen möchte, weil ich der Überzeugung sei,  dass alle Menschen vor allem die Liebe Gottes brauchen. Sie blaffte mich daraufhin wütend an und sagte:
‚ICH WILL KEINE LIEBE, sondern ich will mein Harz-IV und die Rechte, die mir zustehen! Alles andere ist mir SCHEISSEGAL!‘ Das war für mich eine sehr irritierende Erfahrung.

A: „Ich kann die Frau schon verstehen. Du kannst ja gerne an all diese schönen Geschichten glauben, aber Du musst auch respektieren, wenn andere dies nicht tun und deshalb von Dir in Ruhe gelassen werden möchten.“

S: „Ich respektiere das, wenn ein Mensch partout die Botschaft Gottes nicht hören möchte. Aber den meisten Menschen ist nun einmal nicht die Gefahr bewusst, in welcher sie schweben. Denn die Bibel sagt, dass jeder Mensch sich einmal für sein Tun auf Erden vor Gott verantworten muss, und die allermeisten werden dann wegen ihrer Sünden von Gott verurteilt und in der Hölle bestraft. Und davor muss ich sie doch warnen!“

A: „Wer’s glaubt, wird selig.“

S: „Ja genau! Und vielen ist gar nicht bewusst, dass diese Redensart aus der Bibel kommt. Das Wort ‚selig‘ bedeutet ‚errettet‘, nämlich vor dem Zorn Gottes. Denn wenn jemand sich heute nicht durch Buße und Glaube von Gott retten lässt, dann ist er verloren! Und wenn Du siehst, dass jemand ahnungslos auf einen Abhang zufährt, dann wirst Du doch auch alle Hebel in Gang setzen, um ihn vor der Gefahr zu warnen. Also musst Du auch verstehen, wenn ich aus Liebe zu den Menschen sie warnen möchte vor dem Gericht Gottes.“

A: „Ich muss gar nichts verstehen. All dies sind doch nur unbewiesene Glaubenskonstruktionen von religiösen Fanatikern, die aus lauter Machtinteresse einfältige Menschen durch geschickte Manipulation und Angstmacherei für ihre Sache gewinnen wollen. Wenn ich sage ‚Wer’s glaubt, wird selig‘, dann meine ich damit, dass diese Botschaft zwar verlockend klingt, aber durch und durch unglaubwürdig ist. Das Schlimme aber daran ist, dass sie leider von naiven Menschen wie Dir unreflektiert angenommen wird und Leute wie Du dann immer weiter auch andere Einfältige verführen. Deswegen konnte das Christentum bis heute bestehen. Wie viel Schaden ist schon durch diese ganzen Missionare angerichtet worden in den armen Ländern!“

S: „Von was für einen ‚Schaden‘ sprichst Du?“

A: „Davon dass die Menschen noch mehr eingelullt werden, anstatt sich um ihre ureigensten Interessen zu kümmern. Die Kolonialherren hätten z.B. längst nicht so einen Erfolg gehabt, wenn die Missionare nicht die ‚Vorarbeit‘ geleistet hätten, indem sie den Eingeborenen predigten, sie sollten sich gegen das Unrecht, das ihnen geschieht, nicht zur Wehr setzen.“

S: „Nun mach mal halblang! Das sind billige Klischees, die den Tatsachen nicht gerecht werden: In Wirklichkeit haben die Missionare den Einheimischen vor allem die Früchte der Zivilisationen zu Gute kommen lassen, nämlich neben gesundheitlicher Fürsorge vor allem BILDUNG. Erst dadurch wurden die Menschen überhaupt erst befähigt, soziale Zusammenhänge zu begreifen und sich gegen begangenes Unrecht zur Wehr zu setzen.

Und dann frage ich Dich mal: Was bedeutet für Dich ‚Missionieren‘? Für mich bedeutet Missionieren, Menschen zum Nachdenken zu bringen, weil ich ihre falschen Überzeugungen nicht teile, sondern sie von meiner eigenen Sichtweise überzeugen möchte. Also genau das gleiche, was auch Du tust, indem Du mich von DEINEM Standpunkt überzeugen willst.“

A: „Ich will niemanden von irgendetwas überzeugen, sondern meine, dass jeder Mensch so leben soll, wie er möchte. Wenn jedoch Leute wie Du meinen, sie müssten den Menschen ihre Ansichten aufdrängen, dann wehre ich mich dagegen, indem ich die Leute aufkläre, damit sie sich nicht verführen lassen.“

S: „Das ist aber auch eine Form von ‚Missionieren‘.“

A: „Nein, das ist kein Missionieren, sondern ein Wachrütteln. Ich würde es AUFKLÄRUNG nennen.“

S: „Wenn Du mein Warnen vor der Gefahr der Höllenstrafe missbilligend ein ‚Missionieren‘ nennst und Dein eigenes Warnen hingegen euphemistisch als ein ‚Wachrütteln‘ bezeichnest, ist das reine Rhetorik, d.h. ein geschickter Gebrauch von vorbelasteten Begriffen, um den Zuhörer zu manipulieren.
Du unterstellst hier ja, dass die richtige Art zu Glauben nur darin bestehen würde, wenn man so glaubt wie Du. Selbst wenn Du vielleicht keinen Wert darauf legen magst, dass andere Menschen Deinen Lebensentwurf annehmen sollten, so betreibst Du doch indirekt ‚Mission‘, indem Du die Botschaft verbreitest: ‚Ihr dürft zwar glauben, was Ihr wollt, außer aber daran, dass ein ungläubiger Mensch sich zu Gott bekehren muss, denn weil ich selbst nicht daran glaube, will ich auch nicht, das andere daran glauben sollen!‘ Deine Kritik an den Religionen ist mithin im Grunde ein ‚unlauterer Wettbewerb‘, indem Du selber genau die gleiche Werbung betreibst, die Du bei Deiner ‚Konkurrenz‘ zu verhindern suchst, jedoch mit unlauteren Mitteln der Verleumdung und Vortäuschung falscher Tatsachen.A: „Klingt plausibel. - Eins zu null für Dich...“

S: „Und außerdem: Diese Missionare verzichten freiwillig auf eine Karriere trotz akademischer Abschlüsse und leben mit den Einheimischen zusammen, betreiben Schulen und Krankenhäuser und setzen sich teilweise auch juristisch für die Interessen der Einheimischen ein, die größtenteils Analphabeten sind. Und selbstverständlich bekennen sie sich auch zu ihrer christlichen Überzeugung, welche die Ursache und der Antrieb ist für ihre humanitäre Hilfe. Aber niemand wird gezwungen, den Glauben anzunehmen, denn dies würde fundamental der christlichen Botschaft widersprechen, die auf der freiwilligen Entscheidung jedes Menschen basiert.

Umgangssprachlich bedeutet ‚Mission‘ nicht nur religiöse Werbung, sondern auch jede andere Art von Sendungsbewusstsein. Wenn ein Mensch tief ergriffen ist von einer Überzeugung, die ihm selber sehr geholfen hat (z.B. eine bestimmte Gesundheitslehre oder eine politische Überzeugung), dann nutzt er auch jede sich bietende Gelegenheit, um sein Wissen mit anderen zu teilen.
Begrifflich mag sich Mission vielleicht nur auf die christliche Mission beziehen, aber faktisch ist jeder Überzeugungstäter ein ‚Missionar‘, denn wenn er andere Menschen zu überzeugen versucht, dann gibt es da keinen Unterschied. Im Grunde ist also an der Werbung für die eigene Sache gar nichts auszusetzen. Im Gegenteil: wenn mich ein gewisser Lebensentwurf glücklich gemacht hat, dann ist es ein Zeichen von Liebe und Fairness, dass ich das Geheimnis meines Glückes nicht nur für mich behalte, sondern anderen die Möglichkeit gebe, dieses auch zu erfahren.“

A: „Ich sehe hierin aber die Ursache für alle Religionskriege. Die Geschichte hat gezeigt, dass gerade die sog. Buchreligionen mit ihrem Sendungsbewusstsein auf der ganzen Welt nur Unruhe und Konflikte ausgelöst haben, weil man die Andersdenkenden immer wieder ‚zwangsbeglücken‘ wollte – nach dem Motto: Willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein!“

S: „Du musst aber fairerweise zugeben, dass dies zwar auf die katholische Kirche im Mittelalter zutrifft und heute höchstens noch auf die islamischen IS-Kämpfer, nicht aber auf die christlichen Missionare.“

A: „Doch! Im weiteren Sinne sah sich ja auch George W. Bush als ‚Missionar‘, der mit Unterstützung der bibelgläubigen Christen in den USA seinen Kampf führte gegen die ‚Achse des Bösen‘. In Vietnam waren es noch Drogen, aber heutzutage bekommen die Marines ihre Gehirnwäsche mit christlichen Kampfeshymnen eingetrichtert mit Verweis auf die letzte Schlacht bei Armageddon, wo das Heer der Guten gegen die Heere des Bösen ankämpfen.“

S: „Ohne Frage: Religionen werden immer wieder missbraucht, um politische Interessen durchzusetzen.“

A: „Aber es ist doch auffällig, dass dies immer nur bei den sog. Buchreligionen passiert, also im Christentum, Judentum und im Islam, während es z.B. im Buddhismus oder im Taoismus nie größere Konflikte gegeben hat, weil letztgenannte keinen allein-seligmachenden Anspruch haben und auch prinzipiell Gewalt ablehnen.“

S: „Das wirkliche Christentum ist auch gewaltfrei, denn Gottes Reich ist nicht von dieser Welt. Jesus sagt: ‚Wer zum Schwert greift, der wird auch durch‘s Schwert umkommen‘.“ 

A: „Trotzdem sind die teilweise drastischen Thesen des Christentums dazu geeignet, Gewalt und Extremismus hervorzurufen. Auch das Christentum hat in der Geschichte häufig genug zum Schwert gegriffen und Andersgläubige brutal vernichtet. Besonders die Lehre von der ewigen Höllenstrafe hat viel Unbarmherzigkeit in die Welt gebracht. Hierin gleichen sich der Islam und das Christentum. Dass das Christentum heute größtenteils friedlich ist, liegt nur an der Aufklärung. Diese steht dem Islam größtenteils noch bevor. Wir können froh sein, dass die meisten Muslime der Welt den Koran nicht so wörtlich nehmen sondern nach dem Motto Leben: es wird alles nicht so heiß gegessen, wie‘s gekocht wird. Zum Glück ist das Christentum heute aufgeklärt und moderat, sonst hätten wir heute immer noch Religionskriege wie zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Fundamentalismus und Extremismus haben die Welt immer wieder an den Rand des Abgrundes gebracht.“  

S: „Hier muss ich dir widersprechen. Für den Koran mag es sicher zutreffen, dass er Gewalt predigt, aber einem Christen ist es verboten, Gewalt auszuüben. Jesus Christus sagt in der Bergpredigt: 'Wenn dir jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin'. Wenn sich Menschen in der Vergangenheit Christen genannt haben, sich aber über dieses Gebot Christi hinweg gesetzt haben, dann waren es keine Christen. Mohammed hingegen lehrt, dass die Muslime sich gegen die Andersgläubigen mit Gewalt wehren sollen. Er schreibt: 'Tötet sie, wo immer ihr sie findet'. Fundamentalismus bedeutet, dass man sich an seinem religiösen Fundament orientiert und nicht an dem Zeitgeist. Ein Moslem, der Andersgläubige nicht tötet, ist dem Koran gegenüber ungehorsam und daher möglicherweise kein echter Muslim. Und ein Christ, der sich gegen ein Unrecht, dass ihm widerfährt, zur Wehr setzt, ist der Bibel gegenüber ungehorsam und daher ein fragwürdiger Christ, da er an dem biblischen Fundament nicht festhält. Er ist jedoch ein 'Extremist' im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Wort 'extrem' bedeutet eigentlich 'am äußeren Rand' (vergl. 'Extremitäten'), nämlich außerhalb des Fundaments. Man ist also entweder Fundamentalist oder Extremist, wenn man's wörtlich nimmt."        

A: "Also ich bin weder Fundamentalist noch Extremist, sondern weltoffen und liberal, und ich wünschte mir, dass alle Menschen so wären wie ich, denn nur dann wäre die Welt friedlich."    

S: "Auch ein IS-Kämpfer sagt: 'Wenn alle Menschen dem Islamischen Staat angehören würden, dann wäre die Welt friedlich."    

A: "Fragt sich nur, was für ein Friede das wäre! Auch die Toten haben ihren Frieden, nämlich auf dem Friedhof."    

S: "Auch Atheisten haben schon Kriege geführt im Namen der Freiheit und Gleichheit, z.B. die Kommunisten unter Stalin. Wirklichen Frieden gibt es nur dann, wenn die Menschen sich an das Gebot der Feindesliebe halten würden, so wie es Jesus Christus gelehrt hat.    Jesus sagt: 'Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber nachher nichts weiter zu tun vermögen. Fürchtet vielmehr dem, der die Macht hat, nach dem Tod in die Hölle zu werfen'. Ein Atheist hat nur dieses eine Leben, das er bis zuletzt verteidigen muss, weil er keine andere Hoffnung hat. Ein Christ hingegen weiß, dass dieses Leben nicht alles ist, sondern das eigentliche Leben erst noch kommen wird und dass jeder Mensch eines Tages vor Gott Rechenschaft geben muss.

Die letzten Worte oder Gedanken eines Atheisten - kurz bevor er von muslimischen Fanatikern hingerichtet wird, sind vermutlich wirklich nur: ‚Pech gehabt. ‘ oder einfach nur ‚So ein Mist!‘
Vielleicht wird er noch bis zuletzt versuchen, sich bei seinem Peiniger einzuschmeicheln, indem er alles sagt, was dieser gerne hört, nur damit er sein Leben schont. Denn außer diesem einen Leben hat er ja nichts. Das aber bestätigt dem Terroristen ja nur in seinem Tun und lässt ihn glauben, dass er alles richtig macht, wenn er Menschen tötet, die keinerlei Selbstachtung mehr haben.

Ein gläubiger Christ hingegen, der an ein Leben nach dem Tod glaubt, kann getrost Zeugnis ablegen und seinem Schlächter furchtlos und tapfer ins Gewissen reden: ‚Ich fürchte mich nicht vor Dir, denn du kannst nur meinen Körper töten, aber mehr nicht. Du solltest aber den fürchten, der die Macht hat, meinen Tod zu rächen. Er wird einmal von dir Rechenschaft fordern und dich dafür bestrafen, dass du einen Seiner Diener das Leben genommen hast, obwohl du kein Recht dazu hattest‘."                  

A: "Das wird ihn auch bestimmt einschüchtern!"

S: "Vielleicht werden solche Worte allein noch nicht ausreichen, um den Mörder umzustimmen. Aber diese Worte werden ihm wohl für lange Zeit verfolgen und ihm vielleicht keine Ruhe mehr lassen. Er wird sich fragen, was wohl seine letzten Worte eines Tages sein werden, und ob er auch noch so viel Mut und Standhaftigkeit am Ende beweisen wird. Hierin erweist sich der Glaube an Gott und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod als großer Vorteil und als ein Zeichen von Überlegenheit gegenüber dem Atheismus."    

A: "Ich glaube, dass ein IS-Kämpfer sich überhaupt keine Gedanken mehr macht, denn sein Gewissen ist so abgestumpft, dass er nur noch blind jedem Befehl gehorcht. Man hat ihm ja auch jahrelang eingetrichtert, dass nur der Glaube an Allah die einzig wahre Religion ist, und dass jeder Feind des IS zugleich auch ein Feind Allahs ist, und der deshalb vernichtet werden muss. Der IS ist ein wildes Tier ohne Mitgefühl."

S: "Die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, ist bei Fanatikern wie dem IS nicht unbedingt abgestumpft, sondern fehlgeleitet. Gemäß seiner Ideologie, die derjenigen von Hitlers SS-Schergen gleicht, tut er etwas überaus Gutes, wenn er die 'Bösen' vernichtet. Er sieht es als einen Befehl Gottes an. Irgendwann aber wird ihm die Einsicht beschleichen, dass die Vorstellung, die er von Gott hat, eigentlich sich in keinster Weise unterscheidet von der Vorstellung, die er von dem Teufel hat. 

Ich kann die IS-Kämpfer oder die Taliban sogar ein wenig verstehen, weil ich ja auch mal so ähnlich getickt habe. Die Ungläubigen erschienen auch mir damals wie fremde Wesen, die ihre eigentliche Bestimmung verloren haben. Aus meiner Sicht war ihr ganzes Dasein eine einzige Beleidigung für Gott, weil sie nicht nach Ihm fragten, obwohl Er doch ihr Schöpfer war. Ich hatte das Gefühl, dass ich in Feindesland bin. Das Fernsehen strahlte immer nur Sendungen aus, die so taten, als ob Gott gar nicht existieren würde. Obwohl Gott doch das Wichtigste überhaupt ist, tun die Medien auch heute noch so, als ob es nicht relevant sei, über Gott zu berichten. Das habe ich damals immer wieder auch als eine persönliche Kränkung empfunden. Man durfte mich persönlich so oft beleidigen, wie man wollte, aber bloß nicht meinen Gott!    

A: "Und wie siehst du das heute?"

S: "Ein wenig denke ich auch heute noch so. Nur wundert es mich nicht mehr wirklich, denn mir ist immer mehr bewusst, dass die Welt von Satan reagiert wird, der hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hält. Im Grunde können die Menschen einem nur leidtun, denn sie sind nur ein Spielball Satans ohne sich dessen bewusst zu sein. Dennoch sind sie nicht unschuldig, denn es müsste ihnen eigentlich klar sein, dass sie mit einer Absicht geschaffen wurden, nämlich um Gott nützlich zu sein und Ihm zu dienen. Tatsächlich aber verhalten Sie sich wie Angestellte in einer Firma, die nicht bereit sind, einen Finger krumm zu machen für ihren Chef, obwohl dieser ihnen regelmäßig ihr Gehalt zahlt. Sie müssen sich sich also nicht wundern, wenn sie eines Tages vor die Tür gesetzt werden."

A: "Wenn diese Angestellten - um bei diesem Bild zu bleiben - wenigstens eine unmissverständliche und auch erfüllbare Aufgabenstellung von ihrem Chef bekommen hätten! Und wenn Sie diesen wenigstens auch einmal zu Gesicht bekommen hätten! - dann könnte ich es noch verstehen, wenn sie wegen ihrer Arbeitsverweigerung eines Tages bestraft werden würden. Tatsache ist aber, dass die moralischen Ansprüche, die dieser Gott stellt, für einen Normalsterblichen kaum erfüllbar sind, weil sie ihn völlig überfordern. Es ist aus meiner Sicht einfach unnatürlich, wenn von einem Menschen erwartet wird, dass er sich ein Unrecht, dass ihm angetan wurde, einfach gefallen lassen soll. Dadurch werden die Schurken doch nur bestärkt, dass sie immer nur weiter machen können, ohne dass ihnen Einhalt geboten wird."

S: "Im Gegenteil. Der HErr Jesus durchbricht mit Seinem Gebot von der rechten und der linken Backe die unheilvolle Logik der Vergeltung und stellt ihr das göttliche Prinzip der Vergebung entgegen. Dass man dadurch manchmal viel mehr erreichen kann, hat ja z.B. auch Mahatma Gandhi bewiesen, der sich von der Idee des gewaltlosen Wiederstandes inspirieren ließ und dadurch Indien aus der englischen Kolonialherrschaft befreit hat.

Ich hatte zuletzt zwei Gerichtsstreitigkeiten, bei welchen mir Kunden meinen Werklohn nicht zahlen wollten. Ich hatte sie daraufhin verklagt und am Ende in beiden Fällen einen Pyrrhus-Sieg erzielt, indem ich zwar im Rahmen eines Vergleichs einen größeren Teil meines Geldes zugesprochen bekam, dieser jedoch fast gänzlich durch Anwalts- und Gutachterkosten verschlungen wurde, so dass am Ende kaum etwas übrig blieb. Stattdessen haben mich beide Prozesse unglaublich viel Zeit und Nerven gekostet, so dass ich im Nachherein feststelle, dass es besser gewesen wäre, wenn ich von Anfang an auf diesen Teil verzichtet hätte.“

A: „Aber darauf legen es solche Kunden doch nur an, dass man irgendwann zermürbt wird und dann aufgibt. Und wenn sie dann sehen, dass sie auf keinerlei Widerstand stoßen, dann fühlen sie sich auch noch bestärkt in ihrer Auffassung, dass man immer kriegt, was man will, wenn man es nur immer wieder laut und frech einfordert. Sie brauchen noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben, denn sie können sich bei den Christen ja immer darauf verlassen, dass diese still und doof wie Lämmer auch ihre linke Backe hinhalten. Deshalb hat das Christentum die Ausbeutung und das Unrecht in der Welt eher noch befördert, anstatt es einzudämmen.“

S: „Von ‚still sein‘ steht nichts im Text. Jesus wurde selber mal vor dem Hohen Rat geschlagen, aber Er hat in diesem Moment nicht geschwiegen, sondern wollte von dem Gerichtsdiener wissen, warum dieser Ihn geschlagen hat. Es ging Ihm darum, dass sich die Menschen über ihr Tun selber Rechenschaft ablegen, ob es recht ist oder nicht, bevor Gott es ihnen eines Tages bekanntgeben wird. Trotzdem sollen wir selber uns nicht rächen, sondern es Gott überlassen, dass Er eines Tages Vergeltung üben wird für alles geschehene Unrecht. Hier ist eben einfach der Glaube der Gläubigen gefordert.“

A: „Aber steht denn nicht auch in der Bibel: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘?“

S: „Ja, im Alten Testament. Das gehörte zum Gesetz, das Gott dem Volk Israel durch Mose gegeben hat.
Denn bevor Mose die Anweisung gab, dass die Israeliten entstandenes Unrecht zu gleichem Teil vergelten sollten, war es in der damaligen Zeit üblich, dass man sich um ein Vielfaches gerächt hatte.
So sprach z.B. Lamech, der Sohn Kains, in 1.Mo. 4:23 ‚Einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Jüngling für meine Strieme!‘ Das Volk Israel sollte lernen, Maß zu halten und sich nicht mehr zu rächen, als an Schaden wirklich entstanden war. Das war eine vergleichsweise große Rechtsreform, und für die damalige Zeit absolut modern und revolutionär.“

A: „So habe ich es noch nicht gesehen. Man kann wirklich sagen, dass es in dieser Frage eine echte Entwicklung zum Guten gegeben hat, wenn man die Steinzeit mit der heutigen Zivilisation vergleicht. Dazu haben sicherlich auch die Religionen einen Teil dazu beigetragen. Es wäre überhaupt sehr wünschenswert, wenn sich noch mehr Menschen von der Bergpredigt inspirieren und orientieren lassen würden. Dann bräuchte man das menschliche Zusammenleben nicht mehr ständig durch neue Vorschriften regeln, sondern könnte die Menschheit dazu bringen, sich von einer einzigen großen Idee leiten und treiben zu lassen, nämlich der Idee, dass wir alle eigentlich Brüder und Schwestern sind.“

S: „Und genau das sehe ich im echten, bibeltreuen Christentum längst verwirklicht: Wenn ich mich mit Gläubigen aus anderen Städten oder Ländern treffe, dann weiß ich, dass ich ihnen 100 % vertrauen kann, weil wir alle an die Bibel glauben. Es geht um Verbindlichkeit. Wer an die Bibel glaubt und gottesfürchtig ist, dem kann ich ohne mit der Wimper zu zucken 10.000 € ausleihen und ich weiß, dass er sie mir pünktlich wieder zurückgibt. Hier in Bremen bin ich als Malermeister innerhalb der christlichen Szene ziemlich bekannt, und so bekomme ich viele Aufträge von Gläubigen erteilt, denn sie wissen, dass das Christsein eine Art Qualifizierung für Ehrlichkeit ist.“

A: „Das Phänomen der Verbrüderung gibt es aber auch in vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen und Kulturkreisen. Darauf hat das Christentum kein Patent.“

S: „Es wurde schon von vielen nachgeahmt, bleibt aber dennoch unerreicht. Von der Urgemeinde heißt es, dass sie ein Herz und eine Seele waren und alles miteinander teilten. Der Kommunismus hat versucht, dieses Ideal durch Zwang zu imitieren, ist aber kläglich gescheitert, weil man Liebe nicht erzwingen kann, - sie kann einem nur von Gott geschenkt werden.“

A: „Aber von welchem Gott? Warum ausgerechnet der Gott der Christen?! Und wenn Gott sich angeblich allein durch die Bibel kundgetan hat, - warum erschwert er den Menschen dann so sehr den Zugang zu seinem Heil, indem er von ihnen verlangt, an eine kaum glaubwürdige Botschaft zu glauben?! Denn die Bibel ist doch voller Widersprüche und absurder Geschichten, die nur von Schwachköpfen geglaubt werden können. “

S: „In Wirklichkeit enthält die Bibel keinen einzigen Widerspruch, der nicht aufzulösen wäre, sondern sie wird halt nur nicht von jenen Menschen verstanden, die sie auch nicht verstehen wollen.“

A: „So ein Quark! Wie soll denn ein geistig gesunder Mensch glauben können, dass ein Gott wegen der Verhaltensweisen seiner Geschöpfe, mit denen er selbst sie ausgestattet hat, so wütend ist, dass er sie zu ewiger Qual in der Hölle verdammt und nur dann zur Vergebung bereit ist, wenn sein eigener Sohn von ihnen umgebracht wird?! Und dann sollen sie auch noch sein Fleisch essen, das sich in der Eucharestiefeier angeblich in eine Oblate verwandelt. Das ist ja fast so etwas wie ein ritueller Kannibalismus!“

S: „Was die katholische Kirche aus dem schlichten Gedächtnismahl des HErrn gemacht hat, dafür kann die Bibel doch nichts! Aber wenn Gott uns Seinen Heilsplan in der Bibel mitteilt, dann ist es doch wohl ein Zeichen Seiner Liebe zu uns, dass Er einen Weg bereitet hat, auf welchem wir wieder mit Ihm versöhnt werden können. ER hätte uns genauso gut alle vernichten können, und das wäre Sein gutes Recht gewesen. ER muss uns keine Rechenschaft abgeben - wir Ihm aber schon. Gott hat uns geschaffen, um sich an uns zu erfreuen. Jeder Mensch kann Gott durch das Erschaffene erkennen, so dass Er keine Ausrede hat; denn das, was existiert, ist nicht einfach durch Zufall entstanden.“

A: „Die Schöpfung ist ja auch so ein Märchen, an das heute kein Mensch mehr ernsthaft glauben kann. Da soll Gott angeblich die Welt erst vor 6000 Jahren innerhalb von 6 Tagen erschaffen haben, nach dem Motto: ‚Backe, backe Kuchen‘. Dabei ist doch längst bewiesen, dass die Welt in Wirklichkeit schon 4,6 Milliarden Jahre alt ist und erst in einem langen Evolutionsprozess entstand, für den das Einwirken eines Gottes gar nicht erforderlich war. Dennoch gibt es unter den Christen immer noch ein paar Verbohrte, die behaupten, dass Evolution angeblich unwissenschaftlich sei. Und warum behaupten sie das? Weil sie fürchten, dass ihre Schäflein sonst ihren Glauben an die Bibel verlieren und wieder in die Welt zurückkehren würden! Denn wenn Gott das Universum vor 13,7 Milliarden Jahren durch einen Urknall geschaffen hätte, dann wäre es ja auch kaum glaubwürdig, dass es Gott bei der Erschaffung der Welt um uns Menschen gehen könnte, da wir offensichtlich nur ein unbedeutendes Randereignis wären, inmitten eines unvorstellbar großen Weltalls, innerhalb einer winzig kleinen Zeitspanne. Denn wenn es wirklich um uns ginge, dann wäre sowohl die unvorstellbar lange Zeit bis zu unserer Entstehung, noch die ungeheuer riesige Anzahl an Sternen notwendig gewesen, um uns hervorzubringen. Gott hätte andere Mittel und Wege gefunden, wenn es ihm doch nur um unser Heil und Wohl gegangen wäre.“

S: „Es hat nie einen ‚Urknall‘ gegeben, schon allein deshalb nicht, weil sich Schall nur durch Trägerteilchen ausbreiten kann, die im vakuumähnlichen Universum jedoch zu wenig vorhanden sind.“

A: „Der Big Bang ist ja auch nur ein Name für den Beginn von Raum und Zeit, den man wissenschaftlich auch als ‚Singularität‘ bezeichnet. Durch die Rotverschiebung hat man jedoch schon vor Jahrzehnten bewiesen, dass sich unser Universum ausdehnt, so dass sich aufgrund der Geschwindigkeit der Beginn der Ausdehnung zurückdatieren lässt auf einen Zeitpunkt vor etwa 13,7 Milliarden.“

S: „Die Urknalltheorie beruht auf einer ganzen Reihe hypothetischer Annahmen, die wissenschaftlich unbewiesen und sogar widersprüchlich sind. So weiß man z.B. bis heute nicht, welcher Mechanismus aus dieser angeblichen Singularität herausgeführt hat. Zudem bleibt offen, ob die heute bekannten Naturgesetze vor, während oder nach der auf die Singularität folgenden Inflation entstanden sein sollen. Auch die Entstehung von Galaxien und Sternen ist bis heute rätselhaft und völlig ungelöst, sondern basiert nur auf Hypothesen, die in vielen Details den Naturgesetzen widersprechen. Die irreführende Bezeichnung 'Urknall' steht stellvertretend für die ganze oberflächliche Herangehensweise und voreilige Festlegung der heutigen Astrophysiker auf ein Standadmodell, das noch immer viel zu viele Fragen aufwirft, um berechtigterweise als 'geklärt' zu gelten. Ebenso die ganzen Berechnungen über das angeblich milliardenjährige Alter des Universums und der Erde gehen von Grundannahmen aus, die keineswegs gesichert, sondern äußerst umstritten sind. Daher sehe ich keinerlei Grund, warum ich diesen ganzen unbewiesenen Entstehungstheorien Glauben schenken soll, sondern darf mich beruhigt auf das zuverlässige Zeugnis der Bibel stützen, die für das Alter der Menschheit außerordentlich präzise Angaben macht, deren Summe auf etwa 5988 schließen läßt, also rund 6000 Jahre."

A: „Dann glaubst Du also auch an Adam und Eva? Das ist doch alles völliger Blödsinn und nur ein Mythos! Vor 6.000 Jahren lebten schon 7.000.000 Menschen auf der Erde. In Wirklichkeit ist die Menschheit auch deutlich älter als 6000 Jahre. Die ältesten Knochenfunde des Homo sapiens aus dem Süden Äthiopiens datieren schon 200.000 Jahre zurück.“

S: „Ach ja? Wenn das so wäre, dann hätten bei einem gleichmäßigen Anstieg ja schon fast 700 Milliarden Menschen vor Adam gelebt haben müssen! – Wo sind denn deren Knochen alle? Und wo ist deren ganzes Steinwerkzeug? Unsere Böden müssten doch eigentlich alle voll sein mit all diesen Frühmenschen und ihren Hinterlassenschaften, oder nicht?! Zudem gibt es eine Studie über die mitochondriale DNA, nach welcher die Menschheit theoretisch nur 6.000 Jahre alt sein kann („A high observed substitution rate in the human mitochondrial DNA control region” Nature Genetics 15, 363 - 368 (1997) by Thomas J. Parsons et al.)“

A: „Das kann ich mir kaum vorstellen – und selbst wenn, dann gäbe es sicherlich auch dafür eine plausible Erklärung. Das sind alles solche Fragen, die Du den Forschern überlassen musst, um sie zu beantworten; und mit zunehmendem Wissen klären sich auch immer mehr solcher Fragen.“

S: „Ein Wissenschaftler hat mal gesagt: Wenn wir nach langem Suchen die Antwort auf eine Frage gefunden haben, dann haben sich in der Zwischenzeit schon wieder 10 neue Fragen gebildet, die unsere vermeintliche ‚Antwort‘ sofort wieder in Frage stellen.“

A: „Das ist sicherlich so. Aber ein Wissenschaftler würde ja auch nie behaupten, dass er eine endgültige Antwort auf eine Fragestellung gefunden habe, sondern bekennt sich stets dazu, dass sein Wissen nur eine höchst mögliche Wahrscheinlichkeit an Wahrheit hat, die aber immer wieder durch neue Funde korrigiert werden kann. Wissenschaft ist also nicht dogmatisch – so wie Religion, sondern versucht, durch Theoriebildung und durch das Prüfen und Bewähren von Theorien sich eine brauchbare Arbeitsgrundlage zu schaffen, die immer offen bleibt für neue Funde und Erkenntnisse.“

S: „Es gibt jedoch Wahrheiten, die man grundsätzlich nicht in Frage stellen sollte, da sie auch nicht das Ergebnis menschlicher Forschung sind, sondern göttlicher Offenbarung entspringen.“

A: „Jetzt bin ich aber gespannt…“

S: „Zum Beispiel die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen, sowie die Frage nach dem Warum und Wieso, also dem Sinn des Lebens. Oder auch die Frage, WIE wir leben sollen, kann nicht zur Disposition stehen, d.h. die Frage, was gut und böse ist. Das sind alles Fragen, die Gott den Menschen in der Bibel beantwortet hat, weil sie für sein Leben von essentieller Bedeutung sind.“

A: „Das ist doch völliger Blödsinn! Die Menschen wussten schon lange vor den 10 Geboten, dass es besser für sie ist, wenn sie sich nicht bei jeder Kleinigkeit gegenseitig die Keule auf die Rübe schlagen!“

S: „Tatsächlich? Diese Einsicht haben sie doch bis heute nicht, denn noch nie gab es so viel Kriege und Blutvergießen weltweit wie heute.“

A: „Erkenntnis und Umsetzen von Erkanntem sind Zweierlei. Es kann aber nicht geleugnet werden, dass die Menschheit in einem fortschreitendem Prozess der Zivilisierung steckt durch die allgemeine Anerkennung der Menschenrechte.“

S: „Zu dieser Entwicklung hat das Christentum einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet. Deshalb haben sich die christlichen Gründerväter Amerikas in ihrer Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte auf Gott berufen können, denn ohne diesen Bezug auf Gott wäre eine Menschenrechtserklärung gar nicht begründbar.“

A: „So ein Schmarrn! Und was für eine Anmaßung! Denn Du behauptest dadurch ja indirekt, dass es vor der Entstehung des Juden- und Christentums noch gar keine Menschlichkeit auf Erden gab, und dass auch andere Kulturen und Religionen gar nicht fähig sind, moralische Grundsätze und Werte zu entwickeln!“

S: „Nein, das habe ich nicht behauptet. Die Bibel selbst lehrt ja, dass Heidenvölker, die den Willen Gottes nicht kennen, schon durch ihr Gewissen, das sich durch ihre Erziehung im Rahmen ihrer Religion, Sitte und Moral herausgebildet hat, eine grundsätzliche Vorstellung von Recht und Unrecht haben. Durch die Verbreitung und Annahme des Christentums erhielten die Menschen aber noch zusätzlich eine starke Motivation, sich moralisch korrekt zu verhalten, denn ihnen wurde bewusst, das Gott alles sieht und sie eines Tages für alles zur Rechenschaft ziehen wird.“

A: „Das ist frommes Wunschdenken. In Wirklichkeit wurden die Menschen durch das Christentum nicht besser sondern eher schlechter, weil sie sich für ihr verbrecherisches Handeln auch noch teilweise auf die Bibel berufen konnten. Herrscher durften ihre Untertanen weiter unterdrücken ohne dass diese sich wehren durften, denn es steht ja geschrieben, dass alle Obrigkeit von Gott eingesetzt wurde. Die Zerstörung der berühmten Bibliothek von Alexandrien wurde wahrscheinlich von einem aufgehetzten christlichen Mob verursacht, der sich darauf berufen konnte, dass das Wissen der Welt ja Torheit bei Gott sei. Plantagenbesitzer durften weiter ihre Sklaven misshandeln, da die Bibel ja die Sklaverei befürwortet. Und Frauen durften kein eigenständiges Leben führen, da die Bibel ja den Frauen gebietet, ihren Männern unterwürfig zu sein. Und wenn es dann immer mal wieder mutige Humanisten gab, welche die Freiheit und Gleichheit der Menschen gefordert haben, dann wurden sie von der Kirche verfolgt und mundtot gemacht. Das sogenannte ‚christliche Abendland‘ ist eine Legende und hat es nie gegeben. In Wirklichkeit haben die Kirchen dem Volk nicht die Menschenrechte gebracht, sondern die Menschenrechte mussten erst gegen den erbitterten WIDERSTAND der Kirchen ERKÄMPFT werden!“

S: „All dies habe ich früher auch geglaubt. Tatsächlich aber hat der Humanismus den Menschen keine wirkliche Freiheit gebracht, sondern nur Liberalismus. Die Menschen wollen frei sein von den Vorschriften Gottes und sich das Recht nehmen, zu sündigen. Aber die Sünde ist in Wirklichkeit gar keine Freiheit, sondern führt den Menschen in eine Abhängigkeit von seinen Lüsten und Trieben. Jesus sagt: ‚Wer in Sünde lebt, ist ein Sklave der Sünde‘. Und tatsächlich: wohin hat z.B. die Habgier den Menschen gebracht? Zu mehr Glück? Nur scheinbar. Denn es ist ein ‚Glück‘ auf Kosten der anderen. So wie sich Geld nicht wirklich vermehrt, sondern nur den Besitzer wechselt, so ist es auch mit dem Recht: Wenn ich einer Frau das Recht zuspreche, ihr ungeborenes Kind zu töten, dann spreche ich zugleich dem Kind das Recht auf Leben ab. Und wenn der Staat sich das Recht nimmt, die Kinder zum Schulbesuch zu zwingen, damit sie z.B. auch in den ‚Genuss‘ von Pornografie kommen können im Rahmen der Genderismus-Umerziehungs-Indoktrination, dann nimmt der Staat den Eltern zugleich das Recht weg, ihren Kindern die Werte der Bibel zu vermitteln. Ich würde so etwas nicht Fortschritt nennen, sondern Rückschritt in einen totalitären, antichristlichen Staat.“

A: „Du übertreibst. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in welcher jeder so leben kann, wie er mag, sogar wenn er religiös verbohrt ist. Aufgabe des Staates ist es lediglich, jedem Menschen ein möglichst gleiches Maß an Rechten einzuräumen. Im Unterschied zu den Buchreligionen geht unser demokratisches Rechtssystem nicht von göttlich vorgegebenen, ewiggültigen Werten aus, sondern es beruht auf einem Gesellschaftsvertrag, dessen Werte immer wieder von Zeit zu Zeit neu verhandelt werden müssen.“

S: „Das heißt also, dass – wenn die Gesellschaft irgendwann die ‚Abtreibung‘ bzw. Ermordung von behinderten Frühgeborenen mehrheitlich als unproblematisch beurteilt – man auch diese töten darf, so wie es der australische Philosoph Peter Singer erst letztens wieder in einem Interview festgestellt hat (http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/philosoph-peter-singer-ein-embryo-hat-kein-recht-auf-leben-1.18547574)?“

A: „Das ist zwar äußerst unwahrscheinlich, aber rein hypothetisch betrachtet, ist das denkbar.“

S: „Ist das nicht traurig?! Es erinnert mich ein wenig an Nietzsche, der in der Geschichte vom tollen Mann fragt: ‚Wohin bewegen wir uns… Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts?‘ Ist das etwa nicht die Konsequenz, wenn eine Gesellschaft sich von Gott lossagt und sich selber Wertmaßstäbe schaffen will, die es dann immer wieder der Mehrheitsmeinung anpassen muss? Ist dann etwa nicht wieder ein weiterer Holocaust möglich, wenn der Hass gegen die Juden mal wieder salonfähig wird? Und mit welchem Recht verurteilt der Westen dann den IS oder andere Islamische Staaten, wenn doch die Mehrheit derselben sich für die Einhaltung der Scharia entschieden hat?“

A: „Im Prinzip hast Du recht. Demokratie ist immer auch ein Risiko, weil Menschen beeinflussbar sind. Aber sie ist das Beste was wir haben. Solange die Mehrzahl der Menschen noch immer frei für sich selbst entscheiden kann, wer sie regieren soll, ist die Gefahr, dass die Falschen an der Macht sind, gering. Auf jeden Fall – davon bin ich überzeugt – kann der Mensch selber wissen, was gut für ihn ist, und braucht dazu nicht extra ein außerirdisches Wesen, das es ihm erklärt.“

S: „Der Mensch kann ja noch nicht einmal sich selbst beherrschen, - wie will er dann auch noch Verantwortung für andere übernehmen!? Der Atheismus gibt dem Menschen keine Orientierung im Leben. Wenn Recht und Unrecht immer wieder neu verhandelt werden müssen, dann werden immer mehr schädliche Kompromisse gemacht, die der Gesellschaft schaden. Ein Sprichwort sagt: ‚An runden Tischen verliert man schnell seine Kanten‘. Als man sich z.B. in den 70er Jahren dafür entschied, das Prinzip der Schuldfrage bei Ehescheidungen aufzugeben, gingen in der Folge die Scheidungsraten in die Höhe. Die Folge waren oftmals verstörte und orientierungslose Kinder, die ihr Leben lang Schwierigkeiten hatten, eine eigene, dauerhafte Beziehung einzugehen. Hätten die Eheleute sich jedoch gottesfürchtig unter das Gebot Jesu gebeugt, ‚Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden‘, dann wären all die Probleme erst gar nicht entstanden. Sünde bedeutet eigentlich ‚Verfehlung‘, d.h. dass der Mensch den Plan und das Ziel Gottes verfehlt, weil er eigenmächtig Entscheidungen trifft, ohne Gott zu fragen. Wenn z.B. in einer Schule die Heizungsanlage ausfällt, dann nützt es nichts, wenn die Lehrer und die Schüler demokratisch darüber abstimmen, wer die Anlage reparieren darf, wenn in Wirklichkeit doch niemand Ahnung hat, wie man eine solche repariert. Sondern man ruft den Monteur an, der die Heizungsanlage installiert hat, weil der sich am besten damit auskennt. Und genauso ist es mit den Problemen der Welt: auch diese kann niemand wirklich lösen als nur der Schöpfer allein.“

A: „Vorausgesetzt, dass es überhaupt einen Schöpfer gibt, der uns eine Gebrauchsanweisung für das Leben mitgegeben hat, wie es die Christen behaupten. Aber beantworte mir mal eine Frage: Wenn wirklich die Gefahr bestünde, dass die Menschen für ihr Tun von Gott mit der Hölle bestraft werden, warum stellt Gott dann angeblich den Glauben als Bedingung zur Erlangung des Heils? Wenn er den Menschen vergeben will, warum vergibt er ihnen nicht einfach, anstatt überhaupt Bedingungen zu stellen? Schließlich muss ein souveräner Gott doch niemandes Vorschriften beachten, sondern kann tun und lassen, was er will.“

S: „In Deinem letzten Satz hast Du Dir selbst die Frage gerade beantwortet. Die Menschen haben eine bestimmte Vorstellung von Gott, wie Er sein muss, damit sie bereit sind, an ihn zu glauben. Aber Gott kann man keine Bedingungen stellen, sondern Er allein ist es, der die Bedingungen stellt. Gott will auch gar nicht mit unserem begrenzten Verstand fassbar sein, und will auch nicht alle Menschen auf einmal erretten, weil seine Rettungstat dann an Wert verlieren würde. Die Bibel zeigt uns, dass Jesus Christus in erster Linie die Einfältigen und Unmündigen der Welt erretten möchte, damit sich vor Gott niemand seiner Intelligenz rühmen kann. Nur durch den Geist Gottes ist man überhaupt in der Lage, die biblische Botschaft als wahr anzunehmen, und wem Gott sich nicht durch Seinen Geist zu erkennen gegeben hat, der soll es auch gar nicht verstehen.“

A: „Das ist doch nur eine ganz billige Ausrede, wenn einem nichts Gescheites mehr einfällt, mit dem man argumentieren könnte.“S: „Das habe ich früher auch gedacht. Heute aber erkenne ich dahinter einen sehr weisen Plan: Gott offenbart sich in unterschiedlichen Zeiten jeweils auf eine geeignete und passende Weise. Das Wort Gottes ist so geschrieben, dass es die Bildungselite gar nicht verstehen soll, sondern nur die Einfältigen. Deshalb ist in der Bibel vieles erwähnt, das den menschlichen Intellekt bis aufs äußerste strapaziert und ihm Einsichten zumutet, die er nur im Glauben annehmen kann. Das aber tut Gott erklärtermaßen aus Prinzip, weil er den Schwachen und Einfältigen den Vortritt geben möchte ins Reich Gottes.“

A: „Wenn Du statt ‚Gott‘ besser ‚die religiösen Führer‘ einsetzen würdest, dann wäre ich ganz Deiner Meinung, denn SIE sind es doch, die die Einfältigen als leichte Beute für ihre abstrusen Pläne anlocken und verführen! Das ist doch genau das, was jeder Diktator als erstes tut, wenn er an die Macht kommt, nämlich die Elite auszuschalten, da diese ihm gefährlich werden kann. Hitler ließ die Bücher verbrennen, weil er nicht wollte, dass die Deutschen seine Politik durchschauen. Auch die katholische Kirche hat Jahrhunderte lang verhindert, dass die Menschen die Bibel verstehen sollen, deshalb wurden die Gottesdienste auf Lateinisch gehalten. Und dass Gott angeblich nur die Unmündigen und geistig Armen erwählt hat, ist doch eine leicht durchschaubare Ausrede. In Wirklichkeit verhält es sich doch so, dass religiöse Menschen nur deshalb religiös sind, weil sie zu dumm sind, um die Dummheit der Religion zu erkennen!“

S: „Du setzt hier Einfalt mit Dummheit gleich. Es gibt da aber einen Unterschied. Es gibt viele Menschen die dumm und ungebildet sind, aber deshalb nicht unbedingt religiös. Und es gibt auch unter den religiösen Menschen nicht wenige Akademiker, Ingenieure und Professoren. Die geistig Armen, von denen der HErr Jesus in der Bergpredigt spricht, sind nicht unbedingt ungebildet, sondern sie unterstellen sich bewusst der geistigen Führung Gottes und entscheiden sich für ein Leben in Abhängigkeit von Gott. Dadurch werden sie von außen betrachtet als „arm“ wahrgenommen, denn sie wollen nicht – wie die meisten Menschen – mit ihrer großen Klugheit prahlen, sondern sich mit dem begnügen, was Gott ihnen zu erkennen gibt. Dadurch aber zeigen sie echte Weisheit und Klugheit, weil der Geist Gottes in ihnen wohnt.“

A: „Du bist aber jetzt gar nicht auf meine Frage eingegangen, warum Gott die Menschen nicht alle auf einen Schlag errettet, wenn er sie doch angeblich so sehr liebt. Und ist Gott etwa nicht ein grausamer Despot, wenn er nur eine kleine Auserwähltenschar errettet, die übrigen seiner Geschöpfe einfach in die Hölle schickt?!“

S: „Für uns Menschen ist das Thema Auserwählung schwer begreiflich. Aber da wir nicht alle Geheimnisse Gottes wissen, sollten wir uns mit voreiligen Schlüssen zurückhalten. Zudem sind auch nicht alle Menschen ursprünglich von Gott gewollt. Die Bibel sagt: ‚Der Gesetzlose ist wie ein nicht gepflanzter grüner Baum‘, d.h. er ist einfach nur durch Zufall da. Zudem spricht die Bibel von Menschen, die ‚aus dem Willen des Mannes‘ entstanden sind, bzw. ‚aus dem Willen der Fleischeslust‘, aber nicht aus Gott geboren sind. Wenn Gott sie aber auch nicht auserwählt hat, heißt das nicht, dass sie Ihm egal sind, denn Er will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Dass Gott ein ‚Despot‘ sei, wird noch nicht einmal in der Bibel bestritten, nur dass es dort mit ‚Hausherr (über Sklaven)‘ übersetzt wird. In der DaBhaR-Übersetzung von F.H. Baader wird es mit ‚Trinkmächtiger‘ übersetzt, also derjenige, der sich auch fürsorglich um seine Sklaven kümmert, indem er ihnen z.B. immer genug zu trinken gibt.

Gott als guter Sklavenhalter? Für die heutige Menschheit ist das unvorstellbar. Aber in der Antike war das überhaupt kein Problem. Gott hat alle Macht, weil Er souverän ist bzw. sein muss. Aber das bedeutet nicht, dass Er die Macht zum Schaden für uns missbraucht. Dass Menschen von ihm nicht auserwählt wurden zum Heil, bedeutet für mich nicht, dass Er grausam ist, sondern dass Er einen Plan hat, den Er uns jedoch nur zum Teil enthüllt hat, nämlich nur so weit, dass wir Ihm vertrauen können. Wenn Du Deine hochmütige Haltung Gott gegenüber nicht änderst, dann wird Gott Dich eines Tages demütigen und beschämen, und Du wirst auf tausend Fragen nicht eine beantworten können. Gottes Wort sagt, dass eines Tages sich jedes Knie vor Gott beugen und jede Zunge bekennen wird, dass Jesus Christus der HERR ist, und was ER sagt, das gilt, ob Du es glauben willst oder nicht!“

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